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Erster Test für die Zeit nach den Jahrmärkten

Obernkirchen Erster Test für die Zeit nach den Jahrmärkten

Wenn der älteste Baum der Stadt sprechen könnte, dann könnte er nicht nur von den Irrnissen und Wirrnissen der vergangenen acht Jahrhunderte berichten, die er erleben musste, sondern würde wohl auch eine dabei gewonnene Erkenntnis dem Menschen nahebringen: „Wir sind alle Teile einer unendlichen Geschichte.

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Gemeinsam Hand in Hand beim Bildhauer-Workshop.

Obernkirchen. So formulieren es die beiden Garten-Profis Beate Venckus und Gerhard Kirchner bei ihrer botanischen Führung durch den La-Flèche-Park. Für Kirchner steht nicht nur diese Linde, sondern generell jeder Baum für einen Generationenvertrag, der mit seiner Pflanzung abgeschlossen wird: Hier wächst ein Baum heran, an dem sich nachkommende Generationen erfreuen können. Ginge es nach Kirchner, würde sich jeder Mensch öfter mal die Frage stellen, was er kommenden Generationen überlasse: „Wir denken immer kurzfristig.“ Und genau diese Haltung, die müsse man mal überdenken. Und Beate Venckus erklärt, dass ein alter Baum dem betrachtenden Menschen auch immer die eigene Endlichkeit aufzeige.

 Ein bisschen feiern, ein bisschen nachdenken, ein bisschen zeigen, was für eine schöne, wenn auch kleine grüne Lunge die Stadt besitzt: Die Organisatoren des Festes, das unter dem Motto „Ein Park zieht sich an“ gefeiert wurde, hatten sich viel vorgenommen und wurden zumindest beim Zuspruch nicht enttäuscht. Beim ersten Fest, das in Obernkirchen vielen Monaten gefeiert wurde und bei dem es nicht in Strömen regnete, waren schon im 11 Uhr erfreulicherweise jede Menge Besucher zu begrüßen.

 Dass dieser Park ebenfalls über eine lange Historie verfügt, daran wurden die Parkgäste auf Schritt und Tritt erinnert: Alle paar Meter stand eine Staffelei mit einem Bild, das genau diesen Standort vor vielen, vielen Jahren zeigte. Vieles hat sich verändert, manches gar nicht. Ganz nebenbei: In Rinteln hat der Verschönerungsverein an einigen Plätzen der Stadt genau derartige Bilder aufgestellt, wettergeschützt und mit ein paar erklärenden Sätzen versehen. Eine Idee, die auch Obernkirchen einmal in Erwägung ziehen sollte.

 Da erfahrungsgemäß die meisten Besucher gegen Nachmittag kommen, hat die große Mehrheit den Höhepunkt des Tages wohl verpasst: Das war die Big Band des Blasorchesters Krainhagen. Kritikerdistanz hin oder her: Es war der reine musikalische Wahnsinn, was fast zwei Stunden geboten wurde. Vom rockenden „Rauch über dem Wasser“ über „Santana“ bis hin zum noch älteren „Tequila!“ – die Krainhäger erzeugten mit ihren Blasinstrumenten einen musikalischen Druck, der seinesgleichen suchte. Großes Kino.

 Ein Park zieht sich an, weil die Menschen immer weniger Rücksicht auf die Natur nehmen: Das sollen die Hunderte von Bommeln ausdrücken, die in den Bäumen hängen. Die Senioren im Sonnenhof, die Kinder der Grundschule und die Arbeitskreise der IGS sowie Kindergartenkids und Eltern haben sie gestrickt oder die Wolle dafür gespendet, schön bunt sieht es aus.

 Und Fritzi ist auch wieder da. Zwar heißt Fritzi eigentlich Benjamin, aber an diesem Tag eben nicht, weil einst alle Esel der Maidenschule Fritzi hießen, ausnahmslos. Stadtführerin Renate Ernst zieht mit ihm durch Park und Stiftsaußengelände, passend gekleidet in die Arbeitskleidung der Maiden um 1925, wie sie erklärt. Woher sie das so genau weiß, sagt sie auch: Um 1925 wurden die Maiden-Kleider deutlich kürzer, vielleicht war es der Stoffmangel nach dem Ersten Weltkrieg, der definiert, was gerade noch schicklich war in jenen fernen Zeiten.

 Auch das Kulinarische passte gut zusammen, von der Bratwurst bis zum Event-Essen bei Carlos wurde viel abgedeckt bei diesem Fest der eher leisen Töne, bei dem offiziell übrigens der Jugendring als Veranstalter fungierte.

 Und natürlich war das La-Flèche-Parkfest gestern auch ein erster Lackmustest für eine mögliche Zeit nach Frühlings- und Barbarossa-Markt: Wenn keine Messen mehr angeboten werden, weil sie, unübersehbar, in Obernkirchen nicht attraktiv ausgerichtet werden können, oder weil es auf dem Kirchplatz immer wieder zu der einen oder anderen Debatte kommen wird, muss schon jetzt Ausblick gehalten werden nach einem alternativen Angebot. Das gestrige Fest im Park wäre, keine Frage, ein diskutabler Ersatz und könnte zudem noch ausgeweitet werden. Und ein ganzer Nachmittag, der auf der einen Seite Informationen vermittelt, etwa über die Bäume in der Stadt oder ihre Standorte aufzeigt ober abfragt, und nebenbei auch noch unterhält, der bietet auch an, was nicht nur die alte Gerichtslinde in der Bergamtstraße fast 800 Jahre alt werden ließ: Nachhaltigkeit.

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