Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
„Germanitien“ ist jetzt ein Königreich

König gekrönt „Germanitien“ ist jetzt ein Königreich

König ohne Krone, ohne Ländereien, ohne Anerkennung: Stefan R. hat es bei seiner Krönung vor dem Hermannsdenkmal nicht einfach. Der Hofstaat besteht nur aus einem kleinen Häuflein Getreuen, um sie herum genießen Touristen und Wanderer lieber das gute Wetter.

Voriger Artikel
Damit man ruhig weiterschlafen kann
Nächster Artikel
„Pflastert nicht unsere Stadt zu“

„Stefan I.“ (Mitte) ist jetzt König des Scheinstaates Germanitien.

Quelle: Screenshot: youtube

Rinteln/Detmold. Keiner von ihnen jubelt dem frischgebackenen Monarchen zu – und dann versagt im entscheidenden Moment auch noch der Stempel. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz: Der Scheinstaat Germanitien ist nun offenbar eine Monarchie. Und Stefan I. sieht sich als ihr Monarch. Das Amateur-Video von dem bizarren Auftritt dümpelt seit einem Monat durch die sozialen Netzwerke. Was für die meisten Menschen wie eine Schmierenkomödie wirkt, ist den Reichsbürgern des Scheinstaates, der seit einem Jahr eine „Botschaft“ in Goldbeck unterhält, bitterer ernst.

Nicht alle Reichsbürger sind rechtsradikal

Die Germaniten erkennen Behörden und Polizei nicht an, zahlen keine Steuern, weigern sich, ihre Schulden zurückzuzahlen. Im Einzelfall stehen oft persönliche Schicksale hinter dem kruden Weltbild. Nicht alle Reichsbürger sind rechtsradikal. Doch sie alle eint, dass sie die Bundesrepublik nicht anerkennen. Teilweise wird die Szene vom Verfassungsschutz beobachtet. Insbesondere die heimischen Germaniten mit Anschrift in Goldbeck haben personelle Überschneidungen mit der rechten Szene und veröffentlichen auf ihrer Homepage Videos von Holocaustleugnern.

Der Germaniten-König ist nicht das erste Oberhaupt eines Phantasiestaates. Beobachter haben deutschlandweit mehr als 30 selbst ernannte Reichsregierungen dokumentiert.Ob das Reich von „König“ Stefan weit über die Grenzen der Botschaft in Goldbeck hinaus reicht, ist unklar. Er hat noch einige Anhänger in Ostwestfalen, die rechtsradikale „Justizopferhilfe“, mit der es starke Überschneidungen gibt, besitzt ein Büro in Löhne.

Der König plaudere normalerweise nicht mit der Presse

Am Telefon ist „König“ Stefan zunächst gesprächig. Das Hermannsdenkmal habe er ausgewählt, weil „der Armine dort die Stämme zusammengeführt“ habe. Das sei „als Antenne“ benutzt worden. Irgendwann werden ihm die Fragen zu viel, seine „Privatsekretärin“ verweist den Anrufer an die „Pressestelle in Löhne“. Der König plaudere normalerweise nicht mit der Presse, sagt sie: „Die Queen spricht ja auch nicht mit jedem.“

Diese „Pressestelle“ ist die Justizopferhilfe in Löhne. Fachleute der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold stufen sie als rechtsextrem ein, erklärt Frederic Clasmeier. Auch der Staatsschutz behält die Gruppe im Auge.

In dem Video zu sehen ist nicht nur der „Botschafter“ Jörg P. aus Goldbeck, sondern auch Jürgen N. und Axel T. aus Löhne. Die beiden gehörten zum Umfeld des verbotenen rechtsextremen Schulungszentrums Collegium Humanum in Vlotho.

Stetes Ärgernis für die Verwaltung

Die Reichsbürgerbewegung, die laut Innenministerium hunderte Mitglieder hat, wird in der Öffentlichkeit überwiegend belächelt. Für die Verwaltung in Rinteln bedeuten sie aber ein stetes Ärgernis. Mit langwierigen Argumentationen wollen sie Beamte überrumpeln, schreiben hundertseitige Faxe und behindern die Arbeit von Gerichten und Verwaltung.

Ihre gewaltbereite Seite hat die Szene zuletzt bei einer Zwangsräumung in Sachsen-Anhalt bewiesen. Bei einer Schießerei mit einer Hundertschaft Polizisten soll der 41-jährige Adrian Ursache, der ebenfalls seinen eigenen Staat „Ur“ gegründet hatte, zwei Polizisten leicht verletzt haben und wurde selbst schwer verletzt.

Um seine selbst ernannten „Amtspersonen“ zu beschützen, kündigt Stefan I. die Gründung einer Bürgerwehr an.  jak, r

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg