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„Gott, gib mir lieber viel Arbeit als keine!“

Rinteln „Gott, gib mir lieber viel Arbeit als keine!“

Wer Krakauer liebt, also die speziellen polnischen Bratwürstchen, der sollte eines der Lebensmittelgeschäfte von Jolanda und Andreas Walachnia aufsuchen.

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Ach ja: Andreas Walachnia ist just wieder in Polen, um Nachschub zu besorgen.

Quelle: cok

Rinteln. „Es gibt ja nicht nur eine Sorte davon, wie die meisten Deutschen meinen“, sagen sie. „Es gibt ganz viele Sorten, alle unterschiedlich gewürzt.“ Andreas Walachnia besorgt sie direkt aus einer kleinen Schlachterei in Polen, wie er überhaupt fast alles, was er verkauft, selbst importiert.

 Einmal die Woche fährt er ins grenznahe Gorzów Wielkopolski – früher hieß die Stadt Landsberg an der Warthe – und macht einen Großeinkauf, um seine Geschäfte in Rinteln, Hameln und Herford mit all dem auszustatten, was die überwiegend polnischen Kunden wünschen. Wurst und Schinken stehen dabei an erster Stelle, dicht gefolgt von den überaus beliebten, mit Fleisch oder Gemüse gefüllten Teigtaschen, den Piroggen, oder dem hausgemachten Bigosch, ein deftiger Eintopf mit Sauerkraut. „Es muss eben so wie in Polen schmecken“, sagt Andreas Walachnia, und es ist klar, dass auch er selbst am liebsten die Speisen aus der Heimat isst.

 1989, kurz bevor die Grenze Richtung Osten geöffnet wurde, kam er als Spät-Aussiedler nach Deutschland. Seine gemütliche Art lässt schon erahnen, dass er schlesische Großeltern hat. Man meint glatt, diesen gewissen breiten Akzent zu hören, obwohl er natürlich Polnisch spricht und hier erst einen Sprachkurs absolvieren musste. Seine blonde, zierliche und ziemlich energisch wirkende Frau Jolanda stammt aus einer polnischstämmigen Familie, sie war Chemie-Ingenieurin, bevor sie ihrem Mann folgte, als dieser in Stadthagen bei Alcatel eine Arbeitsstelle fand. Daran, sich mit einem Lebensmittelgeschäft selbstständig zu machen, dachten die beiden damals nicht.

 Diese Idee war quasi aus der Not geboren. Andreas Walachnia hatte mit der Schließung von Alcatel seine Arbeit verloren, fand dann zwar neue in Mönchengladbach, wollte aber auf Dauer im längst vertrauten Rinteln bleiben – und dann, 2004, kam der EU-Beitritt Polens. „Da sahen wir unsere Chance, weil man nun problemlos Ware aus Polen importieren konnte.“ Er hatte schon früher als Kaufmann gearbeitet. Jolanda Walachnia traute sich den großen Schritt ebenfalls zu: „Meine allergrößte Angst war es, arbeitslos zu sein“, sagt er. „Ich betete zu Gott: Gib mir Arbeit – und lieber unendlich viel als keine.“ Dabei lacht er: „Ich hätte weiter beten sollen, dass er zur vielen Arbeit auch viel Geld dazugibt.“

 Mit großem Optimismus mietete das Paar die Lagerhalle An der Bünte, wo nach ihrem späteren Umzug in die Mindener Straße 3 dann sogar Bill Adamsons Möbelladen genug Platz fand. „Ich habe so viele Lebensmittel eingekauft und alle Regale gefüllt“, erzählt Andreas Walachnia. „Hier gibt es ja genug Polen, ich dachte, die kommen alle gleich angestürmt.“ So war es aber nicht. Fast schien es, als würde der Neubeginn unter hohen Miet- und Heizkosten gleich wieder zusammenbrechen. Aber mit guter Werbung sprach sich dann doch landkreisweit herum, dass man in Rinteln echt polnische Lebensmittel bekommt: im Pol-Markt. Inzwischen haben die beiden in Hameln und Herford weitere Geschäfte mit insgesamt drei Angestellten eröffnet.

 Es sind hauptsächlich die älteren Polen, die bei den Walachnias einkaufen. „Die jungen Leute sind ja alle längst Deutsche und haben gar nicht die Sehnsucht nach heimatlichen Geschmacksrichtungen“, meint Jolanda Walachnia. Doch wer weiß, vielleicht entdecken noch mehr deutsche Kunden die Reize der polnischen Süßigkeiten, der starken Biere, zahllosen Hausmacher-Fertiggerichte, der Piroggen, raffiniert gewürzten Schinken und Würste – und der Krakauer-Vielfalt. In Hameln, wo das Geschäft am Bahnhof liegt, schaut auch oft deutsche Laufkundschaft hinein. cok

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