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Gejagte Jäger

Umweltkriminalität Gejagte Jäger

Das Problem, erläuterte Ulrich Thüre, das sind die Zahlen. Genauer gesagt: die fehlenden Zahlen. Denn bei der Frage, wie viele Greifvögel im Jahr Opfer durch die sogenannten Habichtfallen werden, muss er passen: Die Daten werden nicht erhoben.

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 Die Jagd auf Habichte ist verboten.

Quelle: pr

Rinteln. Da sei Nordrhein-Westfalen weiter, sagt der Pressesprecher des Nabu Niedersachsen: „Und zwar schon drei Schritte.“ Für den Nabu Niedersachsen ist der  Fund der Habichtfalle im Deckberger Bereich „hochspannend“, sagt Thüre, und nein, die Jägerschaft will der Nabu nicht generell unter Tatverdacht stellen, „da wollen wir fair bleiben". Aber wenn sich herausstellen sollte, dass wirklich ein Waidmann die Habichtfalle gebaut hat, „dann wird es ganz lustig.“

Denn für den Nabu Niedersachsen greift nach wie vor eine gemeinsam mit der Jägerschaft unterzeichnete „Hannoversche Erklärung gegen die illegale Greifvogelverfolgung“ vom 27. März 2007: Sie stelle eine klare Grundlage dar. Denn es gebe immer noch einzelne Jäger, die den Habicht als Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen und Fasane sehen, erklärt der Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz.

Und ergänzt: „Auch bei Geflügel- und Taubenzüchtern ist der Habicht besonders unbeliebt.“ Viele Habichtfangkörbe würden in der Nähe von Taubenhaltungen sichergestellt. Mit lebenden Lockvögeln oder Fleischködern werden die Greifer in die Falle gelockt und meistens erschlagen. Die Gegenrechnung des Nabu liest sich so: „Dabei wiegen die Verluste durch verirrte oder erschöpfte Tiere bei Brieftaubenrennen ungleich schwerer als die durch den Habicht verursachten“, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Nabu-Mitgliederzeitschrift „Naturschutz heute“.

In Nordrhein-Westfalen ziehen seit 2004 Umweltschützer, Staatsanwaltschaft und Polizei an einem Strang: Vor elf Jahren wurde im Umweltministerium die „Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität“ eingerichtet, zu den Aufgaben gehört auch die Eindämmung illegaler Greifvogelverfolgung. Besetzt ist die Stabsstelle mit einem ehemaligen Staatsanwalt, der genau weiß, wie er mit Ex-Kollegen und der Polizei umzugehen hat.

Weil illegale Greifvogelverfolgung kein Kavaliersdelikt ist, fordern Nabu und der Landesverband für Vogelschutz in Bayern, dass entsprechende Straftaten systematisch erfasst, aufgeklärt und angemessen geahndet werden. Dafür müssten speziell geschulte Einheiten und Koordinationsstellen bei der Polizei und den Naturschutzbehörden der Länder in allen Bundesländern eingerichtet werden. Ein Vorbild kennen und nennen die beiden Verbände auch: die „Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität“.

Auch bei der Polizei und in den Staatsanwaltschaften führt das Thema Umweltkriminalität häufig ein gewisses Rand-Dasein. Es läuft in der Regel in einem der Hauptdezernate parallel mit, das heißt, die Kommissariate sind mit ihrer eigentlichen Arbeit mehr als ausgelastet, erklärt Jürgen Hintzmann, der in der NRW-Stabsstelle für die Koordination von Informationen zwischen den Umweltverwaltungs- und den Strafverfolgungsbehörden zuständig ist.

Anderes hat eben Priorität, sagt Hintzmann mit durchaus verständnisvollen Blick auf die Polizei: „Solange es noch einen Mord- oder Brandfall aufzuklären gibt, werden die Umweltdelikte eher vernachlässigt.“ Was nicht bedeuten soll, erklärt ein Sprecher der Polizei Rinteln, dass man derartige Fälle nicht ernst nehme, aber Habichtfallen, die kämen in der täglichen Praxis „sehr, sehr selten“ vor. Auch Gabriele Mielke, Pressesprecherin der Polizeidirektion Nienburg/Schaumburg, weiß von keinen weiteren Fällen. Es gibt nur einen Fall – und das ist der in der Deckberger Feldmark.

Kreisjägermeister Reinhard Siegmann lässt das Thema alles andere als kalt, weil es die Jägerschaft mal wieder unter Generalverdacht stellt: Der Jäger sei schuld, wenn im norddeutschen Flachland in manchen Regionen die Bestände zusammenbrechen. Natürlich spreche man in der Kreisjägerschaft über Greifvögel, das Jagdgesetz habe ja unmissverständlich festgelegt, dass es für den Habicht keine Schusszeit gibt, betont Siegmann. Und wer den Greifvogel dennoch bejagt, dem drohen zwar abschreckende Strafen, doch diese Strafen sind rein theoretischer Natur und Haftstrafen gibt es in der Realität kaum.

Das sieht auch Siegmann so, abschreckend sind die Strafen nur auf dem Papier, aber dennoch verfügt man über ein scharfes Schwert: „Hat diese Falle ein Jäger aufgestellt“, sagt Siegmann, „dann ist der Jagdschein weg.“ Denn eine Habichtfalle aufzustellen, das sei eine Sache, die nicht passieren darf. Wenig überraschend weist Siegmann den Generalverdacht von sich und schiebt noch zwei kurze Sätze nach: „Der Habicht ist mein spezieller Freund.“ Das sei ein richtiger Jäger, ebenso wie der Sperber, ein schlauer Fuchs der Lüfte. Und: „Zu viele Habichte gibt es nicht.“

Siegmann selbst hat einen anderen Verdacht, möchte ihn aber nicht klar äußern, nur so viel sagt er: In vielen Orten finde man spezielle Fangkäfige für Greifer. Siegmann muss es nicht aussprechen, es ist klar, welche Orte er meint: Orte, in denen Taubenzüchter leben.

„Das wird uns noch beschäftigen“, sagt Nabu-Sprecher Thüre, man werde abwarten, ob der Zeugenaufruf Erfolg habe, ob jemand Autos oder Personen in dem fraglichen Bereich gesehen habe.

Natürlich hätte unsere Redaktion gern die Politik gefragt. Nachgefragt, warum der Verkauf von Habichtfallen, die in Deutschland massenhaft über den Verkaufstresen gehen, nicht verboten wird. Doch unsere am Mittwoch versandte schriftliche Anfrage beim Bundesumweltministerium wurde bis zum gestrigen Redaktionsschluss weder von Michael Schroeren als Sprecher der Ministerin noch von seinen drei Stellvertretern beantwortet. fw

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