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Emotionale Achterbahnfahrt

Rinteln Emotionale Achterbahnfahrt

Eine Abschiedsfeier für jemanden, der 17 Jahre lang als Bürgermeister in Amt und Würden war, kann ruhig etwas größer ausfallen. Das muss sich Erster Stadtrat Jörg Schröder gedacht haben, als er im Namen der Stadt Rinteln für die Verabschiedung von seinem Chef, Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz, den Brückentorsaal auserkor.

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Gastgeber trotzen Misslichkeiten

Karl-Heinz Buchholz freut sich über die selbstgebastelte Bürgermeisteramtskette von den Kindern der Kindertagesstätte – und auf seinen Ruhestand.tol

Quelle: Tobias Landmann

Rinteln. Dorthin hatte die Stadt gestern Abend geladen, bevor Buchholz am kommenden Freitag seinen letzten Arbeitstag antreten wird. Im Beisein von zahlreichen Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Vereinen, Kirchen und öffentlichen Einrichtungen wurde Rintelns Noch-Bürgermeister – mit teilweise sehr persönlichen Worten – gewürdigt.

 Jörg Schröder ließ es sich in seiner Eröffnungsrede nicht nehmen, noch einmal die Leistung seines Chefs, an der er als Erster Stadtrat natürlich nicht ganz unbeteiligt war, zu bilanzieren: vom Eintritt in die SPD mit 17 und der Verwaltungsausbildung im Rintelner Rathaus über seine frühe Aktivität als Kommunalpolitiker und seine Arbeit bei der Stadt Porta Westfalica bis zur Wahl des Bürgermeisters von Rinteln und seinen erreichten und unerreichten Zielen (wir berichteten).

 Aber schließlich wurde es persönlich. Von unserer Zeitung mal nach seiner größten Schwäche gefragt, erzählte Schröder, antwortete Buchholz: „Meine Ungeduld.“ – „Das stimmt“, bestätigte Schröder gestern. In den vergangenen 17 Jahren habe er seinen „Laden“ oft vor sich her getrieben. „Viele von Ihnen wissen das vielleicht nicht: Der Mann kann auch hochgehen wie ein HB-Männchen.“ Er habe sich aber auch entschuldigen können, wenn er mal ungerecht war.

 Auch die von Buchholz genannten Stärken – Zuverlässigkeit und Zuhörenkönnen – bestätigte Schröder: „Man kann sich auf dich verlassen.“ Er sei ein hochsensibler Zuhörer, der „ganz genau auf die Zwischentöne“ achte. Umgekehrt sei Buchholz nur schwer anzusehen, was ihn gerade bewegt, „du ziehst dich schon manchmal stark in dich zurück“. Viel habe er als Bürgermeister mit „nach Hause genommen“. „Mich hat das immer beschäftigt“, sagte Schröder. „Ich hatte oft die Befürchtung, dass sich die Anspannung bei dir irgendwann einmal auf deine Gesundheit auswirkt. Aber, toi, toi, toi! Wir schicken dich ja nun gesund in den Ruhestand.“

 Die Aufgabenverteilung zwischen Buchholz und Schröder sei immer klar gewesen. „Du Koch, ich Kellner“, erklärte Schröder. „Aber wenn die Gäste weg waren, haben wir uns schon zusammen die Gerichte für die nächsten Jahre gemeinsam zusammengestellt.“

 Zusammen hielten sie sich gegenseitig den Rücken frei, steckten gemeinsam ein, aber hatten zusammen „auch wunderbar ausgeteilt“. So was schweißt zusammen. „Dabei sind wir Freunde geworden, obwohl wir ja ganz unterschiedliche Typen sind“, sagte Schröder, bevor er mit den Worten schloss: „Mein lieber Karl-Heinz, das war’s jetzt!“

 Einen schönen Ruhestand wünschten auch die Kinder der Extener Kindertagesstätte „MinniMax“. In einem Minimusical sangen die Kleinen „Leben ist mehr als ackern und schuften“ und beschenkten Buchholz mit einer selbst gebastelten Bürgermeisterkette.

 Landrat Jörg Farr beglückwünschte Buchholz zur jüngsten Erfüllung seines Wunsches, „das Auskiesungsgebiet Hohenrode jetzt noch als Naturschutzgebiet ausgewiesen zu sehen“. Dazu überreichte Farr Buchholz eine druckfrische Naturschutzgebietsverordnung sowie das erste Naturschutzschild für die Auenlandschaft. „Ich glaube, wir beide haben eine gute Form der Zusammenarbeit gefunden“, befand Farr.

 Anschließend bezog der ehemalige Kreiskantor Wolfgang Westphal die Gäste in eine musikalische Einlage mit ein. In Anlehnung an das Volkslied „Winter ade!“ sang der voll besetzte Brückentorsaal: „Kalle, ade, scheiden tut weh / aber dein Scheiden macht, dass mir mein Herze kracht“.

 Ulrich Mägde, der Präsident des Niedersächsischen Städtetages, bedankte sich mit einer „gewissen Wehmut“ bei Buchholz für dessen „großen Einsatz und die gute und auch freundschaftliche Zusammenarbeit“.

 Als Vertreter des Bürgermeisters Frankenstein von Rintelns Partnerstadt Slawno war der ehemalige Bürgermeister und heutige Vorsitzende des polnischen Städtepartnerschaftsvereins Wojciech Ludwikowski angereist, um „Grüße und herzlichen Dank für die Zusammenarbeit, Offenheit und Kreativität“ sowie Glückwünsche für die Zukunft auszurichten: „Kalle, bis nächstes Mal in Slawno!“

 Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote würdigte Buchholz als „sehr verlässlichen Bürgermeister“, mit dem es „sehr viel Spaß gemacht“ habe, zusammenzuarbeiten. „Sie waren immer zur Stelle, das ist nicht selbstverständlich“, sagte Grote, bevor er den scheidenden Bürgermeister mit der Niedersächsischen Feuerwehr-Ehrenmedaille auszeichnete.

 Ein sichtlich gerührter Buchholz bedankte sich bei seinen Vorrednern und allen Gästen „quasi für das letzte Geleit“. Der Abend sei eine „emotionale Achterbahnfahrt“ für ihn, die Auftritte, musikalisch begleitet „von meinen Möllenbeckern“ (der Feuerwehrkapelle), machten ihn zu einem „Bürgermeister im emotionalen Ausnahmezustand“.

 Die Kandidatur für das Bürgermeisteramt im Jahr 1997 habe ihm die Chance geboten, seine Leidenschaft für die Kommunalpolitik mit seinem Beruf als Verwaltungsbeamter zu verbinden. „Ich wäre damals nicht gesprungen, wenn ich nicht Aussicht auf eine neun Jahre lange Wahlperiode gehabt hätte“, so Buchholz. In seinem Amt wollte er sich „immer an den drei großen Vs orientieren: Vertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit.“ Diese Prinzipien habe er beim Gros der Mitarbeiter im Rathaus wiedergefunden, folglich sei seine Leistung immer auch die „des Ganzen“ gewesen, die „zumindest mehrheitlich auch vom Rat unserer Stadt getragen wurde“. Daher gelte sein Dank auch seinen Mitarbeitern. Sie hätten dafür gesorgt, dass sich sein Leben als Bürgermeister als Privileg erwies. „Ich habe an den allermeisten Tagen gedacht, dass ich den schönsten Beruf in Rinteln habe“, so Buchholz.pk

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