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Ein Stolperstein für Lehrer Julius Sundheimer?

Rinteln / Erinnerung Ein Stolperstein für Lehrer Julius Sundheimer?

Lange schien das Thema „Stolpersteine für Rinteln“ in der Versenkung verschwunden zu sein, nachdem die Grünen es im Kommunalwahlkampf 2011 noch einmal in den Vordergrund gestellt hatten.

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Rinteln (dil). Doch jetzt geht es voran. Der Stadtrat hat für nächstes Jahr im Haushalt 3000 Euro bereitgestellt, am Gymnasium Ernestinum ist eine Schülergruppe unter Leitung des Fachobmanns Geschichte, Thomas Weißbarth, dabei, das Schicksal von Julius Sundheimer zu erforschen, dessen Name auf dem ersten Stolperstein in der Rintelner Altstadt stehen könnte. Der Initiator dieser bundesweiten Aktion, Künstler Gunter Demnig, soll im nächsten Jahr einen Antrag der Stadt auf Genehmigung eines solchen Steins erhalten.

 Die aktuelle Ausgangslage: 2017 wird das Ernestinum 200 Jahre alt. Die Grünen haben für Geld gesorgt. Es gab ein erstes Treffen mit Vertretern aus Kirchengemeinden und – als einziger Schule – dem Ernestinum zum Thema Stolpersteine. Weißbarth wurde von seiner Schule beauftragt, zum 200-jährigen Bestehen die Chronik zu aktualisieren und fortzuschreiben. Und im Schularchiv ist die Zeit des Nationalsozialismus ausführlich dokumentiert.

 Also machte sich Weißbarth mit einer interessierten Schülergruppe an die Arbeit. Bald stießen sie in der Festschrift von 1967 auf das Bild des Lehrerkollegiums von 1930, wo ein Name ausgespart war. Es handelte sich um den jüdischen Lehrer Julius Sundheimer, der 1933 in Zwangsruhestand versetzt wurde. Er wurde nach zwischenzeitlichem Aufenthalt in Herrlingen (Baden-Württemberg) im Dezember 1941 von Hannover aus ins jüdische Ghetto von Riga (Lettland) deportiert und kam später vermutlich in einem Konzentrationslager um.

 „Als Kurt Klaus sein Buch über Rintelner Juden schrieb, hatte er noch kein Internet zur Verfügung“, erklärt Weißbarth. „Heute gibt es mehr Informationen.“ So hat er selbst über die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel noch Informationen und Fotos beschaffen können. Dadurch steht fest, dass Sundheimer aus Frankfurt (geboren 1895) stammte und 1930 nach Rinteln kam. Später heiratete er in Herrlingen die Rintelnerin Käthe Stamfort, Sohn Hans wurde 1937 geboren. Seine Unterrichtsfächer waren Mathematik, Chemie und Physik.

 „Das wäre ein Stolperstein für Rinteln“, meint Weißbarth. „Wir würden dazu im Seminarfach Erinnerungskultur der Oberstufe weiter recherchieren. Eine Gruppe versucht auch, im Internet weitere Namen und Lebensläufe von Juden zu finden, die in Rinteln gelebt hatten.“

 Und wie geht es nun konkret weiter? „Im Januar werden wir erst einmal einen konkreten Antrag an die Stadt Rinteln stellen. Dann suchen wir auch Kontakt zum Verein Alte Synagoge Stadthagen, der mit Demnig bereits mehrere Stolpersteine in der Kreisstadt verlegt hat. Dort wollen wir mehr über Kosten und Konditionen der Aktion erfahren. Erst danach wollen wir uns an den Künstler selbst wenden und ihn um die Genehmigung einer Aktion bitten.“ Dazu kommt Demnig erfahrungsgemäß selbst vor Ort, hat dies auch in Bückeburg schon mehrfach getan.

 Weißbarth hofft auf große Anteilnahme in der Rintelner Bevölkerung: „Es wäre schön, wenn wir die Aktion auf eine breite Basis stellen könnten.“ Am 27. Dezember ist übrigens Holocaust-Gedenktag.

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