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„Es geht um die Rettung unserer Stadt“

Rinteln / Interview „Es geht um die Rettung unserer Stadt“

In Rinteln kommt jetzt offenbar aktiver widerstand gegen die Güterbahnpläne in Gang. Die WGS hat das Thema angeschoben, der Rat zog nach einer Sitzungsunterbrechung in breiter Front mit. Niemand will jetzt mehr tatenlos am Bahnsteig zurückbleiben. Wie schätzt die WGS die aktuelle Lage ein, und was erhofft sie sich? Redakteur Dietrich Lange sprach mit dem Fraktionsvorsitzenden Gert Armin Neuhäuser.

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Gert Armin Neuhäuser

Quelle: pr.

Rinteln. Herr Neuhäuser, selten dringt die WGS mit einem Thema so im Rat durch wie mit dem Widerstand gegen Bahnpläne zum Ausbau der Bahnlinie als Güterverkehrsstrecke. Hat Sie das überrascht? Nein. Wer sich in diesem Fall den von Heinrich Sasse und mir vorgetragenen Argumenten widersetzt hätte, wäre das unkalkulierbare Risiko eingegangen, dass Rinteln, ohne zu kämpfen, von einer unsere Stadt trennenden Bahntrasse – gleichsam einer Mauer aus Zügen – dauerhaft gespalten würde. Wer hiergegen nicht alles versucht, müsste sich im schlimmsten Fall hinterher auch den entsprechenden Vorwurf anhören. Daher hat mich das späte, aber noch rechtzeitige Umdenken der anderen Parteien schon aus deren Eigeninteresse heraus nicht überrascht.

Welche Auswirkungen spüren Anwohner der Bahnstrecke schon jetzt durch die Diskussion über die Bahnpläne? In Gesprächen mit Anwohnern nehme ich das Gefühl, „kalt enteignet“ zu werden, wahr: Eine Immobilie entlang der Bahntrasse verliert allein durch die Pläne des Bundes an Wert und würde bei deren Realisierung nahezu wertlos. Ich spüre auch das Gefühl der Ohnmacht der Anwohner, die sich einer nicht ihre menschlichen Bedürfnisse und Interessen berücksichtigenden übermächtigen Bürokratie ausgeliefert fühlen und die nach Verbündeten suchen. Auch jenseits der unmittelbaren Anwohner nehme ich die Angst vor einer Aufspaltung Rintelns, aber auch etwa vor einer dramatischen Verschlechterung der Erreichbarkeit durch Feuerwehr, Polizei oder Notarzt im gesamten Stadtgebiet wahr, wenn andauernd Schranken geschlossen wären.

Was wären die schlimmsten Folgen für Rinteln, wenn der Streckenausbau kommt? Sollte der Streckenausbau kommen, wäre Rinteln entlang der Bahnlinie getrennt: Fünf bis sieben extrem lange Güterzüge pro Stunde Tag und Nacht – die Schranken wären im Schnitt von jeder Stunde etwa 28 Minuten geschlossen, die Rückstaus wären enorm. Hinzu kämen die massiven Erschütterungen und insbesondere auch der Lärm, der im Wesertal hochhallen würde – akustisch wären große Teile des Kernstadtgebietes und der Ortsteile entlang der Bahn betroffen. Automatisch würde Kaufkraft abfließen: Wer aus Todenmann oder Kleinenbremen oder aus Deckbergen, Schaumburg und Westendorf in die Kernstadt wollte, würde in Bezug auf den Verkehr so stark behindert, dass Bückeburg, Hessisch Oldendorf sowie Minden und Hameln aus diesen Bereichen verkehrlich attraktiver sein könnten. Und für touristische Attraktionen wie den Weserradweg oder den Campingplatz Helenensee ist der Dauerlärm sicherlich auch fatal. Ich bin mir sicher, dass Rinteln auch einen deutlichen Einwohnerrückgang zu verzeichnen hätt. Das bedeutet weniger Einnahmen bei gleich bleibenden Ausgaben für die Infrastruktur, die die verbleibenden Anwohner zahlen müssen. Rettungsdienste und Polizei würden wahrscheinlich öfter die entscheidenden Minuten verlieren.

Was erwarten Sie von der Sondersitzung des Rates? Einheit! Der Rat muss die – zugegeben wenigen – Möglichkeiten, die er hat, nutzen: Informieren, aufrütteln, Öffentlichkeit herstellen – aber eben auch Fachargumente zusammenstellen, um die im Jahr 2015 ergehende Entscheidung zu beeinflussen. Wir dürfen nicht vergessen: Die Entscheidung wird vom Bundesgesetzgeber selbst und unmittelbar getroffen, dies führt zu massiven Verkürzungen im Rechtsschutz. In der wenigen verbleibenden Zeit muss der Rat daher ein gemeinsames Signal setzen und als Kollektiv die möglichen Schritte einleiten. Ohne dramatisieren zu wollen: Aufgrund der Topografie Rintelns und der geplanten Trassenführung geht es um nichts anderes als die Rettung unserer Stadt. Diese können wir nur gemeinsam schaffen.

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