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Flucht über die Leitplanke

Prozess Flucht über die Leitplanke

Eine spektakuläre Karambolage auf der Autobahn2 mit zwei verletzten Personen, drei beschädigten Fahrzeugen und anschließender Unfallflucht bleibt unaufgeklärt: Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte für das knapp drei Jahre zurückliegende Geschehen kein Täter gefunden werden.

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Quelle: Symbolfoto

Rinteln. Ein 29-jähriger Berliner, der sich für den gesamten Sachverhalt verantworten musste, wurde demzufolge von allen Vorwürfen freigesprochen. Mit dem Urteil folgte Richter Christian Rost den Anträgen von Staatsanwältin Karin Dubben und der Verteidigung.

An einem Morgen im Januar 2014 fuhren gegen 4.30 Uhr ein Lkw mit Anhänger und ein mit einer Frau und ihrem Sohn besetzter VW an der Anschlussstelle Bad Eilsen auf die A2. Als die Fahrzeuge auf dem Beschleunigungsstreifen in Richtung Hannover waren, knallte es plötzlich. Ein hochwertiger Mercedes mit Berliner Kennzeichen hatte sowohl die linke Seite des Lkw-Anhängers als auch die des VWs gerammt.

Person verschwand aus dem Mercedes

Während die getroffenen Fahrzeuge auf der Beschleunigungsspur zum Stehen kamen, landete der Mercedes in der Mittelleitplanke. Dort stand er unbeleuchtet in der Dunkelheit. Der Lkw-Fahrer sah dann, wie eine Person aus dem Mercedes stieg, über die Leitplanke kletterte und verschwand. Währenddessen wurde der Frau und ihrem Sohn im VW geholfen, die zahlreiche Prellungen und Hämatome bei dem Crash erlitten hatten. Schnell wurde die Suche nach dem Flüchtenden aufgenommen. Ein Hubschrauber konnte wegen des schlechten Wetters nicht eingesetzt werden, Fahndungen der Polizei im Nahbereich blieben ergebnislos.

Bald tauchte auch der Verdacht auf, dass der Luxuswagen in Berlin gestohlen worden war und möglicherweise zwei oder drei Leute in dem Auto gesessen hatten. Darauf deutete unter anderem die elektronische Sitzerkennung hin, über die der Mercedes verfügt.

Im Auto fanden die Beamten schließlich Brecheisen, Schraubenzieher, leere Sporttaschen, Müllsäcke und Klebebänder. Spezialisten der Spurensicherung schnitten Fahrer- und Beifahrerairbag komplett heraus und ließen auch eine angetrunkene Wasserflasche auf DNA untersuchen. Ein Biologe aus Bayern entdeckte später DNA-Spuren mehrerer Personen.

Blitzerfoto zeigte drei personen

Ein Treffer wurde erzielt: Das Zellmaterial an der Wasserflasche stammte ganz sicher vom Angeklagten. Mischspuren waren auch auf den Airbags. Auch ein weiterer Vorfall in dieser Nacht gab zu Spekulationen Anlass: Knapp 30 Minuten vor der Karambolage auf der A2 wurde der Mercedes in der Nähe von Löhne in einer Ortschaft mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Auf dem Foto waren drei Personen zu sehen. Um wen es sich dabei gehandelt hat, konnte nicht sicher festgestellt werden.

Zu guter Letzt erschien ein Zeuge vor Gericht, der eine abenteuerliche Geschichte präsentierte. Demnach hatte der 27-Jährige, der ebenfalls aus Berlin stammt und den Angeklagten kennt, den Mercedes zuvor gemietet. Der Mann berichtete, er sei mit einem „Mehmet“, dessen Nachnamen er nicht kennt, in der Hauptstadt mit dem Wagen unterwegs gewesen. Dann sei „Mehmet“ allein weiter gefahren und habe Stunden später angerufen und erzählt, er hätte auf der A2 einen Unfall gehabt. Daraufhin meldete der 27-Jährige den Mercedes als gestohlen. Für diese Falschaussage musste sich der Mieter des Wagens bereits verantworten.

Letztlich stand nur fest, dass der Angeklagte im Auto gesessen hatte. Ob er auch der Fahrer gewesen ist, konnte nicht geklärt werden.  maf

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