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„Hauptsache, es fließt Blut“

Frauenkarneval in Rinteln „Hauptsache, es fließt Blut“

Wenn dunkle Gestalten mit langen Hörnern über den Marktplatz schreiten, glitzernde Hüte und silberne Peace-Zeichen im Licht der Laternen aufblitzen und sich Wesen aus „Avatar“ auf den Eingang des Ratskellersaales zubewegen, dann weiß man: Es ist wieder Frauenkarneval in Rinteln.

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Gut gelaunte, bunt verkleidete Frauen feiern zwanglos Karneval unter sich.

Quelle: tol

Von Claudia Masthoff Rinteln. Rinteln. Zum 16. Mal hatte der Rintelner Frauenkarneval (RFK) dazu eingeladen.

 Waren es früher noch hauptsächlich die Fehler der Männer, die per Büttenrede aufs Korn genommen wurden, gilt der Spott nun auch anderen gesellschaftlichen Phänomenen. So lässt sich Jutta Meves auf der Bütt über die Auswüchse bei der digitalen Überwachung der Bevölkerung aus und legt ihren Zuhörerinnen zum Abschluss ans Herz: „Und die Moral nun von dieser Geschicht’? Übet bei Karten und Handy Verzicht! Baut keine Eisbomben, sprengt keinen Rasen, schnarcht nicht und trinkt nicht aus Uromas Vasen!“

 Etwas fürs Auge sind die Auftritte von Funkenmariechen Madleen Dana Hugo und den Gardetanzgruppen. Elemente von modernem Ausdruckstanz, Breakdance und Volkstänzen machen das Programm vielfältig. Und während die „Wilden Funken“ aus Krankenhagen im klassischen Funkenmariechenoutfit mit Stiefelchen und Dreispitz zu sehen sind, treten die Moskitos aus Hessisch Oldendorf im Saloon-Damen-Stil auf. Perfektion hat die Prinzengarde Eugenese aus Hannover erreicht. Tolle Kostüme, anspruchsvolle Choreografie und Tänzerinnen der Spitzenklasse zeichnen diese Gruppe aus. Dagegen leben die Auftritte der drei eingeladenen Männerballettgruppen gerade vom Nichtperfekten. Die Tänzer sind so „herrlich“ normal. Da tanzt kein Adonis und auch kein Muskelprotz auf der Bühne, sondern „der Mann von nebenan“. Und um den Frauen eine Freude zu machen, macht er sich beim Karneval auch gern einmal zum Affen. Zur Dramaturgie gehört eine ordentliche Verkleidung am Anfang. Es treten Fahnen schwingende Shaolin-Mönche, Eisbären und Blondinen im Tutu auf. Am Ende müssen die Hüllen fallen, damit sich die Damen dran ergötzen können.

 Als später die Band „An der Nordseeküste“ anstimmt, knien Hippies vor der Bühne und schwenken die Arme, es werden Schunkelkreise gebildet, wo Steinzeitfrauen mit Gothics, Blues Brothers und Minni Mouse schaukeln.

 Nicht fehlen darf an diesem Abend Jacqueline, singende und scherzende „Transe“ aus Hameln. Als Transvestit sitzt sie derart zwischen allen Stühlen, dass sie sich sowohl über Männer als auch über Frauen, aber am meisten wohl über sich selbst, lustig machen kann. Neben viel Schlüpfrigem hat sie auch einen kleinen politischen Seitenhieb im Programm. Sie erzählt von einem, der mit Gesinnungsgenossen durch die Straßen läuft und immerzu „Menstruation“ schreit. Schließlich spricht ihn ein anderer an und sagt: „Das heißt Demonstration, du Dummkopf!“ Antwort: „Ist mir doch egal. Hauptsache, es fließt Blut.“ Mit einer großen Polonaise schließt das offizielle Programm.

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