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Halb-Schmarotzer dürfen bleiben

Misteln in den Bäumen Halb-Schmarotzer dürfen bleiben

Manche finden sie wunderschön, andere gruselt es etwas bei dem Anblick der unzähligen Mistel-Kugeln in den Bäumen am Alten Hafen und an der Exter hinter der ehemaligen Jugendherberge. Misteln sind „Halb-Schmarotzer“: Sie schwächen die Bäume, auf denen sie wachsen.

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Gerade Bäume mit weichem Holz befallen Misteln gern, wie hier am Alten Hafen. Wenn dann starker Wind aufkommt, brechen die beladenen Äste schnell ab (kleines Bild).

Quelle: cok

RINTELN. Das kann Folgen haben: An einem stürmischen Tag ist beispielsweise jüngst ein mistelbesetzter Pappel-Ast auf den kleinen Wanderpfad entlang der Exter gefallen. Sollte man Misteln also am besten aus den Bäumen entfernen?

Bauhof-Chef Ulrich Hartmann hat da keine eindeutige Meinung. „Wenn wir im Rahmen unserer Baumkontrollen erkennen, dass die Gesundheit eines Baums gefährdet ist, werden wir natürlich tätig“, sagt er. Da Misteln aber typischerweise solche Bäume besetzen, die in Feuchtgebieten stehen, komme es nur selten vor, dass Menschen von herabstürzenden Ästen gefährdet seien.

„Misteln aus dem Geäst hoher Bäume zu entfernen, wäre fast immer mit unverhältnismäßig großem Aufwand verbunden“, sagt er. Alles in allem würde man sie einfach wachsen lassen.

Nicht so schädlich wie angenommen

Die kugelrunden Laubbaum-Misteln mit ihren weißen Beeren befallen gerne Weichhölzer, also Pappeln, Linden, Birken, auch Ahorn oder Weiden. Das liegt an ihrer kuriosen Art der Fortpflanzung. Die Beeren, die den Samen enthalten, sind bei Vögeln beliebt, doch bleiben Reste des klebrigen Fruchtfleischs dann an ihrem Schnabel hängen. Um diese Last loszuwerden, reiben die Vögel ihre Schnäbel an der Baumrinde ab. Dabei verursachen sie im weichen Holz kleine Wunden, in denen sich der Samen festsetzen kann.

Als sogenannte „Halb-Schmarotzer“ schaden Misteln dem befallenen Baum weniger, als mancher meint. Sie zapfen zwar mit ihren Wurzeln seine Wasserleitungen an, können sich aber ansonsten über ihr Blattwerk eigenständig mit Energie versorgen.

„Ein Problem kann dann entstehen, wenn die Misteln nach und nach zu schwer werden“, sagt Ulrich Hartmann. Es seien vor allem die Pappeln, die im Laufe langer Jahre manchmal zu sehr belastet werden. „Pappeln sind mit ihrem besonders weichen Holz sowieso sehr ‚bruchfreudig‘“, meint er.

„Die Verkehrssicherung steht prinzipiell an erster Stelle“

Die Pappeln an Weser und Exter wurden zum großen Teil nach dem Krieg gepflanzt, weil sie sehr schnell wachsen. „Damals hat man das gut gemeint“, so Hartmann. Doch krachen immer mal wieder schwere Äste herunter, wie man es auch bei einem großen Exemplar gegenüber der ehemaligen Jugendherberge sehen kann. Heute würde man an diesen Stellen wohl keine Pappeln anpflanzen, sondern robustere Baumsorten wählen.

Wenn Äste auf Wege oder Pfade fallen und damit Spaziergänger behindern, ist das Bauhof-Team zeitnah vor Ort, um die Äste aus dem Weg zu räumen. Unter Naturschutz stehen Misteln zwar nicht, doch muss immer eine behördliche Genehmigung zu ihrer Entfernung vorliegen, damit gesichert ist, dass die befallenen Bäume dabei nicht verletzt werden.

„Eines ist jedenfalls klar“, so Hartmann: „Die Verkehrssicherung steht prinzipiell an erster Stelle.“ Ansonsten aber dürfen die Misteln bleiben. Dass ein Baum allein deswegen stirbt, weil er den Misteln ein Zuhause gibt, das komme praktisch nicht vor. cok

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