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Familiensache

Der Politiknachwuchs Familiensache

Vater oder Mutter in der Kommunalpolitik, ist das motivierend oder doch eher abschreckend? Denn Sohn oder Tochter erleben, dass Kommunalpolitik Zeit kostet, Freizeit, mit der man als junger Mensch auch etwas anderes anfangen könnte.

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Anna Lena Tegtmeier

RINTELN. Sie erleben, dass Kommunalpolitik manchmal Frust bringt, wenn man mit seinen Ideen nicht durchdringt, keine Mehrheit dafür findet.

Die sechs jungen Leute, die wir hier vorstellen, die auf den Listen von SPD, CDU und WGS im September kandidieren, haben eines gemeinsam: Vater oder Mutter sind bereits in der Politik engagiert. Und alle kennen diese Argumente, sagen aber, sie wollten in der Politik ihre eigenen Erfahrungen machen.

Alle finden gut, dass man in der Kommunalpolitik noch etwas bewegen kann, dass man sieht, worüber man mit entschieden hat. Und wenn es der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses ist. Die definitive Antwort auf die Frage „Was treibt euch an?“ hat David Kuhr gegeben: „Einer muss es ja machen.“

Vielleicht inspiriert diese Veröffentlichung den einen oder anderen Leser dazu, nicht nur gewohnheitsmäßig bei den „Platzhirschen“ ein Kreuz zu machen, sondern auch dem Nachwuchs in der Politik eine Chance zu geben, egal von welcher Partei.

Die Feuerlöscherin

Bei Anna Lena Tegtmeier und Nico Steiner, die sich jüngst am Traualtar das Ja-Wort gegeben haben, sind Kommunalpolitik wie Feuerwehr gewissermaßen Familiensache. Tegtmeier ist stellvertretende Ortsbrandmeisterin bei der Feuerwehr Steinbergen, ihr Mann Nico dort Atemschutzgeräteträgerwart. Anna Lena sitzt neben ihrer Mutter im Ortsrat Rinteln und hat schon erste Erfahrungen gesammelt, wie der Politikbetrieb funktioniert. Ihr Mann Nico ist in den Vorstand des SPD-Ortsvereins gewählt worden. Tegtmeier möchte in der Politik eine Stufe höher und kandidiert für Stadtrat wie Kreistag.

Auch beruflich hat die Gesundheits- und Krankenpflegerin, die in einer Ambulanz in Bückeburg arbeitet, noch Pläne: Sie möchte Pflegemanagement studieren.

Der Gründerpreisträger

Die Familientradition will  David Kuhr aufrechterhalten. Sein Großvater mütterlicherseits war Karl Lorenz, eine Kommunalpolitikerlegende: Sein Vater Uwe Kuhr zählt als Ratsherr und im Ortsrat zum inneren Zirkel der Rintelner Sozialdemokraten. Mit der Kandidatur seines Juniors, der für Orts- sowie Stadtrat (hier auf Listenplatz 13) antritt, kann Senior Kuhr entspannt in den politischen Ruhestand gehen und seinen Sohn mit Tipps versorgen.

Seine Fachhochschulreife hat Kuhr an den Berufsbildenden Schulen (BBS) gemacht. Dort hat er mit weiteren Schulkollegen auch den Deutschen Gründerpreis in Schaumburg gewonnen. Die Idee des BBS-Teams: Warum nicht das Aggregat eines Kühltransporters, wenn der Fahrer Pause macht mit Solarenergie statt Diesel betreiben? Nach dem Fachabitur ist Kuhr zu den Stadtwerken gewechselt, wo er heute als Kreditorenbuchhalter arbeitet.

Der Newcomer

Schon mit zehn Jahren hat  Philip Skoruppa geholfen, in Deckbergen, Westendorf und Schaumburg für die SPD Wahlplakate aufzuhängen. Sein Vater Friedhelm mache Politik, „so lange ich denken kann“. Der Papa habe ihn dann auch überzeugt, in diesem Jahr in die SPD einzutreten und zu kandidieren. „Erst mal nur für den Ortsrat“, sagt Skoruppa. „Mal schauen, wie sich das macht.“

Skoruppa, 27 Jahre alt, hat bei den Stadtwerken Rinteln gelernt und arbeitet dort wieder nach einem kurzen Wechsel unter der Regie von Reinhold Kölling in der Gas- und Wasserabteilung. Kölling, altgedienter SPD-Stratege, ist dann auch der richtige Mann, bei dem er sich nach Feierabend praktische Tipps für die kommunalpolitische Arbeit abholen kann.

Der Finanzfachmann

Auf gleich zwei Kommunalpolitiker in seiner Familie kann  Malte Frost verweisen: Großvater Heinrich Prasuhn hat in Hohenrode als Ortsbürgermeister Lokalgeschichte geschrieben, Mutter Renate Prasuhn, die jeder als Hofcafé-Managerin kennt, ist in der Dorfgemeinschaft engagiert.

Auf dem Gymnasium Ernestinum war Frosts Leistungsfach Politik, und diskutieren könne er auch ganz gut, sagt er. Solche Talente bleiben Kommunalpolitikern wie Veit Rauch natürlich nicht verborgen. So hat sich Malte Frost überzeugen lassen, in diesem Jahr in die CDU ein- und gleich anzutreten für Ortsrat und Stadtrat: Belohnt wurde er dafür mit Platz sieben auf der Liste.

Nach dem Abitur, sagt Frost, habe er ein duales Studium gesucht, weil er auf eigenen Beinen stehen wollte. Die Sparkasse hat ihm das geboten. So arbeitet er in der Zweigstelle am Andeplatz und studiert in Hannover. Ziel Bachelor, Betriebswirt.

Die Existenzgründerin

Stefanie Lecker (CDU) muss man in Todenmann nicht vorstellen. Da kennt man die 35-jährige Tierarzthelferin. Sie sitzt im Ortsrat und hat die Jugendfeuerwehr mit gegründet. Ihr Vater Uwe Vogt ist Ortsbürgermeister. Im Vorjahr hat Steffanie Lecker das Bremer Landschulheim gekauft. Dort ist der Waldkindergarten zu Hause, und dort will sie eine Tierpension einrichten. Dafür ist sie ohne Zweifel die richtige Frau, nämlich vom Fach. Sie hat zehn Jahre bei Tierärztin Katja Röckemann in Todenmann gearbeitet, dann bei Zoo-Z in Rinteln.

Sie kandidiert auf der Liste der CDU für den Ortsrat, Stadtrat (Listenplatz sechs) und für den Kreistag. Dass sich die junge Mutter (ihr jüngster Sohn Phil ist gerade ein paar Wochen alt, ihr ältester Pascal 16 Jahre) in der Kommunalpolitik vor allem für Familie und Schule einsetzen will, versteht sich da von selbst.

Der Bufdi

Wenn der Vater im Stadtrat und Kreistag und die Mutter im Ortsrat engagiert sind, kann man dem Thema als Sohn praktisch nicht entkommen, sagt  Heinrich Sasse junior . Sonntags am Frühstückstisch, gibt es zwei Themen: Fußball (Vater Heinrich ist auch Schiedsrichter) und Politik.

So habe es nicht viel Überredungskunst gebraucht, ihn zu einer Kandidatur bei der Wählergemeinschaft Schaumburg (WGS) zu motivieren. Sasse versteht Kommunalpolitik auch als eine „wichtige Erfahrung“, zu erleben, wie Entscheidungen fallen. Das Abitur hat er in der Tasche, und auch auf dem Berufsfeld will Sasse erst einmal ausprobieren, ob seine Wahl, nämlich in die Medizin zu gehen, die richtige Entscheidung ist. Deshalb hat er sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Neurologischen Klinik in Hessisch Oldendorf entschieden. hw

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