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Freiwillige helfen Flüchtlingen in Rinteln

Engagement Freiwillige helfen Flüchtlingen in Rinteln

Die Nähmaschinen surren, Frauenstimmen in verschiedenen Sprachen ertönen, und mittendrin die 83-jährige Katharina Haaß, Zentimetermaß um den Hals, Schere und Schnittmuster in der Hand. Im Flüchtlingsheim am Kerschensteiner Weg lehrt sie Selbsthilfe mit Nadel und Faden. Aus Kleider- und Stoffspenden der Rintelner Bevölkerung entstehen neue Kleidungsstücke, werden gebrauchte passend gemacht. Sprachgrenzen? „Ich kann nur Ungarisch und Deutsch, aber irgendwie klappt es doch mit der Verständigung“, lacht Haaß. Gern hätte sie noch Helferinnen, die Serbisch, Albanisch oder Arabisch sprechen.

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Katharina Haaß (rechts) zeigt Frauen aus Albanien (von links), Kosovo, Serbien und Montenegro sowie Sozialarbeiterin Veronika Matamu (Vierte von links), wie man zuschneidet, Neues näht und Gebrauchtes repariert.

Quelle: dil

Rinteln. „Ich finde es toll, was Frau Haaß macht“, lobt eine Montenegrinerin, die gut Deutsch spricht. Und die Kosovarin neben ihr bezieht Sozialarbeiterin Veronika Matamu gleich mit ein: „Veronika gut, sehr gut.“

 Es fing etwas chaotisch an. Mehrere Nähmaschinen wurden gespendet, unter anderem von Andrea Loos aus Wunstorf. Kleider-, Stoff- und Fadenspenden füllen einen Schrank. Katharina Haaß brachte Ordnung in die vielen Nadeln. Sie kann’s, war erst Näherin, denn als Pfarrersfrau in Glauchau (DDR) Religionslehrerin, die weiter für den Eigenbedarf nähte. „Ich weiß, wie es als Flüchtling ist, wenn sich niemand um einen kümmert“, erinnert sie sich an ihre ersten Jahre nach der Flucht aus Ungarn. „Deshalb wollte ich hier meine Kraft und Erfahrung einbringen.“

 Mittwochs ist Haaß ab 15 Uhr zwei Stunden im Nähzimmer im Keller der ehemaligen Pestalozzischule. „Drei Frauen zeigen ernsthaft Interesse, eine kann sogar richtig gut nähen. Ein Mann aus dem Libanon hat uns gezeigt, was er als gelernter Schneider kann. Aber manche kamen auch nur, um uns Sachen zum Reparieren oder Verändern zu bringen. Wir sind aber kein Dienstleister“, weist Haaß solche Formen von Bequemlichkeit zurück.

 Damit die Kinder der Frauen nicht beim Nähen stören, springen die ehrenamtlichen Helferinnen Astrid Jost und Heike Berry ein. Sie gehen mit ihnen zum Spielplatz der nahen Grundschule Nord, bieten den Kindern Ausflüge mit ihren eigenen Autos an. „Wir waren sogar schon zum Osterfeuer in Exten mit Stockbrotbacken“, erzählen die beiden Frauen. Sie helfen seit einem Monat, zählen zu den inzwischen rund 18 Helfern, die sich einmal im Monat auch zum Erfahrungsaustausch mit Sozialarbeiterin Matamu treffen, die betont: „Und die Kinder dürfen nur mit mir bekannten Helfern mitgehen. Mal eben mit einer Einladung zum Eisessen vorbeikommen, das geht nicht.“ Dafür sorgen auch die etwas misstrauischen Blicke mancher Eltern am Fenster. Helfer können sich bei ihr melden unter Telefon (05751) 8908870.

 „Die Bewohner haben jetzt auch das Grundstück aufgeräumt, sie wollen es schön haben“, lobt Matamu. Über die Unterkunft beklage sich niemand, mit den gebrauchten Kleiderspenden waren aber manche nicht zufrieden. Alles neu in Deutschland, so eine Erwartung wird nicht erfüllt.

 Kleiderspenden werden erst mal nicht mehr benötigt, ein anderer Schrank quillt über von Spielzeugspenden. „Gebraucht werden aber Fahrräder für Kinder und Erwachsene sowie Fernsehgeräte und Receiver dazu, denn wir haben eine zentrale Satellitenanlage“, sagt die Sozialarbeiterin. Und eben freiwillige Helfer unter anderem auch für Arztbesuche.

 Das Haus ist mit 48 Personen voll belegt. Vier Helfer kümmern sich um Deutschkurse, zwei bieten Stricken und Häkeln an. In Vorbereitung sind Angebote wie Backen, Kochen und Gartenpflege.

 Haaß ruft derweil in die Runde: „Ich muss heute früher weg, und nächste Woche kann ich auch nicht.“ Die umtriebige 83-Jährige will noch zu einem Vortrag über Demenz: „Noch habe ich es nicht, aber in meinem Alter ist man dagegen nicht gefeit. Deshalb müssen hier Jüngere ran.“ Die Frauen verstehen sie nicht.  dil

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