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Fast 200 solidarisieren sich mit Muslimen

Aktion in St. Nicolai Fast 200 solidarisieren sich mit Muslimen

Es ist ein Abend gewesen, der wohl alle Erwartungen übertroffen hat. Fast 300 Menschen waren dem Aufruf des Fördervereins des Hauses der Weltreligionen gefolgt, um am Donnerstagabend an der interreligiösen Solidaritätsveranstaltung für Muslime in der St.-Nikolai-Kirche teilzunehmen. Allein rund 100 von ihnen waren Muslime. Es war in Rinteln die erste Veranstaltung dieser Art.

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Rinteln. Peter Neumann, ehemaliger Superintendent der Grafschaft Schaumburg, Organisator der Solidaritätsveranstaltung und Vorsitzender des Fördervereins des Hauses der Religionen, führte durch den Abend, begleitet von Gesangseinlagen der Gospelchöre aus Rinteln und Bad Eilsen, dem Posaunen-Trio der Kreisjugendmusikschule und Beiträgen von Bürgermeister Thomas Priemer und Vertretern von sechs unterschiedlichen Religionen. „Ich freue mich besonders, dass wir heute so viele Musliminnen und Muslime bei uns haben“, sagte er zur Begrüßung. „Das hat es in der Nikolai-Gemeinde noch nie zuvor gegeben.“

 Wesentlich zu verdanken ist das Murat Demirel, dem Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Mevlana-Gemeinde in Rinteln, der Im Emerten ordentlich die Werbetrommel für die Veranstaltung getrommelt hatte. Bereits vor wenigen Wochen waren auf Initiative von Neumann unterschiedliche Religionsvertreter in den Gemeinderäumen der islamischen Gemeinde zusammengekommen (wir berichteten). Anlass waren die islamistischen Terroranschläge in Paris und die islamkritischen Pegida-Demonstrationen. Das Motto, mit dem ein interreligiöses Zeichen für ein friedliches Miteinander gesetzt werden sollte: „Lasst uns einander die Hände reichen!“

 Am Donnerstag erinnerte Neumann an Artikel 1 der Erklärung der Menschenrechte, wonach alle Menschen „frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ werden, die aber leider bis heute immer wieder „mit Füßen getreten“ würden – weltweit. „Wir sind heute hier, weil wir das nicht wollen“, stellte Neumann klar, bevor er auf den zuvor gesungenen Gospelsong „We Are Changing the World“ einging. „Ja, wir möchten die Welt verändern.“ Kein Morden solle es mehr geben – „schon gar nicht im Namen Gottes oder eines Religionsstifters“. Gott brauche solchen Hass nicht, und der Hass brauche keinen Gott. „Deswegen sind wir hier, um uns Hand in Hand an die Seite unserer muslimischen Mitbürgern der Stadt, des Landkreises und des ganzen Landes stellen. Sie gehören zu uns. Mögen andere – wie etwa die Anhänger von Pegida – darüber denken, was sie wollen.“

 Nach dem Grußwort von Bürgermeister Priemer, der für einen kontinuierlichen Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen warb („Das Fremde darf uns nicht fremd bleiben.“) und Beiträgen von Kathirgamar Kanagarajah zum Hinduismus und von Michael Schmidt zum Buddhismus hoben die drei Imame Idris Tasova aus Rinteln, Mehmet Kilinc aus Bückeburg und Mustafa Ülgen aus Sarstedt zu Ilahi an, islamischen Gedichten und Erzählungen über Gott und die Welt, im Wechsel mit Beiträgen Peter Wendts zum Judentum, Annegret Meyers zum Christentum und Gisa Meier-Floeths über die Bahai‘i. Der Rintelner Imam Tasova sprach über den Islam.

 Neumann kam in seiner Abschiedsrede auf das Thema Karikaturen zu sprechen, die für die Attentäter von Paris Anlass genug für ihren Terror waren. „Wir sollten alle – und damit meine ich nicht nur die Muslime in der Welt – gelassener werden, wenn unser Gott oder seine Gesandten verunglimpft oder beleidigt werden. Auch Karikaturen sind kein zureichender Grund, aufeinander loszugehen, auch wenn sie hämisch, gemein oder einfach nur albern und blöd sind.“

 Im Hinblick auf den Umgang mit nicht gläubigen Menschen gebe es in allen Religionen noch „ganz viel Klärungsbedarf“, so Neumann weiter, der sich auf den katholischen Theologen Hans Küng bezog, dem zufolge von solcher Klärung nicht nur der Frieden unter den Religionen abhänge, sondern auch der „Frieden der Nationen“. Neumann: „Deshalb reden die Religionen im Haus der Weltreligionen miteinander.“ Wer den Dialog ablehnt, pflege „lieb gewordene Vorurteile“.

 Mit Blick auf das Zeitgeschehen verurteilte Neumann gleichermaßen Islamfeindlichkeit, Antisemitismus sowie Fremdenhass gegenüber Flüchtlingen, bevor er dafür plädierte, „Hand in Hand den Anfängen zu wehren“ und ein Gebet sprach („Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens!“).

 Anschließend trat er mit den anderen Religionsvertretern Hand in Hand nach vorne. Infolgedessen schlossen sich ihnen fast alle Besucher unaufgefordert an, reichten einander die Hände, traten noch vorn und bildeten so eine riesige Menschenkette in der Kirche. Ein hochemotionaler Moment, den Neumann so „nie erwartet“ habe. Auch Murat Demirel von der islamischen Gemeinde war ergriffen. „Das war eine überwältigende Veranstaltung, insbesondere für eine Kleinstadt wie Rinteln“, sagte er gestern. „Alle waren begeistert.“ pk

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