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Emotion pur: Reise durch Dunkelheit ins Licht

Rinteln / Osternacht Emotion pur: Reise durch Dunkelheit ins Licht

Die Feier der Osternacht in St. Nikolai hat sich zu einem der Höhepunkte des kirchlichen Lebens über die Feiertage in der Weserstadt entwickelt.

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 Süße Ostereier empfangen neben den Osterbrunnen: Pastor Dr. Dirk Gniesmer und Brunnenbauerin Doris Dubiel machen den Kindern eine Freude.

Quelle: dil

Rinteln. Rinteln (dil). Der besondere Zauber der Inszenierung lockt nicht nur evangelische Christen, das Kirchenschiff war auch diesmal voll. Drei Pastoren gestalteten den Gottesdienst. Jugendchor, Oratorienchor und Schaumburger Kammerorchester unter Leitung von Kreiskantor Wolfgang Westphal, das alles schafft Momente, die die besondere Bedeutung des Osterfestes besonders emotional spürbar machen.

 Am Eingang gibt es kleine Kerzen für jeden, drinnen ist nur wenig Licht. Dann wird die große Osterkerze hereingetragen, an ihr werden kleinere Kerzen entzündet, mit denen junge Menschen durch die Bankreihen gehen, um das Licht weiterzugeben bis in die hintersten Sitze. Nach der eindringlich gesungenen Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ greift Pastorin Astrid Bunselmeyer auf ein Wort des Dichters Christian Fürchtegott Gellert zurück: „Gott hat ihn (Jesus) durch den Tod zum Leben geführt.“ Sie erklärt den Versammelten die Symbolik der Lichtverbreitung: „Es gibt eine Reise durch die Dunkelheit in das Licht. So eine Reise haben wir heute unternommen. Nehmt etwas mit daraus: Zuversicht.“ Sie ermunterte, dieses Licht später in die Dunkelheit der Welt zu tragen und auch dort Zuversicht zu verbreiten, wie sie die Christen durch den Tod Christi und damit die Vergebung der Sünden erhalten.

 Kantor Westphal führte Sänger und Kammerorchester mit Teilen aus Georg Friedrich Händels „Messias“ zu großer Leistung und das Publikum später bei mehrstimmigem Gesang zusammen. Superintendent Andreas Kühne-Glaser und Pastorin Angela Werner verdichteten die besondere Bedeutung der Osternacht mit Wortbeiträgen, bevor – wegen des großen Andrangs an zwei Altären – das heilige Abendmahl ausgegeben wurde. Eineinhalb Stunden Gottesdienst von hoher emotionaler Intensität.

 Weltlicher, ja mit heidnischen Akzenten versehen war der Gottesdienst am Ostersonntag im Johannis-Kirchzentrum. Erstmals stand dort ein Osterbrunnen im Mittelpunkt. Die Idee hatte Pastor Dirk Gniesmer aus Franken und dem Allgäu mitgebracht, gebaut hat den Brunnen in der Woche vor dem Fest Doris Dubiel. Gniesmer würdigte Brunnen allgemein mit Hinweisen auf das Alte Testament als Spender des Wassers des Lebens und wichtigen Treffpunkt (vor allem von Frauen) sowohl für die Versorgung der Familien und Tiere als auch für den Nachrichtenaustausch. Nun war der symbolische Brunnen im Kirchzentrum mit Grün und bunten Ostereiern geschmückt – Eier als Symbol der Entstehung des Lebens.

 Gniesmer berichtete, dass in Franken mit seinem sehr wasserdurchlässigen Boden Quellen und Brunnen besonders wertvoll waren, schon zu heidnischen Zeiten mit Festen verehrt wurden. Als in den fünfziger Jahren Wasserleitungen aufkamen, verschwand der Brauch bis auf 15 Orte, um später dann eine Renaissance zu erleben. „Heute gibt es wieder mehr als 600 Orte, und viele stellen sich in einen Wettbewerb um den Eintrag ins ‚Guinness Buch der Rekorde‘. Mehr als 11000 Eier für den Schmuck eines Osterbrunnens sind aktuell der Rekord. Und der Brauch hat sich dort inzwischen zu einer Touristenattraktion entwickelt.“

 In Rinteln habe es den Brauch des Osterwasser-Schöpfens gegeben, fuhr der Pastor fort. Es sollte den schöpfenden Mädchen Glück und Schönheit bringen, musste aber im Geheimen geschehen, um zu funktionieren. Laut Lokalpresse war der Brauch aber schon um 1875 nahezu verschwunden. Nur „einige törichte Mädchen hielten sich noch an die Tradition“, war 1876 in der Zeitung zu lesen.

 Die Eier am Osterbrunnen machten auch den Kindern Freude. Gniesmer nahm sie zum Anlass, die Kinder nach vorn zu bitten, um ihnen aus einem Korb süße Ostereier zu schenken.

 Der katholische Pastor Peter Wolowiecz war gestern am Ende der Familienmesse ebenfalls mit einem Korb in St. Sturmius zwischen den Bankreihen unterwegs. Bunt bemalte gekochte Eier zum Mitnehmen, da griffen die Gottesdienstbesucher gern zu.

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