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Elektrogeräte sind für Schrotthändler tabu

Rinteln / Entsorgung Elektrogeräte sind für Schrotthändler tabu

Eine laute Melodie tönt durch die Ruhe des nachmittäglichen Wohngebiets. Was das bedeutet, weiß mittlerweile eigentlich jeder: Die Schrott-Sammler sind da.

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 Auf dem Recyclinghof der AWS Am Doktorseeweg gibt es für jedes alte Elektrogerät den passenden Behälter.

Quelle: jaj

Rinteln (jaj). Von einer alten Dachrinne über Kabelreste bis hin zu alten Fahrrädern nehmen sie nahezu alles mit, was ihnen angeboten wird. Sogar ausgediente Backöfen, Fernseher und Kühlschränke landen immer mal wieder auf der Ladefläche ihrer Fahrzeuge – verbotenerweise. Denn die Mitnahme von privaten Elektro-Altgeräten ist strafbar.

 Laut Gesetz dürfen nur Händler, Hersteller und öffentliche Entsorgungsträger, in Schaumburg ist das die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS), alte Elektrogeräte aus Privathaushalten zurücknehmen. Grund dafür ist, dass viele der Geräte gefährliche Inhaltsstoffe wie beispielsweise Blei oder Quecksilber enthalten. Diese Stoffe sollen fachgerecht entsorgt werden.

 Wieso sich trotzdem immer wieder fahrende Händler über dieses Verbot hinwegsetzen, liegt auf der Hand: Mit Elektroschrott lässt sich gutes Geld verdienen. Die Preise für eine Tonne Mischschrott liegen derzeit zwischen 150 und 200 Euro, für eine Tonne reines Kupfer können qualitäts- und marktabhängig sogar zwischen 3000 und 6000 Euro erzielt werden.

 50 Altmetallsammler haben ihre Tätigkeit derzeit beim Landkreis angemeldet. Und auch viele Kunden des Rintelner Recyclinghofs haben schon Erfahrungen mit ihnen gemacht. Teilweise halten sie sich nämlich sogar auf der Zufahrt zum Betrieb am Doktorseeweg auf und sprechen Kunden an, die ihren Müll eigentlich auf dem Recyclinghof entsorgen wollten. Der ein oder andere Anhänger ist auf diese Weise schon deutlich leerer geworden, bevor er das Betriebstor überhaupt erreicht hat. Dabei wäre die Anlieferung von Altmetallen und alten Elektrogeräten auch auf dem Recyclinghof kostenlos.

 Diese Schrottsammler kurz vor dem Recyclinghof, aber auch solche, die sich an bereitgestelltem Sperrmüll bedienen, sind für die Abfallbetriebe sehr ärgerlich, sagt Geschäftsführer Peter Kühn. Denn das Geld, das der AWS auf diesem Weg verloren geht, würde diese gerne für die Stabilisierung der Gebühren verwenden.

 „Wir versuchen, die Sammlungen vor unseren Betrieben so weit es geht zu unterbinden“, sagt der Geschäftsführer. Das sei aber schwierig, weil die Zufahrtsstraße kein Betriebsgelände ist, die AWS hat dort also kein Hausrecht. Die Kunden des Recyclinghofes seien deshalb schon mit Flugblättern auf das Problem aufmerksam gemacht worden, und die Mitarbeiter gingen auch immer wieder aktiv auf die Kunden zu. „Sie versuchen, den Kunden zu verdeutlichen, dass sie etwas Gutes tun, wenn sie ihren Schrott nicht in diese Kanäle geben“, sagt Kühn. Denn von der AWS würden Schrott und Altgeräte an zertifizierte Aufbereiter weitergegeben. „Wir wissen nicht, in welchen Kanälen der Schrott landet, wenn die Sammler ihn mitnehmen“, sagt er.

 Aber auch der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Rund 250000 Euro konnte die AWS im vergangenen Jahr aus Metallschrott und Elektro-Altgeräten erlösen. Die AWS hat deshalb jetzt beim Landkreis den Antrag gestellt, gewerbliche Sammlungen von Altmetall aus Haushalten generell zu untersagen. Dadurch wäre nach Angaben der Geschäftsführung eine Steigerung der Erlöse von weit über 100000 Euro zu erwarten – und die würden den Gebührenhaushalt entlasten.

 Eine Entscheidung über ein solches Verbot wurde beim Landkreis bisher noch nicht getroffen. Derzeit sei man damit beschäftigt, sich ein genaues Bild der durchgeführten Sammlungen zu machen. In diesem Zusammenhang sollen in Kürze alle Sammler, die ihre Tätigkeit angezeigt haben, einen Fragebogen erhalten. In ihm sollen sie beispielsweise Auskunft darüber geben, mit welchem Personal und welchem Fahrzeug die Sammlungen erfolgen und an wen die gesammelten Abfälle übergeben werden.

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