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Gericht hält Glauben für unglaubwürdig

Rinteln / Prozess Gericht hält Glauben für unglaubwürdig

Hosein „Mani“ Samawii hat ein Problem. Das Verwaltungsgericht in Braunschweig glaubt ihm nicht, dass er zum christlichen Glauben übergetreten ist.

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Hosein Samawii (Zweiter von links) hat in Deutschland Asyl beantragt, weil er in seinem Heimatland, dem Iran, wegen seiner Konversion zum Christentum mit Repressalien rechnet. Jetzt soll er abgeschoben werden. Die Mitglieder der Stadtmissionsgemeinde Joachim Rebuschat (von rechts), Ebi Tabaee und Heiner Burgbacher bangen mit ihm.

Quelle: pk

Von Philipp Killmann. Deshalb soll der 31-Jährige jetzt abgeschoben werden. Aber in seinem Heimatland, dem Iran, fürchtet er aufgrund seiner Konversion Repressalien. Die Rintelner Stadtmissionsgemeinde, zu der er sich seit rund einem Jahr zugehörig fühlt, bangt mit ihm.

 Im Sommer 2012 war Samawii, übersetzt Gemeindemitglied Ebi Tabaee, gerade in Thailand, wo er als Textilienhändler öfter beruflich zu tun hat, als ihn ein Freund aus dem Iran anrief: „Mein Bruder und sein Freund sind verhaftet worden.“ Wegen ihres Übertritts zum christlichen Glauben, auf den im Iran die Todesstrafe stehe. Um einer möglichen Verhaftung zu entgehen, beschloss Samawii, nicht in den Iran zurückzukehren und stattdessen in Deutschland Zuflucht zu suchen.

 In Hamburg meldete er sich unmittelbar nach seiner Ankunft bei der Polizei, um Asyl zu beantragen. Er hatte lange nicht geschlafen, wollte nur noch ausruhen und lehnte deshalb das Essen ab, das man ihm anbot. Eine verhängnisvolle Entscheidung. Es war islamische Fastenzeit. Der zuständige Polizist habe aus Samawiis Ablehnung geschlossen, dass er Moslem sei. Was später vor Gericht – nebst Gutachten von Theologen, die Samawiis Glaubensbekenntnis in Frage stellten – die Zweifel an Samawiis Konversion bestärkt habe. Genauso wie der Umstand, dass er nicht in Thailand Asyl beantragte. Dabei sei es dort ungleich schwieriger, Asyl zu beantragen, als in Deutschland, gibt Samawiis Rechtsanwalt Heinrich Freckmann aus Hannover zu bedenken.

 Infolgedessen wurde Samawiis Asylantrag bereits im August 2012 abgelehnt. Daraufhin reichte Freckmann aus Hannover beim Verwaltungsgericht Braunschweig (dort befindet sich die zentrale Aufnahme- und Ausländerbehörde) Klage ein – die jedoch im April abgewiesen wurde, wie Freckmann auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. „Das ist schon ein bisschen frappierend“, befindet er. Andererseits sei es für den zuständigen Richter auch eine schwierige Entscheidung, ob ihm ein „Spielchen vorgemacht“ werde oder nicht. Aber bei einem anderen Richter hätte das Urteil auch ganz anders ausfallen können, meint Freckmann.

 Samawii ist verzweifelt. Er kann nicht verstehen, wieso man ihm nicht glaubt, und erzählt seine Geschichte. Vor zwei Jahren sei er in Teheran, Irans Hauptstadt, zum Christentum konvertiert. Ein paar befreunde Christen hätten ihm mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht, schenkten ihm eine Bibel und luden ihn zu Gottesdiensten ein, die im Verborgenen in den Wohnungen anderer Christen stattfinden. Überzeugt habe ihn der Umgang untereinander innerhalb der inoffiziellen Gemeinde, die Liebe der Freunde, das Lesen der Bibel und vor allem die Worte Jesu: „Jesus ist das Leben, das Licht und die Wahrheit“, sagt Samawii, den in der Gemeinde alle nur „Mani“ nennen, mit Nachdruck.

 Praktizierender Moslem ist er nie gewesen, erzählt er weiter. „Für mich ist das Christentum keine Religion, sondern das Leben. Sie ist gewaltfrei, niemand wird beleidigt, und Jesus ist frei von Sünde.“ Davon abgesehen seien auch die biblischen Heiligen Drei Könige aus dem Parthischen Reich gekommen: dem heutigen Iran.

 Als ihm in Rinteln eine Asylwohnung zugewiesen wurde, fand er in der evangelischen Stadtmissionsgemeinde schnell Anschluss, zumal dort auch persische Gottesdienste gehalten werden, sagt Gemeindemitglied Joachim Rebuschat. Auch an einem deutschen Sprachkurs nehme Samawii teil.

 Er vermisst seine Familie und wünscht sich, dass sie eines Tages auch nach Deutschland kommt. An dieser Hoffnung hält er fest, obwohl sein eigener Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge längst abgelehnt wurde. Allein ein sogenannter Folgeantrag könne jetzt noch die Abschiebung Samawiis verhindern, sagt Anwalt Freckmann. Dazu müsse sein Mandant allerdings mit neuen Details aufwarten, die über das Beten in der Stadtmissionsgemeinde hinausgehen und seinen Glauben überzeugend belegen.

 Am morgigen Freitag muss sich Samawii bei der Ausländerbehörde in Stadthagen melden, um die für die Ausreise nötige „Grenzübertrittsbescheinigung“ abzuholen.

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