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Fahrdienstleiter hofft auf Freispruch

Fall wird neu aufgerollt Fahrdienstleiter hofft auf Freispruch

Mehr als zwei Jahre nach dem Unfall auf dem Bahnübergang im Galgenfeld in Rinteln, bei dem ein selbstständiger Handwerker aus der Weserstadt in seinem Volvo-Kombi so schwer verletzt worden ist, dass er noch heute an den Folgen leidet, gibt es voraussichtlich doch noch ein gerichtliches Nachspiel. Der Fall wird noch einmal aufgerollt.

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Warum ist die Schranke oben? Schon in der Nacht des Unfalls Personenzug gegen Auto im Galgenfeld wird nach den Ursachen gesucht.

Quelle: Archiv:tol

Rinteln. Dann sitzt auf der Anklagebank der diensthabende Fahrdienstleiter, der an dem schicksalhaften Dezembertag 2012 um 18.15 Uhr nicht gesehen haben soll, dass die Schranken zur Kurt-Schumacher-Straße noch offen waren, obwohl ein Zug der Nordwestbahn bereits den Bahnhof Rinteln in Richtung Hildesheim verlassen hatte. So sieht es die Staatsanwaltschaft, die das Handeln, besser das Nicht-Handeln des Fahrdienstleiters als fahrlässigen Eingriff in die Sicherheit im Schienenverkehr und als fahrlässige Körperverletzung wertet.

 Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Fahrdienstleiter im entscheidenden Moment „unaufmerksam“ war. Die Schranke sei fernüberwacht, und der Fahrdienstleiter hätte sich davon überzeugen müssen, dass die Schranke tatsächlich geschlossen ist.

 Der Triebwagen des Regionalzuges rammte mehr oder weniger ungebremst den Volvo des Handwerkers mit 88 Stundenkilometer und schleifte diesen 25 Meter mit, wie später ein Gutachten ergeben hat.

 Zugführer M. hatte an dem schicksalhaften Dezembertag im Jahr 2012 keine Chance, rechtzeitig zu stoppen. Die Feuerwehr schnitt den eingeklemmten damals 46-jährigen Volvo-Fahrer aus dem Autowrack.

 Eigentlich könnte die Sache zumindest juristisch längst aufgearbeitet sein. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Fahrdienstleiter W. nämlich zunächst angeboten, das Verfahren gegen eine Auflage, eine Zahlung an die Stiftung Opferhilfe in Niedersachsen einzustellen. Das wäre zwar keine Einstellung des Verfahrens mangels Tatverdacht gewesen, aber weil die Staatsanwaltschaft in diesem Fall von einer geringfügigen Schuld ausgegangen ist, hätte die Geldbuße auch keine Eintragung in ein Strafregister bedeutet. Der Mann wäre damit nicht vorbestraft gewesen. Doch der Fahrdienstleiter lehnte ab.

 Daraufhin erließ die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über 40 Tagessätze. Ein Strafbefehl, der einschließt, dass die Staatsanwaltschaft durchaus einen Teil Schuld an dem Unfall bei dem Fahrdienstleiter sieht. 40 Tagessätze sind dabei immer noch die untere Grenze der Möglichkeiten, denn auch damit hätte der Mann als unbestraft gelten können.

 Doch auch dagegen ließ der Fahrdienstleiter, der offensichtlich fest von seiner Unschuld überzeugt ist, durch den bekannten Hannoveraner Anwalt und Strafverteidiger Bertram Börner Einspruch einlegen.

 Der Strafbefehl ist am 3. September vorigen Jahres zugestellt worden, Börner hat am 22. September im Namen seines Mandanten Einspruch eingelegt. Jetzt liegt die Akte wieder bei Amtsrichter Christian Rost auf dem Schreibtisch, der nun einen Termin für die Verhandlung festsetzen muss.

 Börner erläuterte in einem Telefongespräch, sein Mandant sei nach wie vor überzeugt, nichts übersehen, keinen Fehler gemacht zu haben. Der Fahrdienstleiter sei sich sicher, dass die Schranke geschlossen war und sich dann, warum auch immer, wieder geöffnet hat. Als ein Indiz für einen technischen Defekt habe ihm sein Mandant genannt, dass es an diesem Tag auch andere Ausfälle an der Armatur des Stellwerkes gegeben habe. Sein Mandant erhoffe sich deshalb von einer gerichtlichen Überprüfung einen Freispruch.

 So ungewöhnlich sind Defekte an Bahnanlagen nach Recherchen im Internet offenbar nicht: Im Oktober 2014 fuhr ein Zug bei offener Schranke durch Klanxbüll, Ursache war dort wohl ein Drahtseilbruch. Im Dezember 2014 versagte eine Schrankenanlage in Ariendorf am Rhein.

 Für den Fahrdienstleiter steht dabei auch im Raum, dass möglicherweise eine Versicherung auf ihn zurückgreifen könnte, wenn auch Rechtsanwalt Börner dieses Risiko gering einschätzt. Das hänge vom Grad des Verschuldens ab und von mehr als Fahrlässigkeit gehe nicht einmal die Staatsanwaltschaft aus.

 Auch für den Handwerker, der bei dem Unfall so schwer verletzt worden ist, dass er seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben kann, ist die juristische Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen. Der Rintelner Rechtsanwalt Alexander Berndt hatte mehr als ein Jahr lang dafür kämpfen müssen, dass der Mann Schadensersatz erhielt, denn zunächst war die Versicherung von einer Mitschuld des Volvofahrers ausgegangen. Inzwischen ließ Berndt wissen, sei eine endgültige Einigung mit der Versicherung jedoch in greifbarer Nähe. wm

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