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Gute Laune hallt durchs Kirchenschiff

Rinteln / Konzert Gute Laune hallt durchs Kirchenschiff

Die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands erklärte den 14. September 2014 zum 4. Deutschen Orgeltag – ein willkommener Anlass, in der Rintelner Nikolaikirche einen Tag rund um die Orgel zu gestalten unter dem Motto „Eine Königin lädt ein“.

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 Kantorin Daniela Brinkmann (rechts) zieht die Register an der Kirchenorgel und sorgte für „Gute-Laune-Musik“.

Quelle: kx

Rinteln. Von Karl-Heinz Thenhart. Eine gut aufgelegte und bestens gelaunte Kreiskantorin Daniela Brinkmann führte von der Mittagszeit bis in den frühen Abend interessierte Gäste quasi als eine Art Zeremonienmeisterin Ihrer Durchlaucht durch die Welt des wohl imposantesten aller Instrumente. Der Besucherstrom (hinter und links wie rechts der Organistin ging es ähnlich dicht gedrängt zu wie draußen vor dem Kirchenportal auf dem Bauernmarkt) wurde in drei Etappen mit jeweils eigenem Thema mit dem Klang und dessen „Herkunftsort“ vertraut gemacht. Nach sogenannten Kurzkonzerten wurden Bau und Mechanik der Orgel erläutert; wer wollte, durfte einen Blick ins Innenleben erhaschen und hernach selbst in die Tasten greifen.

 „Gute-Laune-Musik“ läutete Punkt zwölf den besonderen Tag ein. Daniela Brinkmann spielte heitere Orgelstücke des 18. und 19. Jahrhunderts, ließ damit die sonst eher getragene Kirchenatmosphäre vergessen – Allegro statt Adagio zur Mittagszeit hieß die Devise. Improvisationen zu Carl Philipp Emanuel Bachs „Stücken für die Flötenuhr“ zauberten den Zuhörern ebenso ein Lächeln in die Gesichter wie die Orgelbearbeitung des Scott-Joplin-Klassikers „The Entertainer“, berühmt geworden durch den siebenfach Oscar-prämierten Film „Der Clou“.

 Im Zentrum der Einführung stand der um 14 Uhr begonnene zweite Teil, der ausdrücklich für Kinder geeignet war. „Tierische Klänge“ erschallten aus den Pfeifen. Louis Claude Daquins „Le Coucou“ („Der Kuckuck“) rief aus dem Wald. Man sah mit dem inneren Auge den eigenwilligen Vogel im Wald sein seltsames Lied singen.

 Fünf Stücke aus Andreas Willschers „Insektarium“ gestaltete Daniela Brinkmann zum Ratespiel. Stubenfliege, Biene, Ameise und Käfer wurden aber von den Kleinen und ihren großen Begleitern gut erkannt. Nun war Mitmachen angesagt: Eine humoristische Variation über „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ lud zum Mitsingen ein – alle Strophen! Eine Improvisation zur Volksweise „Geh aus mein Herz und suche Freud“, bei welcher die allzu oft unterschätzte Fußarbeit des Organisten zu bestaunen war (Brinkmann tanzte förmlich im Sitzen), leitete über zur Begehung des faszinierenden Orgelinnenraums. Die für einen Laien wie willkürlich platzierten Pfeifen, deren Längen zweieinhalb Meter bis wenige Millimeter betragen, bestehen aus Holz und aus Metall („Orgelmetall“: eine Zinn-Blei-Legierung), die teilweise meterlangen Metallzüge lassen auf hohe Anforderungen an Wartung und Reparaturarbeiten schließen. Nicht zuletzt der Staub erfordert über die Jahre minutiöse Reinigung.

 Erbaut wurde die Orgel in der Nikolaikirche bereits im Jahre 1621, erweitert wurde sie zu ihrem aktuellen Volumen vor 20 Jahren. Wer wollte, durfte schlussendlich in die drei Manuale mit den Tasten greifen.

 Ein Junge zog sprichwörtlich alle Register (so werden die Knäufe zum Rausziehen links und rechts der Tastaturen genannt, die für die Klangfarben sorgen). Beim Shanty „What shall we do with the drunken sailor“ wurde zum heiteren Schreck der Zuhörer gar die volle Lautstärke demonstriert.

 Den Abschluss des informativen Gute-Laune-Nachmittags bildete ein Kurzkonzert mit Jazz- und Pop-Improvisationen, bei dem sich Daniela Brinkmann sogar nicht scheute, einen Bossa Nova durchs altehrwürdige Kirchenschiff wabern zu lassen.

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