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Geld kam schon in Munitionskisten und Schubkarren

Rinteln Geld kam schon in Munitionskisten und Schubkarren

Als Volker Hoffmann vor 41 Jahren seinen ersten Weltspartag erlebte, war einiges anders als heute. „Da gab es noch keine Hilfsmittel zum Zählen“, erinnert sich der Kassierer der Sparkassenfiliale in der Klosterstraße.

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Kassierer Volker Hoffmann nimmt das gesparte Geld von Dzemal (11) und Senad (8) Alic entgegen. Die beiden waren mit ihren Großeltern zum Weltspartag gekommen.

Quelle: jaj

Rinteln. Jede einzelne Mark wurde damals mit der Hand gezählt – und anschließend fein säuberlich gerollt. „Da musste man sich mindestens einmal in der Stunde die Hände waschen“, erzählt er. „Sonst hätte man das abends gar nicht mehr abbekommen.“

 Die Weltspartage seien in seinen ersten Berufsjahren fast schon so etwas wie Feiertage gewesen. Da wurde der beste schwarze Anzug aus dem Schrank geholt, und natürlich auch ein weißes Hemd. Und dann kam der Ansturm. „Früher sparten die Kinder ja wirklich noch auf den Weltspartag hin“, erzählt Hoffmann. Oft hätten sie das Ersparte nur an diesem einen Tag im Jahr zur Bank gebracht und dann mit großen Augen verfolgt, wie die Stapel, die der Bankmitarbeiter zum Zählen des Geldes errichtete, immer größer wurden.

 „Am Weltspartag freinehmen, das hätten wir uns damals gar nicht getraut zu fragen“, sagt Hoffmann und lacht. Heute ist das anders, da gibt Marktbereichsleiter Dirk Ackmann schon einmal dem einen oder anderen Mitarbeiter frei. Die Zeiten haben sich halt geändert, aber auch Ackmann kann sich noch gut daran erinnern, dass die Weltspartage immer etwas Besonderes waren. Besonders, aber auch anstrengend, denn wo Menschen arbeiten, passieren natürlich auch Fehler. Manchmal sei der letzte Kunde schon lange wieder zu hause gewesen, bevor die Differenz in der Kasse endlich geklärt, der Fehler gefunden war. „Am Weltspartag kamen wir selten vor 20 Uhr raus“, sagt er. Das habe auch die Geschäftsführung gewusst, die an diesem Tag jedem Mitarbeiter ein Essensgeld ausgezahlt habe. In der Mittagspause sei dann für alle etwas Leckeres geholt worden. Als Nervennahrung sozusagen.

 Heute hat die Technik viele der damaligen Fehlerquellen beseitigt. Die genaue Summe aus der Spardose wird von einer Zählmaschine ermittelt, das Errechnen des neuen Kontostands übernimmt ein Computer. „Heute sind wir meistens eine halbe Stunde nach Geschäftsschluss mit allem fertig“, erzählt Ackmann.

 Eine Sache ist aber geblieben: die strahlenden Kinderaugen. Noch immer beobachten die jungen Kunden genau, wie der Mitarbeiter die Spardose öffnet und den Inhalt in die Zählmaschine leert. Mit einem lauten Rattern ermittelt sie dann unter den strengen Augen der Kinder, wie viel Geld zusammengekommen ist. Und dann gibt es das lang ersehnte Geschenk.

 Auch wenn die Sparkasse die Kinder an jedem Tag des Jahres mit einer kleinen Aufmerksamkeit in Form einer Rubbelkarte für das Sparen belohnt, liegt Marktbereichsleiter Dirk Ackmann der Weltspartag besonders am Herzen. „Frei nach dem Motto ,Spare in der Zeit, dann hast du in der Not‘ ist es uns wichtig, dass der Spargedanke erhalten bleibt“, sagt er.

 Der schlimmste Weltspartag, an den sich der Marktbereichsleiter erinnern kann, war 2001, das letzte Jahr, in dem es die D-Mark gab. „Da haben wir das Geld kistenweise bekommen“, erzählt er. In Schuhkartons und sogar Munitionskisten seien die D-Mark-Reste zum Weltspartag gebracht worden. Seit es den Euro gibt, sei es aber erheblich ruhiger geworden. „Wir haben den Eindruck, dass nicht mehr so viel Kleingeld im Umlauf ist“, vermutet er.

 Viel Kleingeld hatte aber eine Kundin, an die sich Ackmann bis heute erinnert. Sie kam gleich mit einer ganzen Schubkarre, die mit Ein- und Zwei-Pfennig-Stücken gefüllt war. „Die hatte sie für ihre Brautschuhe gespart.“

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