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Grünes statt Braunes

Rinteln / Umbenennung Grünes statt Braunes

Der Heinrich-Sohnrey-Weg soll künftig Holunderweg heißen. Darauf einigte sich gestern nach einer teilweise hochemotionalen Diskussion der Ortsrat Rinteln mit Anwohnern der Straße.

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Der neue Straßenname werde an einen einstigen Holunderbestand in der Nähe des Heinrich-Sohnrey-Weges erinnern.

Quelle: ll

Rinteln. Eine Umbenennung der Straße wurde vom Ortsrat zur Debatte gestellt, als ein Professor in Göttingen vor rund zwei Jahren bei dem Heimatdichter und Schriftsteller Sohnrey nationalsozialistisches Gedankengut feststellte.

 Rund die Hälfte der Bewohner des Heinrich-Sohnrey-Weges war dem Aufruf des Ortsrats zur Anwohnerstunde gefolgt, um einen neuen Namen für die Straße zu finden. Demgegenüber stand indes ein auf nur vier (von elf) Mitglieder geschrumpfter Ortsrat. Die übrigen Vertreter fehlten – bis auf Petra Sasse (WGS) – entschuldigt, teilte Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) mit.

 Zwar ist die Entscheidung des Ortsrats, die Straße umzubenennen, immer noch nicht amtlich. Dieser Beschluss könne erst in der nächsten Ortsratssitzung gefasst werden, und diese findet laut Ortsbürgermeister Rauch erst im März oder April statt. Aber: CDU, SPD und Grüne seien sich einig, diesen Schritt zu tun, und bildeten damit eine deutliche Mehrheit gegenüber der aus Gert Armin Neuhäuser und Petra Sasse bestehenden WGS-Fraktion.

 Insofern wurden die Anwohner gestern nur vor inoffizielle Tatsachen gestellt. Dessen ungeachtet fühlten sich einige Anwohner vom Ortsrat übergangen und beklagten mangelnde Bürgernähe.

 Kritisiert wurde ferner, dass der Ortsrat es sich in seiner Meinungsbildung zu einfach gemacht habe: entweder oder. Denkbar wäre etwa auch eine Erklärung zur Person Sohnreys am bestehenden Straßenschild gewesen.

 Weiter könne das für die Umbenennung nötige Geld an anderer Stelle sinnvoller ausgegeben werden. Die Umbenennung sei sowieso nicht notwendig, da man Sohnreys Gedanken im Kontext der Zeit sehen müsse. So lauteten einige der Argumente der Anwohner.

 Um den Standpunkt des Ortsrats zu bekräftigen, zitierte der Ortsbürgermeister daraufhin aus der gutachterlichen Stellungnahme von Professor Dirk Schumann zu Sohnrey. In Rinteln eine Straße nach einem Menschen benannt zu wissen, der nachweislich Rassenkunde verbreitete, bereite ihm Bauchschmerzen. Eine Erklärung zu einem Straßenschild hätte eine andere Wirkung als eine Neubenennung.

 Davon abgesehen liege es in einer Demokratie in der Natur der Sache, dass die gewählten Volksvertreter auch über Einzelinteressen – hier: die der Anwohner – hinweg und zum Wohle der Stadt entscheiden müssten. Gleichwohl, erklärten die vier Ortsratsmitglieder einmütig, könnten sie den Unmut der Anwohner, die seit Jahrzehnten im Sohnrey-Weg mit diesem Namen unbeschwert lebten und nun durch die Umbenennung der Straße mit einem gewissen Aufwand konfrontiert würden, verstehen. Deshalb versprach der Ortsrat, sich für weitestgehende Kostendeckung sowie für Hilfestellungen bei anstehenden Anschriftsänderungen einzusetzen.

 Unkomplizierter verlief schließlich die Wahl eines neuen Straßennamens. Die Straße erneut nach einem Menschen zu benennen – im Gespräch waren Dietrich Bonhoeffer und Rainer Maria Rilke –, wurde schnell verworfen. „Nachher findet man bei denen auch noch was Böses“, so der Tenor der Anwohner. Davon abgesehen, merkte der Ortsrat an, hätte ohnedies eine Frau zur Wahl gestellt werden müssen. Dies habe der Rat bereits vor Jahren beschlossen, um bei Straßennamen langfristig eine ausgewogene Präsenz von Männer- und Frauennamen zu erreichen.

 Anwohner Manfred Pollmann schlug „Holunderweg“ vor. Dazu gebe es sogar einen regionalen Bezug, da es in unmittelbarer Nähe des Sohnrey-Weges einst einen Holunderbestand gegeben habe. Als keine alternativen Vorschläge gemacht wurden, ließ der Ortsrat die Anwohner ab- und letztlich für „Holunderweg“ stimmen. ll

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