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Gleise sind frei – doch sie bleiben es nicht

Rinteln / Ärgerlich Gleise sind frei – doch sie bleiben es nicht

Seit dem Frühjahr musste Klaus Büscher damit leben, dass auf den Gleisen direkt hinter seinem Grundstück am Ostpreußenweg einige fünf Meter hohe Kesselwagen geparkt werden.

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 Diesen Blick würde sich Klaus Büscher immer wünschen: Leere Gleise hinter seinem Grundstück. Schon im Dezember sollen dort aber wieder Kesselwagen abgestellt werden.

Quelle: pr.

Von Jessica Rodenbeck. Vergangene Woche wurden die Wagen nun entfernt – allerdings nur vorübergehend. „Wahrscheinlich werden wir sie im Dezember wieder auf den Gleisen abstellen“, sagt Thomas Stübke, Geschäftsführer der Bückebergbahn, die die Gleise gepachtet hat.

 Die Hoffnung Büschers, dass die Kesselwagen ein für alle Mal verschwunden sind, hat sich damit nicht erfüllt. „Wir haben hier nicht vor Jahren ein Haus gekauft, um auf einem Eisenbahn-Schrottplatz zu wohnen“, schreibt er in einem Brief, der an unsere Redaktion, die Stadt, den Landkreis und die Rinteln-Stadthagener Verkehrs GmbH (RStV) als Eigentümerin der Strecke gegangen ist. Die Gärten würden durch die Kesselwagen zu einem Schandfleck verkommen, führt Büscher weiter aus. Er hätte sogar schon Schäden an seinen Lebensbäumen bemerkt, weil diese durch die Kesselwagen kaum Sonne bekämen.

 Büscher und Roswitha Möller, Eigentümerin eines weiteren Grundstücks am Ostpreußenweg, verlangen daher, dass die Kesselwagen entfernt werden und dass der Pachtvertrag der Bückebergbahn in so weit geändert wird, dass die Strecke vom Bahnhof zum Hafen – und damit auch der Abschnitt am Ostpreußenweg – ausgeschlossen wird. „Die Stadt Rinteln und der Landkreis sind ihren Bürgern verpflichtet und nicht einem Eisenbahnverein“, schreiben die beiden weiter. Sollte es keine Einigung geben, würden sie erwägen, gemeinsam mit anderen Anwohnern Klage einzureichen.

 Zudem ist Büscher auch der „Kahlschlag“ der in der vergangenen Woche entlang der Strecke vorgenommen wurde, ein Dorn im Auge. „Sämtliche in Jahrzehnten gewachsene Biotope sind verschwunden“, sagt er. Zudem seien dabei Spritzmittel zum Einsatz gekommen, die die auf seinem Grundstück stehenden Bienenvölker gefährden würden.

 Stübke bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Bepflanzung an den Gleisen massiv zurückgeschnitten wurde. „Wir haben die Verantwortung, die Strecke befahrbar zu halten“, begründet er. Und die Aufsichtsbehörde habe bereits im vergangenen Jahr die Anweisung erteilt, die Hafenbahn, wie der Streckenabschnitt genannt wird, freizuschneiden, damit sie befahrbar bleibt. Bei diesen Arbeiten sei punktuell im Gleisbett auch Spritzmittel zum Einsatz gekommen, bestätigt er. „Wir haben eine Genehmigung der Landwirtschaftskammer, die Strecke einmal im Jahr zu spritzen“, erklärt er.

 Auch wenn dem Geschäftsführer die Beschwerden der Anwohner bekannt sind, bittet er um Verständnis dafür, dass sein Verein nicht darauf verzichten könne, Kesselwagen auf den Gleisen abzustellen. „Die Kesselwagen sind unsere hauptsächliche Einnahmequelle und damit Grundvoraussetzung für den Erhalt der Eisenbahnstrecke“, erklärt er. Nur durch eine gut erhaltene Eisenbahnstrecke könnte man das Ziel, die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Rinteln-Stadthagen für den Personenverkehr, gegebenenfalls erreichen.

 Voraussichtlich im Dezember werden daher wieder Kesselwagen auf das Gleisstück hinter dem Ostpreußenweg, aber auch auf die anderen zurzeit wieder leer stehenden Gleisbereiche gefahren. Lediglich das Stück vor der Videothek an der Stoevesandtstraße werde auch dieses Mal ausgespart.

 Die Stadt Rinteln würde es als Anteilseigner der RStV im Interesse ihrer Bürger begrüßen, wenn zukünftig keine Kesselwagen mehr in Wohngebieten abgestellt würden. Das teilte der Erste Stadtrat Jörg Schröder auf Anfrage mit. „Auf Dauer ist das Abstellen von Waggons vor Wohngebieten nicht zumutbar“, sagt er. Er verwies jedoch darauf, dass die RStV der eigentliche Ansprechpartner sei. Eine Nachfrage dort ergab, dass die Bückebergbahn nach Eingang des Schreibens von Klaus Büscher um eine Stellungnahme gebeten worden ist. Da seitdem allerdings erst wenige Tage vergangen sind, läge noch keine Antwort vor.

 Auch wenn Stübke den Wunsch, die Kesselwagen zu entfernen, nicht nachkommen kann, bittet er die Anwohner, sich bei Problemen mit ihm in Verbindung zu setzen. „Ich kann zwar nicht immer eine Lösung versprechen, aber ich biete auf jeden Fall das Gespräch an“, sagt er.

 Probleme hat derweil auch die Bückebergbahn – und zwar mit einigen Anliegern. „Im ganzen Streckennetz werden immer wieder Grünabfälle in den Gräben oder an den Böschungen abgeladen“, sagt er. „Das vermüllt die Landschaft, ist nicht legal und verursacht Kosten, wenn wir den Müll entfernen lassen müssen“, sagt er. Er bittet daher darum, künftig auf diese Art der Grünabfall-Entsorgung zu verzichten.

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