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Gefühlte und echte Respektlosigkeit

Angefeindet, beleidigt, bedroht Gefühlte und echte Respektlosigkeit

Anfeindungen und Respektlosigkeit – dem will wohl niemand ausgesetzt sein. Doch laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt es Berufstätige, die zunehmend angefeindet und respektlos behandelt werden.

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Die Schutzweste, die Polizeioberkommissar Böhne hier zeigt, gehört für jeden Polizisten im Streifendienst dazu.

Quelle: tol

Rinteln. Die Rede ist von Polizisten, Beamten und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst. Um diese besser zu schützen, steht eine erneute Erhöhung über das geltende Strafmaß für Angriffe auf Vollstreckungsbeamte zur Diskussion. Unsere Zeitung hat erfragt, ob Beamte und Dienstleister auch in Rinteln verstärkt angefeindet, beleidigt oder bedroht werden.

„Widerstände“, sagt Jörg Stuchlik, Kripo-Chef der Polizei Rinteln, hat es schon immer gegeben.“ Mit Widerständen meint Stuchlik, dass Bürger polizeiliche Anweisungen ignorieren oder sich polizeilichen Maßnahmen widersetzen. Meist sei in diesen Fällen Alkohol im Spiel. Dann müsse die Polizei auch mal „körperliche Maßnahmen“ ergreifen.

Die Kollegen seien jedoch dazu angehalten, „respektvoll mit den Bürgern umzugehen“. „Umgekehrt erwarten wir das vom Bürger natürlich auch“, sagt Stuchlik. „Aber das ist nicht immer so.“ Deshalb seien die Beamten im Streifendienst immer mit einer Schutzweste ausgestattet. In Rinteln könne Stuchlik „keine große Respektlosigkeit“ der Polizei gegenüber ausmachen. Dennoch: „Vom Gefühl ist der Umgang mit den Jahren etwas respektloser geworden“, räumt Stuchlik ein.

Hausverbot und Anzeige

„Das Jobcenter ist nun mal eine Behörde, von der man nicht nur gute Nachrichten erhält“, sagt Leiter Bernd Dittmer, „deshalb kommt es schon mal zu verbalen Auseinandersetzungen mit Entgleisungen.“ Es sei aber nicht so, dass es „permanent Beleidigungen und Beschimpfungen“ hagele. Meistens vergriffen sich Kunden im Ton, wenn sie mit gewissen Entscheidungen nicht einverstanden sind. Bei Beleidigungen oder Bedrohungen werde aber auch schon mal ein Hausverbot erteilt und Anzeige erstattet, schon deshalb, „um unsere Mitarbeiter zu schützen“, sagt Dittmer. „Aber dazu kommt es in Rinteln vielleicht zweimal im Jahr.“

Außerdem seien die Mitarbeiter in Deeskalationsverhalten geschult. Nicht ohne Grund. „Die verbalen Attacken haben in den letzten Jahren zugenommen“, befindet Dittmer. „Das Jobcenter gibt es jetzt seit 2009, und gefühlt sind die Anfeindungen mehr geworden.“ Nichtsdestotrotz seien die Mitarbeiter dazu angehalten, auch in schwierigen Situationen einen vernünftigen Ton zu pflegen. „Schließlich geht es uns ja darum, die Kunden zu unterstützen“, so Dittmer.

Thorsten Garbe, Sprecher des Amtsgerichts Rinteln, kann nicht bestätigen, dass die Respektlosigkeit gegenüber den Mitarbeitern des Gerichts zugenommen habe. Was nicht heißt, dass sie nicht vorkommt. „Grundsätzlich haben wir in der Justiz mit Leuten zu tun, die emotional sehr betroffen sind, sei es als Opfer oder als Täter“, sagt Garbe. „Dass bei Verhandlungen die Emotionen hochkochen, daran sind wir gewöhnt.“ Dann fielen schon mal Worte, die im normalen Umgang miteinander nicht gewechselt werden. Auch in Richtung der Richter und anderen Mitarbeitern. „Jeder von uns ist schon mal beleidigt worden“, sagt Garbe. „Das nehmen wir hin, lassen wir an uns abprallen.“ Gleichwohl werde ab einer gewissen Grenzüberschreitung auch die Dienststelle eingeschaltet, die dann Anzeige erstattet, etwa wegen Beleidigung. Aber dazu komme es nur „sehr selten“.

Deeskalationstraining

Vorbereitet ist man trotzdem. Es gibt die Wachtmeister, die wie die übrigen Mitarbeiter Deeskalationstrainings absolviert hätten. Und im Zuge eines Maßnahmenkatalogs des Bundesjustizministeriums für mehr Sicherheit in den Gerichten hat das Amtsgericht Rinteln auch eine Sicherheitsschleuse für den Eingangsbereich bekommen. Im Landgericht Bückeburg gebe es seit Kurzem einen Gepäckscanner, um zu verhindern, dass Waffen den Weg in den Gerichtssaal finden. Darüber hinaus gibt es Einlasskontrollen, „anlassunabhängig oder auf Anordnung eines Richters“. „Das sind Maßnahmen, die nicht nur dem Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter, sondern auch dem der Besucher dienen sollen“, führt Garbe aus. Konkrete Bedrohungen habe es in Rinteln aber „eher nicht“ gegeben.

Auch die Bilanz von Thomas Priemer, der vor seiner Zeit als Rintelner Bürgermeister unter anderem zwei Jahre lang Leiter eines Sozialamts war, fällt überwiegend positiv aus. Sowohl im Sozialamt als auch bei der Stadt Rinteln habe er es mit „durchweg höflichen Menschen“ zu tun gehabt. Allein über die sozialen Netzwerke wie Facebook erreichten ihn auch mal ein paar „derbere Sprüche“. Trotzdem gibt es auch im Rathaus Sicherheitsvorkehrungen, speziell in den Abteilungen, in denen auch mit Bargeld gearbeitet werde. Dort gebe es elektronische Sicherheitssysteme, die per Knopfdruck am Arbeitsplatz Alarm schlagen können, und Zwischentüren, über die im Notfall die Flucht ergriffen werden könne. Priemer denkt dabei auch an Landrat Rüdiger Butte, den er persönlich kannte und der vor drei Jahren im Kreishaus in Hameln von einem geistig verwirrten Bürger erschossen worden war. „Unsere Leute treten füreinander ein und achten auch darauf, was im Büro nebenan los ist, wenn es mal lauter wird“, so Priemer. pk

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