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Es gibt eine Alternative zum Müll

Foodsharing Rinteln Es gibt eine Alternative zum Müll

Wer kennt es nicht: Die Feier ist vorbei, alle Besucher sind weg, aber Essen gibt es noch für eine ganze Kompanie. Oder: am Wochenende mal eben einen großen Topf Kartoffelsuppe aufgesetzt, aber wer soll den jetzt essen? Oder: Im Supermarkt sahen die Dosenravioli ganz großartig aus, und im Angebot waren sie auch noch.

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Stephan Löber (links) bekommt von Katinka Geers einige überschüssige Lebensmittel.

Quelle: jak

Rinteln. Nur schmecken tun sie nicht. In diesen und zahllosen anderen Fällen lautet die Antwort leider oft: ab in den Müll damit. Wenn es nach Katinka Geers geht, soll damit jetzt schluss sein.

 Motiviert durch vergleichbare Portale in anderen deutschen Großstädten, hat Geers die Facebook-Gruppe „Foodsharing Rinteln, Schaumburg und Umgebung“ gegründet. Innerhalb von wenigen Wochen haben sich 250 Menschen zusammen gefunden, die Lebensmittel, die sie nicht verbrauchen wollen, oder können, den anderen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellen. So, dass überschüssige Lebensmittel in Zukunft nicht mehr, wie heutzutage oft der Fall, im Müll, statt im Magen zu landen.

 Eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums fand heraus, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll wirft. Und, dass ein großer Teil davon vermeidbar wäre.

 Die Wertschätzung für Essen ist in weiten Teilen unserer Gesellschaft einfach gesunken, weiß auch Katinka Geers. Was auch daran liegt, dass Essen mittlerweile so billig ist. Die meisten Menschen in Deutschland können problemlos zu viel kaufen, nur um den Überschuss am Ende wegzuwerfen. Nur noch etwa 11 Prozent des Haushaltseinkommens gibt der durchschnittliche Deutsche heute für Lebensmittel aus. Noch vor 70 Jahren waren es etwa 40 Prozent. Und was wenig kostet, wird in unserer Gesellschaft meist auch nicht als wertvoll erachtet.

 Doch so muss es doch eigentlich nicht sein, dachte sich Katinka Geers, und da in Zeiten des Internets eine Lösung oftmals nur drei Klicks entfernt ist, eröffnete sie die Foodsharing-Facebook-Gruppe. Innerhalb kurzer Zeit meldeten sich dort so viele Menschen an, dass die Gründerin selbst von dem Ansturm überrascht war. „Einfach großartig“, findet sie die Entwicklung und hofft, dass es nun auch so weiter geht. An den vielen Teilnehmern könne man sehen, dass die Essensverschwendung viele Menschen eben doch nicht kalt lasse. Man muss nur eine einfache Möglichkeit haben, aktiv dagegen vorzugehen.

 Innerhalb weniger Tage wurden in der Foodsharing-Gruppe unter anderem tiefgefrorenes Grillfleisch aus einer deutschen Fleischerei angeboten, zahlreiche Süßigkeiten, Kindermilch und Babybrei, Fertigessen aus der Dose, Kaffeefilter, Gewürze und vieles mehr.

 Essen, das sonst vielleicht im Müll gelandet wäre, oder in den Tiefen der Küchenschränke bis zum Sankt Nimmerleinstag verschollen bleibt. Dabei kann genau dieses Essen, das achtlos verschmäht wird, auch in Deutschland noch Menschen glücklich und vor allem satt machen. „Man merkt den Leuten einfach an, wenn sie sich darüber freuen“, beschreibt Geers ihre Erfahrungen beim Foodsharing. Doch nicht nur die Tatsache, dass jetzt viel weniger weggeworfen werde, freut sie. Über das Foodsharing habe sie auch viele nette Leute kennengelernt, meist wechsle man ja auch ein paar Worte, manchmal unterhält man sich auch etwas länger. Für Geers, die erst vor zwei Jahren von Detmold nach Rinteln gezogen ist, ein zusätzlicher positiver Faktor.

 Einer, mit dem sie regelmäßig Lebensmittel tauscht, ist Stephan Löber. Auch für ihn ist das Foodsharing eine Gelegenheit, über den Umgang mit Lebensmitteln nachzudenken. Ganz davon abgesehen, dass der Rintelner dadurch den eigenen Speiseplan kostengünstig etwas aufwerten kann.

 Was Geers noch am Herzen liegt, das ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das, so betont sie, sei kein Verfallsdatum. Sondern wie der Name sagt, der Zeitpunkt, bis zu dem das entsprechende Lebensmittel mindestens haltbar ist. Meist seien sie noch wesentlich länger haltbar, es gibt also keinen Grund, am Tag, nachdem das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde, Lebensmittel wegzuwerfen. Im Zweifelsfall hilft meist die Geruchs- oder Geschmacksprobe.

 Übrigens, auch wenn Lebensmittel heute nur noch einen kleinen Teil des Haushaltsbudgets ausmachen: Auf das ganze Jahr gesehen lässt sich damit doch auch eine Menge Geld sparen. Knapp 330 Euro im Jahr, wandern in Form von Lebensmittel im durchschnittlichen Haushalt in den Müll. jak

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