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Hilfe auf Knopfdruck

Hausnotruf in Rinteln Hilfe auf Knopfdruck

Oberschenkelhalsbruch. Hilflos im Badezimmer. Niemand hört die Hilfeschreie. Diese Horrorvorstellung ist Anfang des Jahres für eine Rintelnerin traurige Realität geworden. Zwar besaß die Seniorin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, einen Hausnotruf, dieser lag aber unerreichbar auf dem Nachttisch. Zur Hilfe kam der Pflegedienst ihrer Nachbarin.

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Kann Leben retten: der Druck auf den roten Knopf am Unterarm.

Quelle: dpa

Rinteln. Also alles noch mal gut gegangen? Nein. Denn zwei Wochen später flatterte der Frau, die nur eine Mindestrente bezieht, eine Rechnung des Pflegedienstes ins Haus, der für die geleistete Erste Hilfe 31,69 Euro verlangt. Ungerechtfertigterweise, wie die Tochter der Seniorin findet. Schließlich stand die Frau nie in einem Geschäftsverhältnis mit diesem Pflegedienst in Rinteln. Doch der bestand trotz mehrmaligen Nachfragens auf die Gültigkeit der Rechnung. Ratlos wendete sich die Tochter der Seniorin schließlich an diese Zeitung.

Nachdem der Redaktion von einem Anwalt bestätigt worden war, dass ein derartiges Ausnutzen der Hilflosigkeit einer Seniorin nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch rechtlich kaum zu halten sei, lenkte der Pflegedienst schließlich ein. Die Rechnung wurde storniert.

In diesem Fall konnte der Hausnotruf zwar nicht helfen, doch für ähnliche Situationen ist der Knopf Gold wert. Zwar hat kein Pflegedienst in Rinteln ein eigenes Hausnotrufsystem, was auch technisch wie organisatorisch viel zu aufwendig wäre. Aber alle Pflegedienste arbeiten mit externen Anbietern zusammen, denn Hausnotruf ist ein freier Markt, auf dem sich viele Anbieter tummeln.

Die Pflegedienste „Sokrates“ und „KiWi“ arbeiten mit der Vitakt Hausnotruf GmbH in Rheine zusammen, die Sozialstation und der „Pflegedienst I&K Ambulante Pflegedienste GmbH“ mit den Johannitern in Hannover, der „Pflegedienst Rinteln“ mit dem Hausnotruf Deutschland, Frankfurter Verband.

Große Besetzung im Notfall

Notrufsysteme funktionieren alle nach einem vergleichbaren Prinzip über das Mobilfunknetz, wobei die Kunden ihren Telefonanbieter frei wählen können. Bei allen Systemen kann sich der Hilfe suchende Senior mit der Notrufzentrale unterhalten und sein Problem schildern. Meldet sich jedoch nach Auslösung des Notrufes niemand, geht man in der Zentrale vom Schlimmsten aus und alarmiert die große Besetzung, also Notarzt und Rettungsdienst, wenn es sein muss auch Schlüsseldienst und sogar die Feuerwehr.

Doch solche Fälle betonten alle befragten Pflegedienste in Rinteln, seien äußerst selten. Meist genüge es, wenn der Pflegedienst selbst nach dem Rechten schaue. Alltag ist eher: Ein alleinstehender Senior will sich anziehen, stürzt dabei und kommt nicht wieder hoch. Oder die Seniorin hat ihr Medikament verlegt oder weiß nicht, ob sie das richtige nimmt. Die Zahl der Alarmierungen, die pro Jahr eingehen, ist von Pflegedienst zu Pflegedienst unterschiedlich: Genannt werden Zahlen zwischen zwölf und weit über 30.

Auch die Stiftung Warentest hat schon Hausnotrufsysteme unter die Lupe benommen und dabei bemängelt, Pflegedienste versäumten es, regelmäßig zu überprüfen, ob der Notruf noch funktioniert. Bärbel Bankow-Willbrand vom Pflegedienst „Sokrates“ betonte ausdrücklich, ihre Pflegerinnen setzten bei Hausbesuchen immer mal wieder einen Probenotruf ab.

Wie kommt man in die Wohnung?

Ein häufiger auftauchendes Problem, sagen viele Gesprächspartner, sei folgende Frage: Wie kommt man in die Wohnung des Hilfesuchenden, wenn der selbst die Tür nicht mehr aufschließen kann? Wo ist der Schlüssel? In manchen Fällen habe die Nachbarin einen Ersatzschlüssel, oft sei der beim Pflegedienst hinterlegt. Es gab aber auch schon Fälle, wo sich das in der Eile nicht klären ließ, schildert Stefan Sawade von den Johannitern in Hannover: „Da haben wir gleich einen Schlüsseldienst mitgeschickt.“

Georg Hebbelmann von der Vitakt-Notrufzentrale in Rheine berichtete von einem ungewöhnlichen Notruffall: Eine Seniorin sei von einem Einbrecher überrascht und zu Boden gedrückt worden. Dabei habe sie geistesgegenwärtig den Notrufknopf ihres „Funkfingers“ ausgelöst. Sofort habe sich die Servicezentrale über das Hausnotrufsystem gemeldet und der Einbrecher aufgeschreckt die Flucht ergriffen.

Wer in welcher Reihenfolge wann informiert wird, können der Senior, die Seniorin oder Angehörige entscheiden. Ist nämlich nur ein Fenster offen, das die Seniorin selbst nicht schließen kann, oder nur die Brille verlegt, kann auch die Nachbarin helfen.

Viele Geräte, betonte Sawade von den Johannitern, könnten außerdem noch mehr, nämlich an einen Arzttermin erinnern oder daran, wann man ein Medikament einnehmen muss. jak, wm

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