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Endlich eingeflogen

Seeadler an der Weser gesichtet Endlich eingeflogen

Viel ist spekuliert worden, als vor einiger Zeit Wanderwege zwischen Hohenrode und Rumbeck gesperrt worden waren, um ein bestimmtes Tier zu schützen (wir berichteten). Nur welches: den Adler, den Luchs oder sogar den Wolf? Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Es ist der Seeadler. Für die Weserstadt ist es eine kleine Sensation.

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Der Seeadler ist im Vergleich zu anderen Vögeln „sehr empfindlich“, sagt Forstamtsleiter Christian Weigel und appelliert an die Waldbesucher, sich an die Wegsperrungen zu halten, um die Tiere nicht zu stören.

Quelle: dpa

Rinteln. Als die Wegsperrung im Februar bekannt wurde, bewahrten das Naturschutzamt des Landkreises Schaumburg und das Niedersächsische Forstamt Oldendorf, die für die Maßnahme verantwortlich zeichneten, noch Stillschweigen darüber, welches Tier aus „artenschutzrechtlichen Gründen“, wie auf den Verbotsschildern zu lesen ist, geschützt werden sollte. Tatsächlich handelte es sich dabei bloß um eine weitere Schutzmaßnahme seitens der Ämter, um nicht ungebetene Neugierige anzulocken und so das brütende Seeadlerpaar zu stören.

 Dass die Behörden mit dieser Nachricht jetzt doch an die Öffentlichkeit gehen, hat einen Grund: Es soll an die Waldbesucher appelliert werden, sich an die Wegsperrungen zu halten, damit der Brutvorgang auch erfolgreich abgeschlossen werden kann. Auf der anderen Seite bedeutet das: Die traditionelle wie feuchtfröhliche Party an Vatertag am Ludwigsturm fällt in diesem Jahr ins Wasser. Zu groß wäre der Lärm und damit die Gefahr, die Tiere zu stören.

 Die Party der Ortsfeuerwehr Wennenkamp findet in diesem Jahr deshalb ausschließlich im Ort am Gerätehaus statt, teilt Verwaltungsstellenleiter Friedel Garbe auf Anfrage mit. Für den Fall, dass das Wetter nicht mitspielt und der Platz in der Grillhütte nicht ausreicht, werde eine Fläche von 200 Quadratmetern überdacht. Auch für Musik werde gesorgt – live und vom Band.

 Die Wege von Wennenkamp aus zum Ludwigsturm bleiben zwar frei, aber eine Massenveranstaltung wolle man dort in diesem Jahr nicht sehen. Gesperrt sind die Zuwegungen von Rumbeck, Klein-Heßlingen, Friedrichsburg und Hohenrode aus.

 Forstamtsleiter Christian Weigel zeigt sich begeistert davon, dass sich der Seeadler in seinem Revier niedergelassen hat: „Das ist eine richtig tolle Sache, dass diese Art wieder zurück im Weserbergland ist.“ Das nächste bekannte Seeadlerpaar befindet sich am Steinhuder Meer. Es sei typisch für den Seeadler, in großen Fluss- und Seenlandschaften zu brüten. Dass das Tier sich auch mitten im Wald niederlässt, führt Weigel auf die nahegelegenen Weserauen zurück, die sich offenkundig so gut erholt hätten, dass sie für den seltenen Greifvogel wieder attraktiv genug zum Leben sind. Im Übrigen ernähre sich der Seeadler im Unterschied zum Fischadler nicht zu 100 Prozent von Fisch. „Er frisst auch Aas, Enten und Gänse, vor allem deren Jungen“, erklärt Weigel.

 Im Februar hatten Hohenroder im Zuge der Spekulationen, um welches Tier es gehen mag, noch den Fischadler vermutet, für den der Naturschutzbund gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk im vergangenen Jahr einen Kunsthorst auf einer Insel der Auenlandschaft errichtet hatte.

 Der Seeadler sei im Vergleich zu anderen Vögeln „sehr empfindlich“ und ein „Kulturflüchter“, führt Weigel aus. So gesehen macht der Forst als verhältnismäßig abgeschiedener Zufluchtsort Sinn.

 „Am 31. März, bei diesem großen Sturm, hatten wir noch Angst, dass der Horst vom Baum runterfallen würde, aber es ist zum Glück nichts passiert“, erzählt Weigel und verrät in diesem Zuge, dass der Seeadler bereits vor einem Jahr in der Region war, um zu brüten. Bei einem schweren Gewitter sei der Horst jedoch vom Baum abgestürzt, was dem Brutvorgang ein abruptes Ende bereitete. Umso erfreulicher, dass der Seeadler in diesem Jahr einen weiteren Versuch unternimmt. Dafür hat er sich sogar wieder denselben Baum ausgesucht. „Dabei steht der Baum ziemlich ungünstig, nahe am Wanderweg und relativ frei“, so Weigel. Nichtsdestotrotz habe das Weibchen bereits Eier gelegt, demnach stünden die Chancen für eine erfolgreiche Brut gut.

 Dennoch appelliert der Forstamtsleiter, die Ruhe der Tiere nicht zu stören. Andernfalls sei die Brut der Seeadler „hoch gefährdet“. So sei es „naturschutzgesetzlich“ auch „strengstens verboten“, den Seeadler am Brutort beziehungsweise in seinem Nest zu fotografieren.

 Die Wanderwege bleiben noch bis Juli gesperrt. In dieser Zeit ist auch der Forst selbst sowie der Jägerschaft das Betreten der Wege untersagt. pk

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