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Es ist normal, anders zu sein

Auetal/ Kindergarten Es ist normal, anders zu sein

Der erste Entwurf des regionalen Konzeptes der integrativen Gruppe im Kindergarten Escher wurde im Rat zustimmend zur Kenntnis genommen, jetzt sind bis Monatsende die Handwerker am Zug, denn im Sommer letzten Jahres wurde beschlossen, im Kindergarten Escher eine integrative Gruppe zum 1. August 2013 einzurichten.

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 Nicht zu übersehen: Noch wartet einiges an Arbeit, ehe zum Monatsanfang die Kinder kommen können.

Quelle: rnk

Von Frank Westermann Escher.  Rat und Gemeinde reagieren damit auf einen längst überfälligen gesellschaftlichen Wandel: In den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass Menschen mit allgemeiner Entwicklungsverzögerung, die von Behinderung bedroht sind oder behindert sind, ein Recht auf volle Integration in das gesellschaftliche Leben haben. Zur Verwirklichung dieses Rechtes gehört auch die Integration von Kindern mit besonderem heilpädagogischem Förderbedarf in Kindertagesstätten.

 Die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung soll einer möglichen Isolierung vorbeugen oder sie verringern und dabei allen Kindern die Möglichkeit geben, im Umgang miteinander Verhaltensweisen für ein besseres Miteinander zu entwickeln. Im Klartext bedeutet dies, dass die Integration von Kindern mit Behinderung in den Kindertagesstätten zur Regel werden soll – die Kinder sollen wohnortnah miteinander und voneinander lernen.

 Pädagogisch gesehen, entsteht durch die Verschiedenheit eines jeden Einzelnen ein breites soziales Lernfeld; wichtig ist, dass die Kinder diese Vielfalt als Bereicherung erleben und lernen mit den Stärken und Schwächen des Anderen umzugehen. Sie sollen mit „Herz, Haupt und Hand“ miteinander in Beziehung treten können und ein „So-sein“ oder „Anders-sein“ als normal erleben dürfen, erklärten Bettina Teich und Andrea Schwarz bei der Vorstellung des höchst umfangreichen Konzeptes.

 Seit Sommer 2012 besteht nun für die „Hattendorfer Räuberhöhle“ eine Ergänzung der Betriebserlaubnis zu einer „Einzelintegration“. Die räumlichen Gegebenheiten an diesem Standort reichen für die Durchführung einer Einzelintegration aus, nicht aber für die Einrichtung einer Integrationsgruppe, daher wurde der derzeit leer stehende Kindergarten in Escher umgebaut. Dieser wird im August mit 14 Regelkindergartenplätzen und vier neu eingerichteten I-Kindergartenplätzen und dem Personal der „Hattendorfer Räuberhöhle“ als integrativ arbeitende Einrichtung für das Auetal wieder eröffnet.

 Natürlich benötigt ein integrativer Kindergarten ein regionales Konzept, seit November tagt und arbeitet eine Arbeitsgruppe. In diesem Sommer war das Konzept fertig, aber da Integration ein ständig fließender Prozess ist, wird auch dieses regionale Konzept fortan weiterentwickelt werden.

 Allerdings ist die Zahl der Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf nicht endgültig zu ermitteln, da der Zeitpunkt der Feststellung einer Behinderung oder drohenden Behinderung sehr variabel ist. Im Kindertagesstättenbedarfsplan mit Sachstand vom 30. Oktober 1995 wird der Anteil der Kinder mit einem zusätzlichen Förderbedarf mit drei Prozent eines Geburtenjahrgangs zugrunde gelegt. Der Anteil der Kinder mit einem zusätzlichen Förderbedarf im Alter von drei bis sechs Jahren bei der Berechnung von 3,5 Jahrgängen ergibt fünf Plätze für Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf. Aber diese Größe ist lediglich als ein Anhaltspunkt zu werten, da eine genaue Ermittlung der Zahl der Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf, die voraussichtlich in den nächsten Jahren die Voraussetzung für die Aufnahme in eine integrative Gruppe erfüllen, nicht möglich ist.

 Für Sommer 2013 mit Beginn der Integrationsgruppe in dem Kindergarten in Escher ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Integrationsplatz belegt und ein weiterer Platz angefragt. Einen deutlichen Hinweis zum Bedarf geben ebenfalls die abgestimmten Angaben des Gesundheitsamtes und der Frühförderung, denen im April 2013 zwei Kinder bekannt sind, für die eine Betreuung in einer Integrationsgruppe oder im Heilpädagogischen Kindergarten infrage kommen würde. Es zeichnet sich ab, so meint die Verwaltung, dass vier Integrationsplätze benötigt werden.

 Die Ziele des Förderauftrages sind nur durch den regelmäßigen und kontinuierlichen Besuch des Kindes in der Integrativen Gruppe zu erreichen. Daher sollten Integrationskinder der Kita außerhalb der Schließzeiten nur fernbleiben, wenn sie erkrankt sind, sich im Krankenhaus oder in einer Kurmaßnahme befinden, heißt es im Konzept.

 „Im Miteinander voneinander lernen – Es ist normal, anders zu sein“ – das ist das Motto für die integrative Kita in Escher, erklärte Bettina Teich und Andrea Schwarz vor dem Fachausschuss: „Durch die Verschiedenheit eines jeden Kindes und seinen individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Gefühlen entsteht ein breites soziales Lernfeld für alle.“

 Dabei sei es wichtig, dass Kinder diese Vielfalt als Bereicherung erleben und lernen mit den Stärken und Schwächen der Anderen umzugehen. „In einem strukturierten Tagesablauf mit Ritualen und festen Abläufen schaffen wir den Kindern einen Rahmen mit ausreichend Zeit, geben entwicklungsfördernde Impulse, sowie Lernanreize. Darin können die Kinder in ihrem individuellen Lerntempo Erfahrungen sammeln, eigenständiges Handeln erproben und Spielideen entwickeln“, erklärten Bettina Teich und Andrea Schwarz: „Kurz: Lernen durch erleben, erfahren und begreifen.“

 Ergänzend zu einer ganzheitlichen Sichtweise und der Arbeit nach dem situationsorientierten Ansatz, werden „deutliche Schwerpunkte auf den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und der Bewegung“ gelegt. Und: „Erkenntnisse und Umsetzungen aus dem Schaumburger Modellprojekt „Bewegung als Motor kindlicher Entwicklung‘ vor allem aus den Bereichen Partizipation, Bewegung und der Gesundheitsförderung, nehmen in unserer Arbeit einen hohen Stellenwert ein.“

 Durch eine Haltung der Wertschätzung biete man den Kindern Verlässlichkeit und emotionale Sicherheit. Eine gute Beziehung zu den Kindern sei Voraussetzung.: Eine gute Bindung auf der Basis gegenseitigen Vertrauens bilde die Grundlage für jede Bildungsarbeit.

 Das vorläufige Konzept sieht eine Betreuungszeit von fünf Stunden in der integrativen Gruppe und eine Öffnungszeit täglich von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr vor. Seitens der Therapeuten wurde vorgeschlagen, eine Betreuungszeit von über sechs Stunden anzubieten. Damit würde der integrative Kindergarten als Ganztagseinrichtung gelten und die Durchführung von therapeutischen Maßnahmen würde durch die gesetzlichen Krankenkassen in der Einrichtung zugelassen und die Kosten dafür übernommen werden. Die Eltern müssten dann nicht mehr in die Praxis des jeweiligen Therapeuten fahren und ihre Kinder für diesen Zeitraum aus der Betreuung in der integrativen Gruppe nehmen.

 Und diese Fahrerei, so Teich und Schwarz, die würde man den Eltern gern ersparen. Es sei eine rein rechtliche Sache, denn die Therapeuten könnten ins „Tagesgeschäft“ mit eingebaut werden.

 Denn Kinder hätten oftmals Schwierigkeiten mit einem Struktur- oder Personalwechsel: In Escher wären die Räumlichkeiten den Kindern schon bekannt und gäben ihnen Sicherheit.

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