Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Eine andere Welt

Rintelner Schulpatenschaft Eine andere Welt

Eine Partnerschaft zu einer anderen Schule aufzubauen klingt nach einer ziemlich schwerfälligen Angelegenheit, nach langer Suche und vielen hochoffiziellen Besprechungen. Dass so ein Vorhaben jedoch auch beinahe spontan und mit Leichtigkeit zum Erfolg geführt werden kann, hat gerade das Ernestinum bewiesen. Noch erstaunlicher wird der ganze Vorgang, wenn man bedenkt, dass das Land, zu dem Kontakt hergestellt werden sollte, nicht gerade um die Ecke liegt. Es ging nämlich um die Suche einer Partnerschule in Japan.

Voriger Artikel
Ärgerliche Wartezeiten
Nächster Artikel
Bekommt Rinteln ein Festivalgelände?

Ernestinumschüler und Lehrer, eine finnische Schülerin (roter Trainingsanzug) und zwei amerikanische „Conservation Class“-Lehrerinnen (vorne links) begnügen sich mit der Walking-Variante.Fotos: pr.

RINTELN. Angefangen hat das Projekt mit der Faszination eines Lehrers für Land, Leute und Kultur. Markus Rass hat sich von Jugend an für Japan begeistert. Als Tourist ist er mehrmals dort gewesen und hat sogar ein paar Kurse in japanischer Sprache besucht.

„Am allermeisten gefallen mir die Menschen“, erzählt der Studienrat. „Die haben so eine Freundlichkeit und Herzlichkeit, so ein rücksichtsvolles Miteinander.“ Und was möchte ein guter Lehrer, wenn er selbst von einer Sache begeistert ist? Er will sie am liebsten mit seinen Schülern teilen. Wenn er Glück hat, wie Rass in diesem Fall, dann unterstützt ihn die Schulleitung in seinem Bemühen. Durch das eine oder andere Gremium ist der Entscheidungsprozess nach dem ersten Auftauchen der Idee im Juni 2016 gegangen, aber schon Ende Januar dieses Jahres konnten Schüler des zehnten und elften Jahrgangs ihren Antrittsbesuch an der „Horyuji Kokusai High School“ machen.

Die kleine Stadt – sie ist in etwa so groß wie Rinteln – in der die Schule liegt, heißt Ikaruga. Rass ist sehr froh, gerade in dieser kulturell wichtigen Region, fündig geworden zu sein.

Schule ist in Japan komplett anders

Die erste Woche ihres insgesamt zweiwöchigen Aufenthalts hat die fünfzehnköpfige Schülergruppe, die von Studienrat Rass und Schulleiter Reinhold Lüthen begleitet wurde, in Ikaruga selbst verbracht. Die Jugendlichen wurden auf einzelne Familien verteilt und nahmen am Schulalltag teil. Schule ist in Japan komplett anders. Es gibt keine mündliche Beteiligung. „Alle hören nur zu und schreiben mit“, stellten die Schüler fest. „Und manche schlafen auch im Klassenraum. Da sagen die Lehrer gar nichts.“ Das wäre ja auch kein Wunder, dass die so müde sind, kommt eine Erklärung von anderer Seite. „Meine Partnerschülerin ist so ein Beispiel. Wenn die noch ein wenig Zeit mit ihrem Vater verbringen wollte, hat sie gewartet, bis der von der Arbeit kam. Da war es oft schon nach Mitternacht.“ „Oh, ja, die arbeiten echt viel. Und Familienleben findet dann spät abends statt“, stimmen ihre Mitschüler zu.

Auch die Schüler wären sehr fleißig. „Die Schule ist das zweite Zuhause. Das Mädchen, bei dem ich wohnte, hat sowohl vor dem Unterricht, wie auch nach Schulschluss mit ihrer Tanzgruppe trainiert. Da wurde es schnell mal acht Uhr abends. Und das draußen in der Kälte!“

Drinnen so kalt wie draußen

Wie ihre japanischen Freunde mit den Temperaturen um den Nullpunkt zurechtkamen, war den deutschen Gästen sowieso ein Rätsel. „In Japan wird nur mit so kleinen Elektroöfen geheizt. Nachts stellt man sie aus. Die Gebäude sind überhaupt nicht gedämmt, die Wände, schon wegen der Erdbebengefahr, sehr dünn. In der Schule war es drinnen ungefähr so kalt wie draußen“, schaudert es die Schüler noch im Nachhinein.

Die Gastfamilien hätten sich jedoch sehr bemüht, den Ernestinum-Schülern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. „Ein bisschen komisch war, dass wir in der Schule und der Öffentlichkeit doch sehr bestaunt wurden“, berichten sie weiter. Es kämen eben nicht so viele Europäer ins japanische Inland.

In der zweiten Woche reisten die Schüler viel herum, unter anderem in die Weltstadt Tokyo. „Aber Nara und Kyoto haben uns eindeutig besser gefallen. Der Bambuswald, die Tempelanlagen und all die anderen Sehenswürdigkeiten.“

Ein Gegenbesuch durch japanische Schüler sei im Übrigen schon für diesen Sommer geplant. Schüler und Lehrer freuen sich schon auf das Wiedersehen mit lieb gewonnenen neuen Freunden. cm

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr