Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Fließt hier bald wieder Durchgangsverkehr?

Rinteln / Ratssitzung Fließt hier bald wieder Durchgangsverkehr?

CDU-Ratsherr Kay Steding formulierte einen Satz, den man in der Politik an sich nur selten hört: „Da haben wir einen großen Fehler gemacht.“ Zehn Jahre ist es her, da wurde auf Antrag der Rintelner Christdemokraten eine Schranke an der Dauestraße installiert. Ziel: die allgemeine Verkehrsberuhigung. Niemand außer Anwohner sollte damals die Dauestraße als Abkürzung mehr nutzen, um möglichst schnell von der Süd- in die Nordstadt zu gelangen. In kürzester Zeit wurde die Schranke durch die politischen Gremien gewunken. Jetzt, zehn Jahre später, soll sie überflüssig sein.

Voriger Artikel
Sohnrey soll weg – neuer Name gesucht
Nächster Artikel
Zehn Tonnen Flüssigglas treten aus

 Aufnahme mit Mehrfachbelichtung: Anwohner befürchten erhöhtes Verkehrsaufkommen, wenn die Schranke auf Dauer geöffnet bleibt.

Quelle: tol

Rinteln. Rinteln (ll). Bei der jüngsten Ortsratssitzung äußerte die CDU nun ihre Abkehr von dem einst so wichtigen Anliegen: „Keiner kann nachvollziehen, warum diese Schranke gebaut wurde“, sagte Fraktionssprecher Steding. „Unser Antrag war ein Fehler, den wir jetzt korrigieren wollen.“ In dem Antrag, den die CDU im Ortsrat stellte, heißt es: Die CDU-Fraktion beantrage „den ersatzlosen Abbau der Schranke in der Dauestraße und die Wiederherstellung der Fahrbahn in ihren ursprünglichen Zustand“. Grund: Die Westumgehung sei sehr gut angenommen worden und eine Steigerung des Durchgangsverkehrs im Bereich Drift und Dauestraße seien nicht mehr zu erwarten. Zudem sei festzustellen, dass Chip-Karten, die zur Durchfahrt berechtigen und die Schranke öffnen, „missbraucht“ würden. Denn mittlerweile, so die Ansicht der CDU, hätten auch viele Autofahrer, die nicht in dem Wohngebiet wohnen, eine Chip-Karte zur Hand, weil einige Anwohner sie weitergeben würden.

 Eine komplette Entfernung der Schranke und der Rückbau der verkehrsberuhigenden Maßnahmen – ein Schritt, der den anderen Fraktionen im Ortsrat aber zu weit geht. SPD-Fraktionsvorsitzende Helma Hartmann-Grolm sieht beim Abbau der Schranke zwar „kein Dogma“, dennoch habe sich die Westumgehung bewährt, die Frequentierung von Dauestraße und Drift bliebe nach der Öffnung abzuwarten. Anders sieht es Grünen-Ratsherr Gerhard Helmhold: „Warum sollen wir etwas abschaffen, was sich bewährt hat?“, fragte er und stellte zum CDU-Antrag von vor zehn Jahren klar: „Das war kein Fehler, sondern eine verkehrsleitende Maßnahme.“ Helmhold befürchtet, dass sich durch die Schrankenöffnung wieder mehr Autofahrer den Weg durch Dauestraße und Drift bahnen. Dafür, dass die Westumgehung dann möglicherweise keine Alternative mehr sein wird, um in die Nordstadt zu kommen, hat Helmhold eine einfache Erklärung: „Autofahrer suchen sich den kürzesten Weg.“

 Nach Auffassung von Gert Armin Neuhäuser (WGS) ist der Verzicht auf die Schranke im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts ebenfalls nicht sinnvoll. „Wir bekämpfen Verkehrsprobleme, indem wir ein anderes Verkehrsproblem schaffen“, wandte er ein und traf damit den Nerv einiger Anwohner, die als Zuhörer der Sitzung beiwohnten. „Die Schranke ist ein Segen“ und „Gut, dass es damals so weit gekommen ist“ war zu hören. Als die Schranke im vergangenen Jahr für knapp sechs Monate wegen eines Defektes geöffnet blieb, hätten Anwohner erhöhtes Verkehrsaufkommen festgestellt – trotz vorhandener Westumgehung. „Wir wissen, was passiert, wenn die Schranke weg ist“, lautete ein Anwohner-Kommentar.

 Einen Vorschlag von Petra Sasse (WGS) hat der Ortsrat beschlossen: kein, wie zunächst beantragter, gänzlicher Abbau der Schranke, kein Rückbau der Verkehrsberuhigung – dafür die probeweise Öffnung der Schranke für einen Zeitraum von zwölf Monaten. In einem Jahr wolle man sich erneut unter Berücksichtigung hinzu gewonnener Erfahrungen mit dem Thema befassen. Die CDU ruderte an diesem Abend ein zweites Mal zurück.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr