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Fotografen gefährden Seeadler-Brut

Tierschützer warnen vor Strafen Fotografen gefährden Seeadler-Brut

Die heimischen Förster sind fassungslos: Seit drei Jahren ist der seltene und streng geschützte Seeadler wieder als Brutvogel in der Region heimisch. Doch das rücksichtslose Verhalten einiger Fotografen gefährdet jetzt den raren Nachwuchs.

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Einen Seeadler aus seinem Nest zu scheuchen kann empfindliche Strafen nach sich ziehen.

Quelle: dpa

Rinteln/Hessisch Oldendorf. Im Internet machte zuletzt sogar das Foto eines aufgescheuchten Altvogels die Runde. Doch während der Naturfotograf sich über sein Bild freuen mag, erfriert im Nest der Seeadler-Nachwuchs. „Es ist mir unbegreiflich, was solch gedankenlose Menschen antreibt“, sagt Christian Weigel, Leiter des Forstamtes Oldendorf. „Es könnte ein nicht wiedergutzumachender Schaden entstanden sein.“

Gerade bei den derzeit wieder sehr kühlen Temperaturen ist das Auskühlen der Brut eine große Gefahr für den Nachwuchs. „Wenn die Adler erst einmal aufgeschreckt sind, kehren sie nicht gleich zu ihrem Nest zurück“, beklagt Naturschutzförster Heiko Brede.

Bis zu fünf Jahre Freiheitstrafe

„Das ist kein Kavaliers-Delikt“, sagt der Rintelner Biologe Thomas Brandt, Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM). Da der Seeadler streng geschützt ist, sehe der Gesetzgeber beim vorsätzlichen Aufscheuchen eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Beim aufgetauchten Foto erkennt er eindeutig einen Vorsatz: „Dafür muss es eins auf die Mütze geben.“ Brandt und auch das Forstamt Oldendorf bringen jedes Aufscheuchen ausnahmslos zur Anzeige.

Immer wieder sterben junge Seeadler, weil ihre Eltern aufgescheucht werden. Am Steinhuder Meer war ein derartiger Brutverlust erst vor einigen Jahren zu beklagen. Damals ist ein Heißluftballon dem Nest zu nahe gekommen.

Forstamtsleiter Weigel appelliert an alle Waldbesucher, die Wegesperrung im Brutbereich zu akzeptieren. Sollten Wanderer feststellen, dass Fotografen bewusst oder fahrlässig die streng geschützten Tiere aufscheuchen, dann sollen sie die Polizei anrufen, betont Brandt. Eine andere Perspektive vertritt der Naturfotograf und Hobby-Ornithologe Marc Jameson. Er sieht eine Teilschuld beim Forstamt sowie dem Naturschutzbund. „Die Öffentlichkeitsarbeit ist komplett nach hinten gegangen“, meint er. Es sei nicht zielführend, in fast jedem Bericht den Seeadler zu erwähnen. Zwar fördere man damit den Naturtourismus bei den Kiesteichen, doch unter 50 Naturfotografen, die sich verantwortungsvoll verhalten, finde sich stets auch ein Rüpel.

Geheim halten oder offensiv thematisieren

ÖSSM-Leiter Brandt entgegnet, man habe bei streng geschützten Tieren immer die Wahl, ihre Existenz entweder geheim zu halten oder sie offensiv zu thematisieren – wie auch die Gefahren, die für sie entstehen würden. In den Fällen Steinhude und Hohenrode hält er eine Geheimhaltung nicht für realistisch. Unter anderem, weil wegen des brütenden Seeadlers auch die Vatertagsparty am Ludwigsturm in der Vergangenheit abgesagt wurde.

So betont das Forstamt auch weiterhin, wer einen Seeadler fotografieren oder beobachten möchte, habe dafür durchaus legale Möglichkeiten: Am Steinhuder Meer oder an den Hohenroder Kiesteichen bietet sich nahezu täglich die Chance, im Einklang mit der Natur und dem Gesetz den größten heimischen Greifvogel zu beobachten. „An den Hohenroder Kiesteichen gibt es keine Nester, aber dort können die Vögel beim Jagen gesehen werden“, sagt Brede. Am Steinhuder Meer gibt es ein Münzfernrohr, durch das die Seeadler aus sicherer Entfernung beobachtet werden können. Von Jakob Gokl und Johanna Lindemann

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