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Es begann an einem Montag vor 250 Jahren

Rinteln / Schaumburger Zeitung Es begann an einem Montag vor 250 Jahren

Wie mag es zugegangen sein im Hause Klosterstraße 32 im „Intelligenz Comptoir“ – an jenem Montag heute vor 250 Jahren? Ob Carl Gottfried Fürstenau, Hermann Adolf Hille und Johann Gottfried Enax wohl mit einem Glas Wein oder einem Krug Bier auf ihr Werk angestoßen haben? Waren der Philosophieprofessor, der Steuerbeamte und der Universitätsbuchdrucker ein wenig stolz auf diese erste, kaum notizblockgroße Nummer der „Rintelischen Anzeigen von gelehrten und gemein-nützlichen Sachen“ – der ersten Rintelner Zeitung überhaupt? Uns ist nicht überliefert, ob Chefredakteur, Verlagsleiter und Drucker an jenem 29.

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Über die druckfrische Sonderausgabe „250 Jahre SZ“ haben sich gestern Abend schon mal einige der „Blattmacher“ gefreut.

Quelle: tol

Rinteln (r). November 1762 in Feierstimmung waren – oder ob sie sogar darüber nachgesonnen haben, wie die Zukunft ihres Blattes aussehen könnte. Ob sie sich wohl ausmalen konnten, dass auch heute noch, ein Vierteljahrtausend später, im Haus Klosterstraße 32 in Rinteln eine Zeitung herauskommt, die sich auf die Tradition genau jener „Rintelischen Anzeigen“ beruft? Die Schaumburger Zeitung.

 „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verlages C. Bösendahl jedenfalls sind ein wenig stolz darauf, was Fürstenau, Hille und Enax damals angeschoben haben – und sie sind auch stolz darauf, heute für eine der ältesten noch erscheinenden Zeitungen Deutschlands zu arbeiten“, sagt SZ-Redakteur Karsten Klaus.

 Und sie werden sicherlich mit dem einen oder anderen Glas Sekt oder Bier auf die SZ anstoßen – bereits am heutigen Donnerstagvormittag mit 130 geladenen Gästen in der St. Jakobi-Kirche und im Museum Eulenburg. Unter anderem werden Ministerpräsident David McAllister, „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo und Polit-Karikaturist Horst Haitzinger erwartet.

 Zur Feier des Tages brachte die SZ eine Sonderausgabe heraus: jede Menge Informatives und Unterhaltsames rund um 250 Jahre Rintelner Zeitungs- und Stadtgeschichte. Mehrere Monate arbeiteten Redaktion, Anzeigenabteilung und Verlag an Konzeption und Produktion der Sondernummer. Historiker Stefan Meyer hat interessante Episoden aus der Zeitungsgeschichte aufbereitet und lädt zu einem Ausflug ins Rinteln der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.

 Welche Themen haben die Leser vor 250 Jahren interessiert – und was macht heute eine anspruchsvolle Tageszeitung aus? Hat das gedruckte Wort in Zeiten des Internets und anderer elektronischer Medien überhaupt noch eine Perspektive? Auch diesen Fragen wird nachgegangen.

 „Die Recherche in Archiven, das Blättern in alten Zeitungsbänden, das Sichten längst verblasster Filmstreifen, die Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern – die Arbeit an der Jubiläumsausgabe ist für uns auch zu einer Reise in die Schaumburger Geschichte geworden“, sagt Redakteur Klaus. „Dabei lagen Lachen und Weinen manchmal dicht beieinander: Nostalgisch anmutende Anzeigen und Humoristisches aus zwei Jahrhunderten stehen neben stramm nationalen Tönen oder nationalsozialistischer Häme.“ Ganz besonders spannend sei das Blättern in alten Ausgaben immer dann geworden, „wenn Menschen mit ihren Freuden, Sorgen und Nöten im Mittelpunkt der Berichterstattung standen“, so Klaus. Geschichten aus der Nachbarschaft, die kleinen Freuden und Probleme des Alltags, läsen sich oft genug viel spannender als Meldungen aus der großen Politik.

 „Die Nähe zum Leser ist keine Erfindung der Jetztzeit“, so Klaus. Schon der Philosoph und Aufklärer Thomas Abbt, der den ersten Leitartikel in den „Rintelischen Anzeigen“ verfasste, habe eine populäre, allgemein verständliche Sprache und Themenauswahl in der Zeitung gefordert. „In einer Zeit, als viele Publikationen noch in lateinischer Sprache verfasst wurden und nur in Universitätszirkeln kursierten, ein fast revolutionärer Anspruch des jungen Professors – und auch heute noch tägliche Herausforderung.“

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