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Gedemütigt, verschleppt und ermordet

Rinteln Gedemütigt, verschleppt und ermordet

Der 9. November ist ein Schicksalstag der Deutschen. Während 1989 die Berliner Mauer fiel und ein Ende des Schreckens von Unfreiheit und Diktatur einläutete, begannen 1938 mit der Pogromnacht erst die offenen Gewalttaten gegen jüdische Mitbürger – auch in Rinteln.

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Präses Heiko Buitkamp (von links) und Uwe-Kurt Stade erinnern auf dem jüdischen Friedhof an Schicksale der Juden nach der Pogromnacht. 

Quelle: dil

Rinteln. Etwa 100 wurden von Nazis gedemütigt, beraubt, verschleppt und schließlich zumeist ermordet. Erschossen auf der Flucht, umgekommen im Warschauer Getto, ermordet in Konzentrationslagern wie Auschwitz, Buchenwald, Sobibor und Theresienstadt. Daran wurde gestern bei einer kleinen Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in der Osterstorstraße erinnert.

 Zwei Schülerinnen der Kreisjugendmusikschule Schaumburg und ihre Lehrerin Karin Dennhardt stimmten die rund 30 Besucher mit Flöten- und Gitarrenklängen ein. Uwe-Kurt Stade, der die Feier vorbereitet hatte, sagte, warum man nach so vielen Jahren „die alten Geschichten“ weiter jungen Menschen erzählen müsse: „Wir wollen keine Schuldgefühle wecken, sondern das Vergessen verhindern.“

 Stade erinnerte daran, dass Rintelns damaliger Bürgermeister Wachsmuth die Polizei sogar angewiesen habe, jüdisches Eigentum nicht zu schützen. In der Pogromnacht wurde das Rintelner Gebetshaus neben der Kirche St. Nikolai zerstört.

 Präses Heiko Buitkamp von der ev.-ref. Kirchengemeinde Rinteln zog Parallelen zum Mauerfall 1989: „1938 sind die Mauern des Anstands gefallen, die Schutzmauern um einzelne Bürger. Davon ist der Mauerfall 1989 nicht zu trennen. Freudige Ereignisse sind in der Menschheitsgeschichte wohl immer auch mit schrecklichen verbunden. Es wurde 1938 in der Stadt eine Wunde gerissen, nämlich dadurch, dass einige Menschen auf einmal nicht mehr da waren. Es ist wichtig, sich zu erinnern, denn nur dann werden wir daraus lernen.“ Buitkamp und Stade verlasen die Namen und Schicksale von 25 der etwa 100 durch die Nazis drangsalierten Juden Rintelns. Im Anschluss konnten sich die Besucher Kieselsteine aus Kistchen am Eingang nehmen. Nach jüdischem Brauch durften sie diese auf Grabsteine legen, die ihnen sehr gefielen, um an die dort Beerdigten zu erinnern.

 Stade würdigte Kurt Klaus, Dagmar Giesecke und Thomas Weißbarth mit seiner Geschichts-AG am Gymnasium Ernestinum, die sich im Rahmen der Stolpersteinaktion 2013 (wir berichteten) in beispielhafter Form um die Aufarbeitung der Geschehnisse von 1938 und danach verdient gemacht hätten: „Ihre Publikationen sind lesenswert und weiterzuempfehlen.“

Von Dietrich Lange

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