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Glücksspiel im Verborgenen

Rinteln Glücksspiel im Verborgenen

Eigentlich, so hat es die Stadt Rinteln mal beschlossen, sollen in der Kernstadt keine neuen Spielhallen und Sex-Shops mehr entstehen. So wurde es 1992 in den Bebauungsplänen festgehalten. Doch jetzt soll im Brückentorkomplex offensichtlich ein Wettbüro eröffnen.

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Sportwetten fallen zwar unter das Glücksspiel. Die Einschränkungen für Glücksspieleinrichtungen in Rinteln beschränken sich aber nur auf Spielhallen mit Spielgeräten. Von außen sieht das Wettbüro am Pferdemarkt bereits startklar aus.

Quelle: pk

Rinteln. Die Schaufenster sind schon entsprechend gestaltet: mit Sichtschutz, Werbung und dem Namen der betreibenden Firma. Offenbar fallen Wettbüros nicht in die Kategorie Spielhalle. Oder?

Im Stadtkern ausgeschlossen sind den Bebauungsplänen zufolge „Spielhallen oder ähnliche Unternehmungen (…), die der Aufstellung von Spielgeräten mit und ohne Gewinnmöglichkeiten dienen sowie Verkaufsräume (…), deren überwiegender Zweck auf Darstellungen oder auf Handlungen mit sexuellem Charakter ausgerichtet ist“. Es sei denn, sie sollen im Obergeschoss eingerichtet werden. Damit soll sichergestellt werden, dass das Stadtbild gewahrt wird, beziehungsweise – im Umkehrschluss – nicht eines entsteht, das von Spielhallen und Sex-Shops geprägt ist. Und Wettbüros?

Kann man bei den nötigen Utensilien für ein Wettbüro – einem Computer und einem Drucker, der das Ticket über die abgeschlossene Wette ausdruckt – von Spielgeräten sprechen? Wohl kaum. Ebenso wenig dürften die Fernseher, die in Wettbüros gerne aufgestellt werden, damit die Sportereignisse, auf die gewettet wurde, live mitzuverfolgen sind, als Spielgeräte gewertet werden können.

Dem Ordnungsamt liegt bereits die Anmeldung für ein Gaststättengewerbe für den Ausschank von alkoholfreien Getränken vor. „Der Betreiber eines Wettbüros braucht aber eine Lizenz, um Wetten annehmen zu dürfen. Die wird aber vom niedersächsischen Innenministerium erteilt, der Aufsichtsbehörde für Glücksspiel“, sagt Amtsleiter Ulrich Kipp auf Anfrage.

Über die nötige Lizenz scheint der Betreiber, die Albers Wettannahmen GmbH aus Hannover, zu verfügen. Das Wettbüro in Rinteln wäre eine Filiale von vielen. Auf telefonische Anfrage wurde das Vorhaben, in Rinteln ein Wettbüro zu eröffnen, gestern bestätigt, die Geschäftsführer waren jedoch nicht zu sprechen.

Das Bauamt wartet nun auf den Bauantrag des Wettbüro-Betreibers. Der Bauvorbescheid wurde bereits erteilt. Liegt der Bauantrag vor, um kleinere Änderungen in den Räumlichkeiten vorzunehmen, werde er vom Bauamt geprüft, teilt Baudezernentin Elena Kuhls auf Anfrage mit. Für diese Prüfung hat das Bauamt drei Monate Zeit.

Folglich könnte sich die Eröffnung des Wettbüros noch um Monate verzögern, ja, am Ende sogar gar nicht zustande kommen. Von Letzterem sei nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch eher nicht auszugehen. Ein Wettbüro fällt in den Bebauungsplänen eben nicht in die für Spielhallen geltende Kategorie.

Gleichzeitig sind Wettbüros im Kommen. Ein Blick in die größeren Nachbarstädte, wie Hameln oder Minden, genügt, um sich vom Sprießen der Wettbüros im urbanen Raum zu überzeugen. Sie sind Segen und Fluch zugleich. Einerseits bereiten sie manchem Leerstand ein Ende, andererseits sind sie nicht das, was sich ein beschauliches Städtchen wie Rinteln für ihre Innenstadt wünscht.

Doch noch sieht Baudezernentin Kuhls keinen Grund zur Sorge. „Es ist das erste Wettbüro im Innenstadtbereich“, sagt sie. Um das Aufkommen weiterer möglicher Wettbüros zu steuern, bräuchte es eine erneute Änderung der Bebauungspläne. Doch diese müsste erst einmal beantragt werden und anschließend durch die politischen Gremien. Dauer: ein Jahr. pk

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