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Er bezahlte den politischen Kampf mit dem Tod

Gedenken an Wilhelm Ramm Er bezahlte den politischen Kampf mit dem Tod

Die Verlegung der Stolpersteine ist nicht nur dem Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürger Rintelns gewidmet gewesen. Auch der Sozialdemokrat Wilhelm Ramm war ein Opfer der Gewaltherrschaft, auch für ihn entstand unter der Hand des Künstlers Gunter Demnig ein solcher Erinnerungsstein.

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Schüler bringen die Flagge des SPD-Ortsvereins mit zur Aktion, die unter anderem an den engagierten Sozialdemokraten Ramm erinnert.

Quelle: cok

Rinteln. Verlegt wurde dieser vor den Augen von mehr als 80 Teilnehmern der Aktion an der Ritterstraße 28 – an genau der Stelle, wo Ramm im Januar 1932 von Rintelner SA-Männern zusammengeschlagen wurde, die ihm in den Abendstunden vor seinem Haus aufgelauert hatten.

Der 1882 in Pommern geborene Ramm war als Kriminalbeamter nach Rinteln gekommen und setzte sich im SPD-Vorstand als Schriftführer ein. Er gehörte auch zum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“, einer Vereinigung, deren Mitglieder sich dem politischen Kampf gegen Radikalismus in der Weimarer Republik widmeten, und die 1933 verboten wurde.

Mit über 20 Sozialdemokraten verhaftet

In diesem Zusammenhang wurde er im März 1933 verhaftet, zusammen mit über 20 weiteren Sozialdemokraten und noch anderen Menschen, die sich kritisch gegen das Nazi-Regime stellten. Sein Bruder Otto gehörte dazu, ebenso wie die Vorsteher der jüdischen Gemeinde, die Brüder David und Wilhelm Lehmann aus der Bäckerstraße, denen ebenfalls Stolpersteine gewidmet wurden.

Noch mehrere Male wurde Ramm im Konzentrationslager (KZ) Mohringen interniert, wo er für seine politischen Überzeugungen gequält wurde. Im Jahr 1942 starb er.

Die Ernestinum-Schüler, die mit ihrem Lehrer Thomas Weißbarth maßgeblich an der Stolperstein-Aktion beteiligt waren, breiteten Wilhelm Ramm zu Ehren eine alte SPD-Flagge aus und trugen dessen Geschichte vor. Im Jahr 2013 hatten damalige Schüler des Gymnasiums für all die Lebensläufe recherchiert, die dann in knappen Worten in die insgesamt 17 Stolpersteine eingraviert wurden.

Familien terrorisiert

Weitere Erinnerungsadressen befanden sich an der Hafenstraße und am Josua-Stegmann-Wall, wo jeweils die angesehene Familien Arensberg und Kleeberg lebten, deren Auswanderungsversuche vereitelt wurden. Beide Familien wurden terrorisiert und dann verhaftet, sodass die Eltern Julius und Margarethe Kleeberg und ihre 19-jährige Tochter Karoline ebenso den Tod fanden wie Großmutter Paula Hochfeld, die Eltern Charlotte und Arnold Arensberg und deren vierjährige Tochter Henriette.

An der Dauerstraße 1 liegen nun Stolpersteine für die Familie Brill, deren Familienvater Isidor das erste Rintelner Todesopfer des antisemitischen Terrors wurde. Ihr Haus wurde wenig später zum „Judenhaus“ erklärt, von wo aus alle verbliebenen jüdischen Bürger in KZs verschleppt und ermordet wurden.

Die Stolpersteine und ihre Verlegung wurden mit privaten Spenden, der Unterstützung der Stadt und des Ernestinums finanziert. Ein Stolperstein kostet 210 Euro. cok

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