Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
„Eine Krippe kommt bei uns nicht ins Haus“

Rinteln / St. Nikolai „Eine Krippe kommt bei uns nicht ins Haus“

„Eine Krippe kommt bei uns nicht ins Haus, wir sind doch nicht katholisch!“ An diese Worte von seinem Großvater erinnert sich Wolfgang Böcker noch genau.

Voriger Artikel
Dorfgemeinschaft gefördert
Nächster Artikel
Südamerikanische Rhythmen zu bunten Farben

Rinteln (jhü). Unweigerlich erfuhr der damals noch kleine Junge den Standpunkt seines Opas zum Thema Weihnachten: „Manche Dinge gehören unter den Tannenbaum – und manche eben nicht.“ Böckers Mutter bestätigte die Haltung des Großvaters obendrein noch mit einem Nicken und einem strengen Blick. Somit war das Thema meist schnell erledigt. Auch Böckers Vater blieb dann lieber still, obwohl er selbst als Kind die besinnlichen Krippen immer so sehr bewunderte.

 Das Gemeindehaus der St.-Nikolaikirche hat am 1. Advent Krippen aus verschiedenen Zeiten und Weltregionen ausgestellt. Barbara Schulz, Mitarbeiterin im Eine-Welt-Laden und Lektorin der Kirche, hatte bereits im vergangenen Jahr im Eine-Welt-Laden den Besuchern Krippen aus aller Welt gezeigt. Dieses Jahr hatte sie die Idee, einmal in der Gemeinde St. Nikolai nachzufragen, ob vielleicht die Familien noch Krippen besitzen – und siehe da, regelrecht alte Schätze wurden ausgegraben. „Ich war ganz überrascht, dass so viele ihre Krippen für die Ausstellung hergeben“, freute sich Schulz.

 Liebevoll waren die Krippen im Gemeindehaus aufgestellt. Da waren ausländische Exemplare, die Schulz aus dem Eine-Welt-Laden mitgebracht hatte, wie zum Beispiel die sehr bunte mexikanische Krippe oder die peruanische, in der das Jesuskind zwar nackt ist, aber eine Alpaka-Mütze trägt. „Es ist interessant, dass jeder seine eigene Vorstellung hatte, wie das in Bethlehem aussah“, erzählte Schulz.

 Die Ausstellung zeigte aber größtenteils deutsche Krippen aus alter Zeit – die älteste unter ihnen eine Krippe aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die meisten Kunstwerke stammten aber aus den fünfziger Jahren – zu der Zeit, als die Menschen noch weniger Geld, aber mehr Zeit hatten. „Für meine Begriffe sind diese Krippen ein Ausdruck der Sehnsucht der Menschen damals, nach einer heilen Familie“, formulierte es Schulz.

 Eine Krippe stammt zum Beispiel aus einem Projekt der Grundschule Nord in den fünfziger Jahren – zu der Zeit als die Grundschule und die Hauptschule noch unter einem Dach waren. In den Werkräumen fertigten die Schüler ihre eigene Krippe. Und die zeigten nicht nur die Heilige Familie, sondern ganz viele Figuren um den Stall herum und unter anderem auch Tropenwälder mit Elefanten neben norddeutschen Tannen und Rehen. „Diese Kombination ist das Besondere an dieser Krippe“, so Schulz.

 Und dann war da noch eine Krippe von Wolfgang Böcker: die Krippe, die er als kleiner Junge gebaut hat. Er hat sich damals nämlich nicht einschüchtern lassen von der starren Überzeugung seines Großvaters. Vor mehr als 50 Jahren an einem Totensonntag sammelte er kleine Äste und Zweige, nahm die Laubsäge zur Hand, etwas Klebstoff, kleine Nägel und Sperrholzreste und baute daraus einen Stall im Blockhausstil. „Das könnte eine Krippe werden“, kommentierte er sein Werk. Nur etwas Stroh für das Dach und eine Beleuchtung für den Stall fehlten noch. Dabei half ihm sein Vater. Stolz wurde die Krippe am Abendbrottisch präsentiert „Nur noch die Figuren fehlen“, rief der kleine Wolfgang Böcker, aber niemand teilte seine Begeisterung. „Ich sag da nichts zu“, erklärte der Opa. Dann sagte er aber weiter: „Es gibt ja bald Weihnachtsgeld. Ich kann ja mal fragen, wie teuer die einfachen Figuren sind.“ Die saubere Ausführung der Arbeit seines Enkels hatte ihn offenbar gnädiger gestimmt.

 Diese Krippe hat Wolfgang Böcker zu der Ausstellung beigesteuert. Foto: jhü

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr