Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Gesamtplanung statt „punktueller Reaktion“

Rinteln / Sozialausschuss Gesamtplanung statt „punktueller Reaktion“

„Sie müssen sich entscheiden: Wollen Sie viel Papier oder Krippenplätze?“ Erster Stadtrat Jörg Schröder reagierte sichtlich genervt auf die Forderungen der WGS-Abgeordneten Antje Rinne im Sozialausschuss.

Rinteln (dil). So genervt, das Thorsten Frühmark (CDU) Schröder hart empört zurechtwies: Die Ausschussmitglieder engagierten sich ehrenamtlich, Schröders Bemerkungen seien nicht gerade motivierend. Und Rinne ergänze, sie empfinde das genau so. Fortan mäßigte sich Schröder. Worum ging es? Um den richtigen Weg zur Schaffung von ausreichend Krippenplätzen in der Stadt.

Ein schier endloser Streit über frühzeitige Planung auf statistischer Basis und gesamtstädtischer Elternbefragung (CDU, FDP, SPD und WGS) oder flexibler Anpassung der Kapazitäten an den durch Anmeldungen der Eltern bestätigten Bedarf (Verwaltung, Grüne) hat sich im Sozialausschuss entsponnen. Es ging um den Antrag der CDU/FDP auf Erstellung eines Gesamtplans für die Einrichtung von Krippenplätzen in der Stadt. Mit 7:1 Stimmen setzten CDU, FDP, WGS und SPD die Forderung durch. Das bedeutet zusätzliche Hausaufgaben und Richtungswechsel für die Verwaltung.

Dagmar König (CDU) forderte, die Elternbefragung von 2005 nicht mehr zu verwenden. Außerdem gebe es bisher nur 25 Prozent Krippenplätze, laut Gesetz müssten aber ab 2013 35 Prozent der unter drei Jahre alten Kinder vorgehalten werden. König sah Handlungsbedarf. Die Verwaltung fühlte sich dagegen bereits gut gerüstet, denn mit den vorhandenen Plätzen (auch die in altersgemischten Gruppen), schon geplanten und denen bei Tagesmüttern könne das Ziel bis 2013 problemlos erreicht werden.

Ursula Helmhold (Grüne) empfahl eine neue Elternbefragung, am besten per Internet, und erklärte flexibles Handeln ganz eng am echten Bedarf – wie bisher praktiziert – für besser. Schröder hielt nichts von unverbindlichen stadtweiten Befragungen, das werde weder den Elternwünschen noch den jeweiligen Einrichtungen gerecht.

Konkrete Elternbefragung durch die Einrichtungen bis zur konkreten Anmeldung und nicht stadtübergreifend, das habe sich bewährt. In der Stadt Rinteln stünden derzeit 96 Plätze in reinen Krippengruppen zur Verfügung. Das sind 14 in der Kita Steinbergen, 22 in der Kita am Krankenhaus und 60 in der städtischen Krippe „Wichtelburg“ . Es gebe etwa 400 Kinder unter drei Jahren.

Rinne und König sahen die Krippenplätze außerdem ungerecht im Stadtgebiet verteilt. Zu viel südlich der Weser, meinte König, zu viel im Westen statt im Osten, ergänzte Rinne. Letztere vermisste konkrete Angebots- und Bedarfszahlen, König hätte gern mehr Zahlenmaterial im Frühjahr statt im Herbst, damit man noch für den neuen Haushalt Beschlüsse fassen könne.

Letztlich hielt Rinne das Vorgehen der Stadt für eine „punktuelle Reaktion auf Elternwünsche“ oder „planlose Unverbindlichkeiten“. In den Augen Schröders ist es umgekehrt: Eltern folgen nicht der Statistik, sondern individuellen Wünschen. Deshalb wolle die Stadt erst nach konkreten Anmeldungen neue Angebote schaffen. Doch nun muss sie den Gesamtplan erstellen, wenn nicht Verwaltungsausschuss oder Rat noch etwas anderes beschließen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr