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Es mangelt der BBS an Spezialisten

Unterrichtsversorgung unterm Durchschnitt Es mangelt der BBS an Spezialisten

So vielfältig wie die Abschlüsse, die man an den Berufsbildenden Schulen (BBS) machen kann, so vielfältig sind auch die Aufgaben. Und das bei einer Unterrichtsversorgung, die alles andere als rosig aussieht. Die durchschnittliche Versorgung an BBS betrage 85 Prozent. In Rinteln ist sie niedriger.

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RINTELN.  „Wäre das an anderen Schulen so, würde es einen Aufschrei geben“, sagt Schulleiter Herbert Habenicht. Doch die BBS habe keine Lobby – denn ihre Schüler sind meist schon älter, die Eltern gehen nicht auf die Barrikaden. Die BBS leiden unter der mangelnden Stellenzuweisung – „das war schon immer so“, erzählt Habenicht, seit „Jahrzehnten“ sei die Unterrichtsversorgung „problematisch“.

 Das Problem: Lehrkräftemangel. Aber vor allem: Mangel an Spezialisten, die die Fächer unterrichten können, die an den BBS angeboten werden. In der Berufsqualifizierung werden 32 sogenannte Bildungsgänge angeboten, von Metalltechnik über Fluggerätetechnik bis zu Hauswirtschaft sowie zahlreiche duale Ausbildungsberufe.

 „Die Spezialisten dafür sind kaum zu kriegen“, so Habenicht. Außerdem sei eine Kleinstadt wie Rinteln nicht der attraktivste Standort, zumindest nicht im Vergleich zu Großstädten wie Hannover. Der Lehrerberuf sei außerdem mit vielen Vorurteilen behaftet. „Es ist ein knallharter Job“, sagt der Schulleiter.

Politik vernachlässigt die BBS

 Warum die Politik die BBS „vernachlässigt“, wie der stellvertretende Schulleiter Günter Potthast es formuliert? Das habe mit einer Idee zu tun, die sich demografische Rendite nennt. Vereinfacht gesagt wette man darauf, jetzt nicht mehr investieren zu müssen, da die Geburtenrate sinkt, und damit – irgendwann einmal – auch die Schülerzahlen. „Davon haben wir jetzt natürlich nichts“, sagt Potthast – also müsse die Schule „improvisieren“. Daher werden Lehrer aus dem Ruhestand wieder an die Schule geholt, derzeit sind es sechs. Das geht allerdings nur zeitlich befristet. Zusätzliche Lehrkräfte können außerdem über Zeitverträge angestellt werden, das sind derzeit zehn. Das sind dann Externe.

 „Natürlich würden wir uns eher eine interne, dauerhafte Lösung wünschen“, sagt Potthast. Hier sei der Umgang mit dem Schulträger Landkreis unkompliziert, „der steht voll hinter uns“, betont Habenicht, finanzielle Ressourcen seien da. Durch Budgethoheit könnten die BBS Gelder so einsetzen, wie sie sie bräuchten.

Lehrerfortbildung hohes Gut

 Lehrer werden außerdem regelmäßig auf Fortbildungen geschickt, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. „Die Lehrerfortbildung ist ein hohes Gut bei uns“, sagt Potthast. „Ohne eine Mannschaft wie unsere könnten wir das alles nicht stemmen.“

 Aber Unterrichtsausfall lässt sich nicht vermeiden. Um den „Schaden“ möglichst gering zu halten, werden teilweise Klassen zusammengelegt, finden Unterrichtseinheiten alle 14 Tage statt. Dabei falle eher Sport aus als Fachunterricht.

 Doch auch jenseits des Problems Lehrermangel sind zudem die Aufgaben der Schule mehr geworden. Inzwischen obliegt der Schule eine gewisse Erziehungsaufgabe, erklärt Habenicht. „Viele Schüler zeigen ein übersteigertes Anspruchsdenken“ – was deren Ausbildung angeht, aber auch den späteren Berufswunsch. Ihnen müsse mehr Sinn für die Realität vermittelt werden. Und: Soziale Tugenden sind oft nicht mehr vorhanden, das Einmaleins des menschlichen Miteinanders. Besonders zu den BBS kämen solche Jugendliche, denn das sogenannte Berufsvorbereitungsjahr ist oft die letzte Möglichkeit für sie, überhaupt noch mit einem Abschluss von der Schule zu gehen. Die „Erziehungsproblematik“ ziehe sich aber durch alle Schulformen.

Größte Schule in Rinteln

 Bei insgesamt 1709 Schülern ist Erziehung jedoch keine geringe Aufgabe. Und stetig steigen die Schülerzahlen. „Das macht uns zur größten Schule in Rinteln“, so Habenicht. Der berufsqualifizierende Zweig mache dabei nur die Hälfte des Angebots aus – etwa 900 Schüler machen beispielsweise derzeit hier ihr Abitur.

 Auch die Beschulung junger Flüchtlinge ist seit zwei Jahren eine weitere Aufgabe der BBS. Dies geschieht in drei Modulen: Sprachkurse, Wertevermittlung, Berufsorientierung. „Aber auch dafür brauchen wir Ressourcen“, stellt Habenicht klar.

 „Wir denken pragmatisch“, sagt der Schulleiter. Außerdem sei die Unterrichtsversorgung nur ein Merkmal von vielen, um die Qualität einer Schule zu beurteilen. Wichtiger sei, auf die Abschlussquote zu blicken, und die liege in Rinteln weit über Landesdurchschnitt. mld

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