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Falscher Verdacht

Kriminalität von Flüchtlingen Falscher Verdacht

Das Thema Flüchtlinge bewegt die Rintelner. Und die Gerüchteküche brodelt. Gibt es wirklich keine Zunahme der Kriminalität – oder ist es nur politisch opportun, darüber zu schweigen?

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Bei den Zigarettendieben im Marktkauf hat es sich nicht um Flüchtlinge gehandelt.dpa

Rinteln. Auch diese Redaktion erreichen Hinweise auf Straftaten mit angeblicher Beteiligung von Flüchtlingen: zum Beispiel Zigarettendiebe vergangenen Freitag im Marktkauf und ein anschließendes Gerangel mit einschreitenden Ordnungshütern. Es waren allerdings keine Flüchtlinge beteiligt, wie sich herausstellte.

 Die Rintelner Polizei reagiert aber nicht nur auf Einzelfälle wie diese – sie wird nun wie angekündigt auch präventiv bei den Flüchtlingen tätig. Ab Dienstag richtet sie Sprechstunden mit zwei Polizisten und einem Dolmetscher in der Notunterkunft in der Prince Rupert School ein.

 Unübersichtlicher Großandrang am Telefonkartenstand einer Tankstelle, Aufreißen von Lebensmittelpackungen zwischen den Regalen in einem Discounter: So was wird in Rinteln als verdächtig wahrgenommen und oftmals mit Flüchtlingen in Verbindung gebracht. Doch die Polizei ist meist nicht da, weil sie offenbar nichts davon weiß, denn angezeigt wird so etwas nicht. Nicht strafbar oder zu geringfügig, vielleicht wird deshalb über die Vorfälle geschwiegen und nichts gemeldet, oder hat man die Hoffnung auf Schutz aufgegeben?

 Bei den Zigarettendieben am im Marktkauf war es anders. Beobachter meinten aufgrund des Aussehens der Täter, es seien Flüchtlinge. Kripochef Jörg Stuchlik stellte gestern auf Anfrage klar: „Das waren auswärtige georgische Männer, also keine Flüchtlinge. Zigarettendiebstahl in Kassenzonen ist derzeit eine Masche solcher Banden. Wir waren vor Ort und haben die Sache geklärt.“

 Ebenso würden zurzeit bulgarische taubstumme Kinder auffallen, die Geld in Fußgängerzonen erbetteln und es dann auf Parkplätzen kriminellen Hintermännern übergeben. „Bulgaren sind aber EU-Europäer und keine Flüchtlinge.“

 Weitere ähnliche Vorfälle wurden bislang aus Rinteln nicht gemeldet. Das Textilkaufhaus Bruno Kleine hat bisher laut Filialleiter Detlef Wagner keine Probleme mit Flüchtlingen: „Die kommen auch nicht zu uns.“ Kleidung gibt es ja auch kostenlos über das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Die Firma Jibi lehnte eine Stellungsnahme ab.

 Marie-Christin Zimmermann von der Woolworth-Zentrale in Unna sagte: „Wir merken, dass vermehrt Flüchtlinge (registrierte) mit ihrem Taschengeld bei uns einkaufen, Beeinträchtigungen haben wir durch sie nicht. Wenn dass in Rinteln anders wäre, würde uns das aber von den Mitarbeitern gemeldet.“

 Bei der Bürgerversammlung vor der Belegung der Prince Rupert School hatte Rintelns Polizeichef Wilfried Korte von bis dato nur drei Delikten mit Flüchtlingen aus den vergangenen Wochen berichtet: zwei Ladendiebstähle und ein weiterer Diebstahl, alle begangen von registrierten Flüchtlingen aus der kreiseigenen Unterkunft in der Pestalozzischule.

 Kripochef Jörg Stuchlik hat seither keine Zunahme entsprechender Delikte registriert, obwohl rund 600 unregistrierte Flüchtlinge in die Prince Rupert School eingezogen sind.

 Nicht wegen etwaiger Deliktfülle, sondern als Prävention setzt die Polizei ab nächsten Dienstag um, was Korte schon in der Bürgerversammlung ankündigte: „Wir richten Sprechstunden für Flüchtlinge in der Notunterkunft ein. Meine Stellvertreterin Daniela Kempa (Leiterin Einsatz- und Streifendienst) wird mit einem Kollegen dort sein, ein Sozialarbeiter des DRK hilft als Dolmetscher. Und bei Bedarf kommt ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes hinzu, das hat Bürgermeister Thomas Priemer zugesichert.“

 Ziele seien Prävention und Vertrauensbildung. Korte: „Viele Flüchtlinge sind traumatisiert, kennen die Polizei aus ihrer Heimat nur als korrupt und gewalttätig. Wir sind anders, wir helfen. Das soll klar werden. Aber wir werden auch auf die Regeln des hiesigen gesellschaftlichen Zusammenlebens hinweisen, die einzuhalten sind. Je nach Bedarf werden wir den Rhythmus und die Länge der Sprechstunden anpassen.“

 Parallel dazu werden derzeit Bewohner vor allem der Nordstadt mit Infoblättern versorgt, die sie zum Selbstschutz vor Einbrechern in der dunklen Jahreszeit und Wachsamkeit als mögliche Zeugen von Straftaten auffordern (wir berichteten). „Die Resonanz ist sehr positiv“, so Stuchlik.

 Die Aussage, dass es keine Zunahme von Straftaten durch große Flüchtlingsaufnahme gebe, beruht angesichts der geringen Fallzahlen überhaupt meist auf der Erfahrung der Kripo. Eine gesonderte Erfassung gibt es auch in Rinteln bisher nicht. Bei der Polizeidirektion Hannover wird dies jetzt geändert. Dort wurde die Software für die Deliktaufnahme so modifiziert, dass nun ein Button für Beteiligung von Flüchtlingen und Asylbewerbern angeklickt werden kann, ob als Täter oder als Opfer.

 Stuchlik: „Das dient vor allem der Statistik. Wir werden so etwas sicher auch bald bekommen.“ Rinteln gehört allerdings zur Polizeidirektion Göttingen, die sich noch nicht so geäußert hat wie Hannover.  dil

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