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Gute Zahlen, bis der „Steuerfahnder“ kommt

Rinteln / Volksbank in Schaumburg Gute Zahlen, bis der „Steuerfahnder“ kommt

„Vielen Dank an die Volksbank für diese Scheinveranstaltung, die es uns ermöglicht, den Finanzsumpf in Rinteln trockenzulegen.“ Steuerfahnder Siegmund von Treiber, der Robin Hood des deutschen Steuerwesens, versuchte, die mehr als 300 Teilnehmer der Ortsversammlung der Volksbank in Schaumburg im Brückentorsaal zu beunruhigen.

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„Und wer schießt das Einsatzbeweisfoto für Finanzminister Schäuble?“ Der „Steuerfahnder“ (rechts ) bei der Volksbank-Ortsversammlung findet in Hans Sümenicht (Dritter von links) einen willigen Helfer. © tol

Rinteln (dil). Schnell noch ein paar Einsatzfotos für Finanzminister Wolfgang Schäuble, dann überbrückte er die Zeit bis zum Eintreffen des GSG-9-Mannschaftswagens zum Abtransport der Steuersünder mit einem Feuerwerk von Gags und skurrilen Erkenntnissen – immer ganz hart an der Realität – oder knapp daran vorbei.

Für die Lösung der deutschen Schuldenlast von 1,7 Billionen Euro hatte der Komödiant auch eine plausible Idee: „Jeder Steuerfahnder bringt im Durchschnitt jährlich eine Million Euro in die Staatskasse. Einfach 1,7 Millionen Fahnder einstellen, die Schulden sind nach einem Jahr weg – und die komplette FDP-Klientel im Knast.“ Tosender Beifall.

Doch vorrangig waren die Themen bei der von Dewezet-Chefredakteur Frank Werner moderierten Versammlung ernster – außer in den oft strapazierten Fußballfragen. So sprach sich Vorstandsmitglied Joachim Schorling für mehr Bankenregulierung, höhere Eigenkapitalquoten, stärkeren Verbraucherschutz und harte Stresstests für Banken aus – einfach, weil die Volksbank in Schaumburg all diese Anforderungen schon jetzt erfülle.

Die Euro-Krise sah Schorling dank des EU-Rettungsschirms gut im Griff, und wenn wieder mal Großbanken ins Taumeln gerieten, seien die Auswirkungen auf die Volksbank noch nicht einzuschätzen. Immerhin: Das hoch verschuldete Deutschland würde bei der Volksbank als kreditwürdig angesehen, weil seiner Verschuldung ja entsprechend Wirtschaftskraft und -wachstum gegenüberstünden.

Zu lokalen Themen antwortete Schorling eher ausweichend. Das Einkaufszentrum Klosterkarree würde er begrüßen, aber es brauche wohl noch Zeit. Und ein Neubaugebiet für die Kernstadt hielt er für sinnvoll, die Volksbank habe aber derzeit keines im Auge. Und die lange verzögerte Bebauung des ehemaligen Braas-Geländes komme jetzt voran. Er hoffe, dass bereits im September der Bau des „grünen Marktes“ dort beginnen könne.

Prokurist Ansgar Haferkamp, Leiter des Marktbereichs Rinteln, stellte das Ergebnis des Geschäftsjahrs 2010 vor. Danach liegen die Geldanlagen, die die Voba in Schaumburg für ihre Kunden betreut, bei knapp 980 Millionen Euro. Das seien gut 50 Millionen, also 5,5 Prozent, mehr als im Vorjahr. „Dieser überdurchschnittliche Zuwachs ist ein Beweis dafür, dass die Kunden unsere Beratung und unser Produktangebot schätzen“, freute sich Haferkamp.

Die Bilanzsumme ist von 851 auf 875 Millionen Euro gestiegen. Die Vergabe von Krediten wuchs um acht Millionen auf 697 Millionen Euro. Insbesondere viele Kreditanfragen von Firmenkunden wurden bedient.

Hinzu kamen rund 1000 Baufinanzierungen mit etwa 54 Millionen Euro Volumen. Erfreulich lief auch das Vermittlungsgeschäft. Laut Haferkamp haben die Kunden 2010 gut 1400 Bausparverträge mit einer Bausparsumme von rund 39 Millionen Euro bei der Voba in Schaumburg abgeschlossen.

Das Eigenkapital der Volksbank ist um 3,3 Prozent auf 63 Millionen Euro gestiegen. Der Bilanzgewinn beträgt 1,1 Millionen Euro. Es wird auf Beschluss der Versammlung eine Dividende von sechs Prozent ausgeschüttet.

Das Warengeschäft verlief zufriedenstellend, der Tankstellenbetrieb machte ebenfalls Freude. „Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich dem vergangenen Geschäftsjahr eine gute 9 geben“, sagte Haferkamp. Die Mitgliederzahl sei mit 22.208 auf Vorjahresniveau geblieben. Auch für das neue Geschäftsjahr erwarte er Zuwächse auf dem Niveau von 2010.

Während Haferkamp erklärte, die Volksbank habe auf keinem Geschäftsfeld Federn gelassen, sah er besondere Wachstumsmöglichkeiten noch beim Verkauf von Altersvorsorgeprodukten, der Finanzierung von Energiesparmaßnahmen und Fotovoltaikanlagen.

Ebenfalls im Gespräch mit Frank Werner empfahl Voba-Vermögensberater Stefan Horstmann einen strukturierten Vermögensaufbau. Bei Geldanlagen seien unterschiedliche Anlageformen, aber auch unterschiedliche Laufzeiten wichtig. Sein Tipp: Vermögensaufbau durch monatliche Sparraten betreiben. Haferkamp riet, renditestarke Anlagen mit soliden Formen wie Riester-Rente zu mischen.

Und plötzlich trat ein schlanker Brillenträger im grauen Anzug auf die Bühne und forderte zu Beifall auf: „Für die Herren, die Sie vielleicht zum letzten Mal in Freiheit gesehen haben.“ Der Steuerfahnder legte los. Und es blieb vor Lachen kein Auge trocken, bis sich die Versammlungsteilnehmer mit einem Imbiss stärken konnten. Diese erste von sieben Ortsversammlungen der Volksbank in Schaumburg war für die Kunden der Geschäftsstellen Rinteln, Rinteln-Nordstadt und Engern bestimmt; weitere in anderen Orten werden folgen.

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