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Handy-Verbot am Ernestinum

Rinteln Handy-Verbot am Ernestinum

Am Gymnasium Ernestinum klingelt es zur großen Pause, viele Schüler stürmen auf den Schulhof. Die älteren haben es nicht ganz so eilig. Die 15-jährige Lena (Name von der Redaktion geändert) schlendert zur Tür hinaus, den Blick fest auf ihr Smartphone gerichtet, das sie in der Hand hält. Eigentlich darf sie das gar nicht. Seit Kurzem sind Handys für Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse des Ernestinums verboten.

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Schule ohne Handy? Am Gymnasium Ernestinum ist die Nutzung des Smartphones jetzt verboten – zumindest für die 5. bis 10. Klassen.

Quelle: Symbolfoto:dpa

Rinteln. Zumindest dürfen sie es nicht mehr benutzen. Auch nicht in den Pausen. So wurde es auf einer Gesamtkonferenz mit einer Mehrheit von Schüler-, Eltern- und Lehrerstimmen jüngst entschieden.

Das Handyverbot kommt nicht von der Schulleitung, sondern geht auf einen Antrag einiger Kollegen zurück, teilt Schulleiter Reinhold Lüthen auf Anfrage mit. Im Unterricht durfte das Handy auch vorher schon nicht verwendet werden. Es sei denn, der Lehrer hat es ausdrücklich erlaubt, weil das Gerät für den Unterricht gebraucht wurde. An dieser Regelung werde sich auch nichts ändern, so Lüthen. In den Schulpausen jedoch ist die Nutzung des Handys jetzt nicht mehr erlaubt, das war bislang anders. Aber die Lehrer hätten die Erfahrung gemacht, „dass die Schüler durch die permanente Nutzung des Handys in den Pausen extrem abgelenkt sind“, schildert Lüthen.

Die Ablenkung gehe sogar über die Schulpausen hinaus, also bis in den Unterricht hinein. Dies trete ein, wenn die Schüler in den Pausen etwa Nachrichten erhielten, die sie emotional derart aufwühlten, dass sie infolgedessen dem Unterricht nicht mehr richtig folgen könnten. Dabei gehe es zum Beispiel um Nachrichten, die Freundschaften betreffen.

Als weitere Gründe nennt Ernestinum-Lehrerin Frauke Schade jugendgefährdende Spiele, abnehmende Konzentrations- und Sprachfähigkeit und weniger soziale Kontakte und Bewegung der Schüler in den Pausen. Außerdem beklagen sie und ihre Kollegen eine Zunahme von Cyber-Mobbing, etwa in Form von Ausgrenzung von Schülern aus Klassengruppen via Whatsapp. Auch für Schule und Personal entstehe dadurch eine zunehmende Belastung aufgrund von Disziplinierungsmaßnahmen und Kontakten mit der Polizei.

Zudem nehme die Suchtgefahr zu. Eine Folge sei die Vernachlässigung schulischer Pflichten. Außerdem klagten Schüler über Kopfschmerzen durch die ständige Handynutzung, Kurzsichtigkeit sei eine weitere Folge. Gleichzeitig nähmen die Lehrer eine zunehmende Hilflosigkeit der Eltern in Bezug auf die Reglementierung der Handynutzung wahr.

Mit dem generellen Handyverbot soll dem entgegengewirkt werden, sagt Lüthen. An einigen Schulen des Landkreises werde es bereits erfolgreich praktiziert. „Es soll zu mehr Ruhe und Gelassenheit der Schüler führen“, erklärt Lüthen.

Lena kann das Verbot nicht nachvollziehen. „Ich glaube, dass das Handyverbot eher bei den Kleineren sinnvoll ist, die sich noch leichter ablenken lassen“, sagt die 15-Jährige aus der 9. Klasse. Sie fühle sich durch das Smartphone jedenfalls nicht abgelenkt. Außerdem wolle sie in den Pausen doch wissen, was los ist, was im Rest der Welt passiert, sagt sie. So sieht es auch die 16-jährige Hanna, ebenfalls 9. Klasse. „Wenn hier zum Beispiel ein Feueralarm oder so ausbricht, dann will ich doch zu Hause Bescheid sagen können“, sagt sie.

Liam (15) aus der 9. Klasse hält das Handyverbot für „richtig, weil die Fünftklässler ständig mit dem Smartphone vor der Nase durch die Gegend und dann gegen die Leute laufen“. Auch Norwin (14) aus der Neunten hat gegen das Verbot nichts einzuwenden. „Ich spiele in der Schule sowieso nicht mit meinem Handy, das mach ich zu Hause“, sagt er. Neuntklässler Timo (15) stört sich ebenfalls nicht an dem Verbot. Und auf Whatsapp oder Facebook sei er in der Schule schon gar nicht angewiesen. „Das brauche ich nicht. Meine Freunde sind ja alle hier“, erläutert er.

Generell dürfen die Schüler zwar weiterhin ihre Handys mit in die Schule bringen. „Aber es muss in der Tasche bleiben“, sagt Lüthen. Bislang sind nur die Schüler der 5. bis 10. Klassen von dem Verbot betroffen. Aber das soll sich ändern. „Jahr für Jahr kommen auch die Jahrgänge der Oberstufen dazu“, kündigt Lüthen an. pk

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