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Hackerangriff auf Stadtwerke?

Dementi aus Rinteln Hackerangriff auf Stadtwerke?

Seit dem 25. Juli gibt es ein neues Gesetz, das „Betreiber kritischer Infrastrukturen“ verpflichtet, Hackerangriffe zu melden. Eine „kritische Infrastruktur“, das sind auch Rintelner Stadtwerke. Vor einigen Wochen machte unter IT-Fachleuten in der Weserstadt das Gerücht die Runde, es habe einen Cyberangriff auf die Stadtwerke gegeben. Diese dementierten.

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Hier laufen alle Informationen der Stadtwerke, des Abwasserbetriebes und der GVS zusammen: Joachim Spohr ist der IT-Fachmann im Haus.

Quelle: wm

Rinteln. In einem Telefongespräch erläuterte gestern Thomas Sewald, technischer Leiter der Stadtwerke, warum es keinen Angriff gegeben haben kann – und warum ein Hacker Rinteln weder Wasser noch Strom abstellen könnte.

 Sewald betonte, „einen Hackerangriff hätten wir sofort bemerkt. Wer bei uns eindringen will, müsste schon das Rechenzentrum knacken, an das rund 90 weitere Stadtwerke angeschlossen sind“.

 Die IT-Sicherheit bei den Stadtwerken hat, logisch, höchste Priorität. Dabei geht es nicht nur um Infrastruktur, ohne die eine Stadt nicht funktionieren kann, sondern auch um sensible Kundendaten wie Bankverbindungen.

 Sewald erläutere Einzelheiten: Rechner, die für die Datenverarbeitung im Unternehmen gebraucht werden, haben keine Verbindung mit dem Internet. Dieses Einfallstor für Cyber-Attacken ist damit geschlossen. Wer an Gas, Wasser oder Strom heran möchte, „müsste schon zu uns ins Haus kommen“, sagt Sewald. In einem so überschaubaren Unternehmen falle das sofort auf. „So gesehen betreiben wir noch klassischen Datenschutz: keine Verbindung.“ Deshalb vertrete man bei den Stadtwerken auch nicht die Philosophie, immer weiter automatisieren zu wollen. Eine höhere Automatisierung berge immer auch ein höheres Risiko: „Was man nicht hat, kann niemand missbrauchen. Der Wasserbehälter an der Schäferdrift in Krankenhagen füllt sich auch mit der klassischen alten Technik problemlos. Der meldet über ein Steuerkabel ,Ich bin gleich leer‘, dann schaltet sich die Pumpe ein.“

 Das Computerzentrum der Stadtwerke liegt unauffällig neben einem Büro, das man nicht so einfach findet. Ein Raum, der sich von allen anderen dadurch unterscheidet, dass er mit Rechnern und Kabeln vollgestellt ist, keine Fenster hat und in ihm immer die gleiche kühle Temperatur herrscht, die Server mögen.

 Fachmann ist hier Joachim Spohr, der auch darüber wacht, dass all die Datenmengen, die tagsüber in den Büros erarbeitet worden sind, über Nacht gesichert und gespeichert werden. Ein großes Back-up gibt es jedes Wochenende.

 Dass Stadtwerke von der Größe Rintelns ziemlich sicher sind, weiß Sewald auch aus sogenannten Blindtests. Dabei haben IT-Fachleute gezielt versucht, in die Prozessleittechnik von Stadtwerken einzugreifen. Ein solcher Test ist bei den Stadtwerken in Ettlingen durchgeführt worden. Dort hatte ein IT-Experte über eine E-Mail an einen Stadtwerkemitarbeiter Schadsoftware eingeschleust und war gleichzeitig über eine Netzwerkdose ins System eingedrungen. Auf diese Weise fand er heraus, wer hohe Zugangsprivilegien im Hausnetz hatte. Doch dann war schnell Ende im Gelände. Der Test zeigte: Ein Hackerangriff fällt sofort auf, und angesichts der vielen mechanischen Anzeigen und Schutzelemente kommt ein Hacker nicht weit.

 Anders bei großen Unternehmen. Bei Westfalen Weser werden Anlagen ferngesteuert. „Bei uns“, sagt Sewald, „muss noch ein Techniker in die Nordstadt fahren und die Tür aufschließen.“ Deshalb sieht er zurzeit auch die Smart-Grid-Technologie, die sogenannten intelligenten Zähler, skeptisch, die Energieflüsse regelt und von der viele Energieexperten schwärmen. Bei Smart Grid schalten sich beispielsweise Haushaltsgeräte wie Spülmaschine und Waschmaschine erst ein, wenn Strom im Überfluss zur Verfügung steht und günstig ist.

 Sewald sieht das Risiko: „Stellen Sie sich vor, jemand hackt Waschmaschinen eines bestimmten Typs und schaltet bei allen zur gleichen Zeit das 90-Grad-Kochprogramm an. Die dann gebrauchte Leistung im Netz würde reichen, ein Kraftwerk ein- oder eben auszuschalten.“

 Auch bei der Stadt Rinteln, versicherte gestern auf Anfrage Hauptamtsleiter Jörg Schmieding, sei noch keine Cyber-Attacke bekannt geworden. Er sieht ebenfalls die Tendenzen zur Zentralisierung bei der Informationstechnologie skeptisch. Schon bisher werden die Daten des Standesamtes bei einem zentralen Rechenzentrum verwaltet. Künftig soll das wohl mit allen Einwohnerdaten geschehen. Schmieding sagt: Man stelle sich vor, die Einwohnerdaten eines ganzen Landes in einem Rechenzentrum, das könnte ein lohnenderes Hackerziel sein, als die Daten dezentral auf Servern der Stadtverwaltungen.

 Dass auch Stadtverwaltungen angegriffen werden, zeigen Recherchen in Internet: Erst Anfang dieses Monats ist die Homepage der Stadt Dorfen in Oberbayern gekapert worden. Nutzer wurden auf eine Domain in São Tomé e Principe umgeleitet. Das ist ein Inselstaat vor Afrika. wm

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