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Frau Li soll weg

Institution in der Weserstadt Frau Li soll weg

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann muss Antonia Li nach dem 28. Februar Deutschland verlassen. Als „Frau Li“ dürfte sie vielen Rintelnern vor allem über ihre Arbeit mit dem Verein „Mensch“ ein Begriff sein.

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Zehn Jahre nach der verhinderten Abschiebung muss Antonia Li möglicherweise doch Deutschland verlassen.

Quelle: tol

Rinteln. Mit ihrem eigenwilligen Stil und ihrer offenen Art ist sie in den letzten 16 Jahren zu einer Institution in der Weserstadt geworden. Auch unsere Zeitung berichtete mehrmals über ihre zahlreichen Projekte.

Seit 16 Jahren in Rinteln

Mit Tränen in den Augen sucht Li das Gespräch mit der Lokalpresse. Seit mittlerweile 16 Jahren lebt die 60-Jährige in Rinteln. Sie hat zwei erwachsene Kinder und ist für viele Bewohner aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Auch Bürgermeister Thomas Priemer betont, als unsere Zeitung ihn auf die drohende Abschiebung ansprach: „Sie macht eine kulturell wertvolle Arbeit und ist überall dabei, wo es um die Belange von Schwachen geht. Sie leistet eine wahrnehmbare ehrenamtliche Arbeit für die Stadt. Sie ist wirklich ein Musterbeispiel für gelungene Integration.“

Doch bei allem ehrenamtlichem Engagement scheint Li ihre eigenen Finanzen vernachlässigt zu haben. Denn obwohl sie schon Anfang 2015 von der Härtefallkommission eine Aufenthaltserlaubnis bekommen hat, konnte sie die daran geknüpften Bedingungen binnen zwei Jahren nicht erfüllen. Nun hat das Innenministerium ihr eine letzte Frist gesetzt. Bis zum 28. Februar muss Li nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt „überwiegend durch die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sichern kann“. Sofern sie das nicht erreiche, „besteht auch die Möglichkeit, die Differenz durch eine Verpflichtungserklärung Dritter zu decken“. Im Klartext: Li muss einen Job finden, der das Existenzminimum sichert.

Republik nicht anerkannt

Li ist vor 16 Jahren mit ihrer Familie aus der Krisenregion Bergkarabach nach Deutschland gekommen. Die Region im Kaukasus wird seit dem Zerfall der Sowjetunion sowohl von Armenien als auch von Aserbaidschan beansprucht. Die Republik Bergkarabach hat sich für unabhängig erklärt, wird aber von keinem UN-Mitglied anerkannt. Li ist russische Staatsbürgerin und soll, sofern sie die Bedingungen nicht erfüllen kann, nach Russland ausreisen.

Schon einmal drohte Li die Abschiebung. Vor zehn Jahren sollte sie gemeinsam mit ihrer damals 14-jährigen Tochter Tata das Land verlassen. Doch ein breites Bündnis aus Kirche, Politik und vor allem Schülern des Ernestinums wollte die Abschiebung nicht akzeptieren. Innerhalb von nur zwei Tagen sammelten die Schüler mehr als 700 Unterschriften, die sich für einen Verbleib von Tata und ihrer Mutter einsetzten. Sie schrieben einen offenen Brief an den Landrat und die Ausländerbehörde, der Kirchenkreis richtete ein Spendenkonto ein, das Gymnasium organisierte eine Podiumsdiskussion, bei der auch die Ausländerbehörde teilnahm; die Aula füllte sich bis auf den letzten Platz.

Aufgrund des großen Aufschreis und der rechtlichen Unterstützung, die dank der Spenden möglich war, konnte die Abschiebung von Frau Li und ihrer Tochter nach langem Hin und Her verhindert werden.

Li möchte jede Möglichkeit ergreifen

Nun hofft Li, dass ihr vielleicht bei der Suche nach einer Arbeit geholfen werden könnte. Über das Jobcenter habe sie zwar schon einige Angebote wahrgenommen, allerdings noch keine Anstellung gefunden, die den Lebensunterhalt sichert. Derzeit gehe sie nur einem Minijob nach. „Ich arbeite gerne.“ Ob nun bei der Betreuung von Kindern oder Senioren, aber auch als Putz- oder Küchenhilfe, um ihre erzwungene Ausreise zu verhindern, möchte Li jede Möglichkeit ergreifen. „Besonders gerne arbeite ich aber mit Kindern und alten Leuten“, sagt sie.

Selbstkritisch räumt sie ein, in der Vergangenheit vielleicht zu viel Zeit in die Arbeit ihres Vereins gesteckt zu haben. Diese Tätigkeiten müssen nun pausieren, damit sie ihre private Situation lösen kann.

Antonia Li ist per E-Mail an antoninali57@mail.ru zu erreichen. jak

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