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Grundschulen gehen die Rektoren aus

Rintelner Schulen ohne Führung Grundschulen gehen die Rektoren aus

Der Rektor der Grundschule (GS) Rinteln Nord geht zum Schuljahresende in den Ruhestand, die GS Deckbergen-Steinbergen wird seit Februar kommissarisch geleitet, die Konrektorin der GS Rinteln Süd hat sich für die Schulleitung einer Grundschule in Hameln beworben. Wie sieht es mit der Nachfolge aus? Können die Stellen bis zum Schuljahresbeginn besetzt werden?

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Die Grundschule Deckbergen-Steinbergen sucht einen Rektor. Ob die Stelle bis zum Beginn des neuen Schuljahres besetzt werden kann, ist fraglich.

Quelle: peb

Rinteln. Deutschlands Grundschulen gehen die Rektoren und Konrektoren aus. Jede zwölfte Grundschule in Niedersachsen hat keinen Rektor, bei drei von zehn ist die Konrektorenstelle vakant. Zum Stichtag 1. August 2014 fehlten an den 1648 Grundschulen des Landes 144 Rektoren. Die Schulen müssen kommissarisch geleitet werden. Manche Stellen bleiben jahrelang unbesetzt. Viele Posten müssen immer öfter mehrfach ausgeschrieben werden. So auch im Nachbarkreis Hameln-Pyrmont. Die GS Hemeringen sucht schon seit fast zwei Jahren einen Rektor, die Konrektorenstelle an der GS Am Rosenbusch in Hessisch Oldendorf ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt.

 Für die GS Rinteln Nord zeichnet sich zum neuen Schuljahr eine Nachfolge von Schulleiter Horst Ahlswede, der in den Ruhestand geht, ab. Laut Landesschulbehörde gibt es eine Bewerberin. Jetzt müssen noch die politischen Gremien der Stadt Rinteln zustimmen. Anders sieht es für die GS Deckbergen-Steinbergen aus. Nach der Verabschiedung von Dagmar Tadge im Februar in den Ruhestand übernahm Ricarda Renneke die kommissarische Leitung der Schule.

 Zum Start in das Schuljahr 2015/16 sollte ein Nachfolger gefunden werden – bis heute ohne Erfolg. Die Stelle wurde erneut ausgeschrieben und kann voraussichtlich erst im nächsten Jahr besetzt werden. Ähnlich sieht es mit der Nachfolge der Konrektorin Kai-Susann Brandes an der GS Rinteln Süd aus. Die Stelle sei ausgeschrieben, eine Nachfolge aber noch nicht geregelt, so die Landesschulbehörde.

 Aber warum gibt es immer weniger Bewerber für Leitungsstellen an Grundschulen? Aus Sicht des Ministeriums sind die Gründe für vakante Stellen vielfältig. Zahlreiche Rektoren und Konrektoren würden eine andere Stelle antreten oder vorzeitig in den Ruhestand gehen, und manche Standorte seien besonders unattraktiv für die Bewerber. Zudem gehen insbesondere kleinen Grundschulen auf dem Lande aufgrund des demografischen Wandels die Schüler aus und bieten Führungskräften keine Zukunftsperspektiven. „Die Grundschulleiter fühlen sich von der Politik im Stich gelassen“, klagt der Vorsitzende des Pädagogenverbandes VBE (Verband Bildung und Erziehung), Udo Beckmann. „Unterbezahlt, unterschätzt und überarbeitet“, so seine Diagnose.

 Das Berufsbild des Rektors hat sich gewaltig gewandelt. War er in den neunziger Jahren in erster Linie für die pädagogische Arbeit verantwortlich, muss er heute auch Verwaltungsprofi sein. Zu seinen Aufgaben gehören Mitarbeitersuche, Einstellung neuer Lehrkräfte, Etatverwaltung, Qualitätsmanagement, Sponsorensuche und -betreuung, Organisation von Schulveranstaltungen, Kommunikation mit Behörden, Umsetzung neuer Verordnungen wie Ganztagsschule, flexible Eingangsphase und jahrgangsübergreifender Unterricht.

 Und die Arbeit wird immer mehr. Infolge der UN-Konvention zur Inklusion werden allerorts Sonderschulen geschlossen. Alle Kinder, ob behindert oder nicht, sollen in den ersten Jahren gemeinsam unterrichtet werden. Das braucht zusätzlich Zeit.

 Für derartige Umstrukturierungen würde ein Unternehmen vermutlich eine Beratungsfirma engagieren. Ein Rektor muss aber obendrein je nach Größe der Schule zwischen zehn und 20 Wochenstunden noch selbst unterrichten.

 Brigitte Naber, die Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Niedersachsen, nennt die Politik der vergangenen Jahrzehnte „einen Skandal“. Sie fordert, auch Rektoren von kleineren Grundschulen grundsätzlich einen Konrektor und eine Sekretärin zur Seite zu stellen, ihnen deutlich mehr Unterrichtsstunden für ihre Leitungsaufgaben freizuschaufeln und sie besser zu bezahlen. Grundschulrektoren seien nicht selten „Mädchen oder Jungen für alles“, so Naber. „Mehr als 60 Stunden pro Woche ist fast schon die Regel. Gerade an kleinen Schulen übernehmen Rektoren auch noch Aufgaben eines Hausmeisters und einer Sekretärin.“

 Das Interesse an der Arbeit auf einem Leiterposten sei grundsätzlich groß, nicht aber unter den jetzigen Voraussetzungen, so Beckmann. Womit er vor allem die Besoldung meint. „Viele Rektoren und Konrektoren kleinerer Grundschulen bekommen im Vergleich zu ihren Kollegen nur eine Amtszulage. Die beträgt knapp 150 Euro brutto im Monat. Und dafür will sich kaum jemand der Mehrarbeit und dem Riesenstress aussetzen. Der macht nur krank!“

 Das Problem – Rektorenmangel – wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Zahlreiche Schulleiter stehen vor der Pension. Je nach Bundesland werden in naher Zukunft 20 bis 40 Prozent der Stellen frei. Die Politik ist also in Zugzwang. peb

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