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Grummelnder Großvater trifft schusselige Ente

Rinteln / Musiktage Grummelnder Großvater trifft schusselige Ente

Das erste Konzert der diesjährigen Rintelner Musiktage war den Kindern gewidmet. Gespielt wurde „Peter und der Wolf“, das klassische musikalische Märchen des russischen Komponisten Sergei Prokofjew (1891-1953), das auf seine Weise fast so bekannt ist wie Geschichten von Astrid Lindgren.

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Unter der Leitung von Wolfgang Westphal spielten die Göttinger Symphoniker das Märchen von dem Wolf und der Ente.

Quelle: jak

Rinteln. „O – das ist die Ente!“, rief dann auch prompt ein Kind, als Kreiskantor Wolfgang Westphal in der Nikolaikirche zusammen mit den Göttinger Symphonikern zunächst alle Instrumente vorstellte – darunter auch die Oboe, welche das vom Wolf verfolgte Entchen musikalisch verkörpert.

 Einen besseren Zugang zur klassischen Musik als mit Prokofjews Komposition kann man sich kaum denken. Die einfache, sich aber doch schnell dramatisch zuspitzende Geschichte rund um den übermütigen Peter, der das Gartentor zur Wiese nicht schließt, dadurch die Ente entkommen lässt, die wiederum den gefräßigen Wolf anlockt, diese Geschichte wird mit nur wenigen Worten erzählt, dafür aber um so bildhafter von der Musik inszeniert.

 Jedem der Akteure ordnet Prokofjew Instrumente zu, die ihren Charakter, ihre Gefühle und Handlungen zum Ausdruck bringen. Wer einmal die fröhlich-beschwingte Eingangsmelodie hörte, die mit den Streichinstrumenten illustriert, wie Peter wohlgemut auf die weite Wiese vor dem Haus hinaustritt, wird sie sein Leben lang nicht mehr ganz vergessen. Dem grummelnden Großvater gehört das mächtige Fagott, dessen tiefe Töne zu den Worten: „Wenn nun aber der Wolf aus dem Walde kommt, was dann?“ eigentlich mehr Respekt einfordern als Peter ihm erweist. Die Klarinette intoniert das geschmeidige Anschleichen der Katze, die Flöte den quirligen Vogel, der der Katze entflieht.

 Man muss die mitreißende Musik mit ihren eingängigen Melodien sicher nicht bewusst didaktisch einsetzen, um Kinder ganz selbstverständlich an klassische Musik und ihre Instrumente heranzuführen. Aber es stellte einen zusätzlichen Reiz des Konzertes dar, dass Wolfgang Westphal die Gelegenheit nutze, kurz zu erläutern, was ein Sinfonie-Orchester eigentlich ist und dass die verschiedenen Streicher, die Holz- und die Blechblasinstrumente, auch Trommeln und Pauken zu seinem Inventar gehören. Dann bat er die jeweiligen Musiker, vorab eine kleine Kostprobe ihres Spieles zu geben.

 Als das musikalische Märchen schließlich seinen Anfang nahm und Dr. Alexander Westphal mit tiefer, eindringlicher Stimme die ersten Worte der Geschichte sprach, spürte man die Aufmerksamkeit selbst der sehr kleinen Kinder. Viele waren sichtlich gespannt, hielten aufgeregt die Hände vor den Mund, als erst die Katze beinahe den Vogel erwischt und dann tatsächlich der Wolf die hilflose Ente jenseits der schützenden Mauer erblickt: „Er kam näher, und näher, er erreichte sie, er packte sie und – verschlang sie.“ Manche der Kleinen hielt es dabei nicht mehr auf ihren Sitzbänken ganz vorn am Altarraum.

 Zum Glück geht dann ja alles noch ganz gut aus. Nachdem Peter – er „hatte nicht die geringste Angst“ – den Wolf mit Hilfe des Vogels fängt und ihn dann netterweise vorm Erschießen durch die anrückenden Jäger bewahrt, formieren sich alle Beteiligten zu einem Triumphzug, den das Orchester mit eindrucksvoll anschwellenden Tönen untermalt. Selbst die Ente kommt noch einmal schnatternd zu Wort, „denn der Wolf hatte sie in der Eile lebendig heruntergeschluckt.“

 Die einzelnen Instrumente als besondere wahrzunehmen, ihre jeweilige Klangfarbe von der anderer zu unterscheiden und sie im Drumherum der Begleitung herauszuhören, kann sicherlich dazu beitragen, ein Verständnis für das Zusammenspiel in einem Sinfonieorchester zu erwerben. Vielleicht entsteht sogar der Wunsch, eines der vorgestellten Instrumente zu erlernen, das Jagdhorn vielleicht, das den sich bedrohlich nähernden Wolf vors innere Auge ruft, oder die klagende Oboe, die der ungeschickten Ente ihre Stimme verleiht.

 An dieses schöne Erlebnis kann übrigens das Programmheft für die Musiktage noch lange erinnern, ist es doch mit den großartigen Scherenschnitten der Rintelner Künstlerin Almut Ellersiek fast wie ein Kinderbuch geschmückt.

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