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Haft, gemeinnützige Arbeit und Geldbußen

Prozess Haft, gemeinnützige Arbeit und Geldbußen

Kein jugendlicher Leichtsinn, der aus dem Ruder läuft, sondern harte Kriminalität hat das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Rost fünf jungen Angeklagten attestiert, die im Wäldchen am Bahnhof Rinteln Nord im Januar 2014 einen Drogendeal abwickeln wollten.

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Rüdiger Teich

Rinteln (dil). Bis zu fünf Jahre Haft wären möglich gewesen, machte Rost den Angeklagten klar, dass sie ihr Tun als 14-Jährige nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Haftstrafen auf Bewährung, Geldstrafen und gemeinnützige Arbeit werden ohnehin ein schnelles Vergessen des strafbaren Tuns verhindern.

 Was war geschehen? Ende 2013 hatte der damals 14-jährige N. seinem Vater eine Tüte mit etwa 50 Gramm Marihuana gestohlen und dieses seinem gleichaltrigen Freund S. gezeigt. Beim Rauchen wurde ihnen schlecht, dann lieber verkaufen, dachten sie. S. brachte als Kunden seinen Cousin M. (14) ins Spiel. Anfang Januar sollte die Tüte für 800 Euro den Besitzer wechseln – so der über Whatsapp vereinbarte Plan.

 Vor Gericht hatte S. ausgesagt, er habe nicht kaufen, sondern nur seinen Cousin durch Konfiszieren der Drogen aus dem strafbaren Handel mit diesen heraushalten wollen. Damit dies nicht misslingt, holte er sich zwei 22-jährige Kumpels als Aufpasser und Eingreiftruppe. Den beabsichtigten Schutz des Cousins kaufte das Gericht dem Drogenkunden nicht ab.

 Am Bahnhof zeigte N. dem Kunden den Tüteninhalt, dieser rannte dann damit weg, N. lief hinterher. Da N. den fliehenden Kumpel einzuholen drohte, griffen die beiden Komplizen ein, schlugen N. mehrfach ins Gesicht, Kunde M. entkam. Der Verkäufer zückte ein Messer mit zehn Zentimeter Klinge und stach in Notwehr zu. Der eine Prügler erlitt eine leichte Schnittverletzung, der andere eine stark blutende Wunde mit inneren Verletzungen. Ihm musste später im Krankenhaus in einer Notoperation die Milz entfernt werden. N. flüchtete nun seinerseits.

 Für Rost waren die Tatbestände von Drogenhandel, Drogenbeschaffung, Raub und schwerer Körperverletzung gegeben. Er würdigte, dass sich N. und S. auf ein Geständnis gegen geringere Strafen eingelassen hatten. Die Gegenseite habe stattdessen mit widersprüchlichen Aussagen „herumgeeiert“. M. habe gewusst, dass es sich um einen Drogendeal handelte, habe durch Hinzuziehen der beiden Schläger auch den Tatbestand des Raubes erfüllt. Da er selbst zu dieser Zeit Drogen konsumierte, habe er Eigeninteresse am Erwerb gehabt. Die Schläger hätten sich am Drogendeal beteiligt und dann vorsätzlich schwere Körperverletzung begangen.

 Richter Rost verkündete unterschiedliche Strafmaße: Der Verkäufer N., der inzwischen als Auszubildender Geldeinkünfte hat, muss 150 Euro zahlen, sein noch zur Schule gehender Freund S. hat 20 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Der Drogenkäufer M. wird zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, hat wegen häufigen Schulschwänzens ohnehin schon Arbeitsstunden zu leisten.

 Die beiden Schläger sind mit 22 Jahren schon als Erwachsene zu behandeln. Bei beiden sah das Gericht vorsätzliche Körperverletzung und Beihilfe zur Drogenbeschaffung als erwiesen an. Der damals schwer verletzte M. bekommt ein Jahr und vier Monate Haftstrafe, der bereits vorbestrafte T. (zwei Bewährungen laufen schon) erhält ein Jahr und acht Monate Haft, beide Strafen für jeweils zwei Jahre auf Bewährung. M. muss zudem 650 Euro Geldbuße an die Aktion „Deutschland hilft“ zahlen. T. muss 400 Euro für die Aktion „Brot für die Welt“ aufbringen. Bei ihm war der Richter gnädiger, denn er habe schon eine Familie zu versorgen.

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