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Horror vor der Hochzeit

Horror vor der Hochzeit

Ein verunstaltetes Hochzeitskleid hat es bis vors Gericht geschafft.

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Eine Rintelner Schneiderin hat ein Abendkleid schief gekürzt – jetzt ein Fall für die Justiz.

Quelle: Fotolia

Rinteln. Die Summe ist eher belanglos, rund 400 Euro. Der emotionale Schaden dafür umso größer, nämlich Stress und Ärger vor einer Hochzeit. Denn es geht in der Auseinandersetzung, die der Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell gerade für eine Mandantin führt, um ein Hochzeitskleid, genauer gesagt um die Verunstaltung eines Hochzeitskleides durch eine Schneiderin.

Und das ist für eine Frau schlicht eine Katastrophe. Grell hat sich das, diese spezielle Befindlichkeit, von den Damen im Büro ausdrücklich bestätigen lassen, bevor er sich an den Schriftsatz machte. Und es ist eine Geschichte, die demnächst das Amtsgericht Rinteln beschäftigen wird, weil sie sich wohl außergerichtlich nicht klären lässt. Ein Aktenzeichen gibt es schon.

 Kein zweiter Anprobetermin

Das Kleid ist grün und aus Seide. Ein zweiteiliges Abendkleid aus Oberteil und Rock. Vor ein paar Jahren gekauft für 430 Euro. Und nur einmal getragen. Dieses wundervolle Kleid holte Grells Mandantin aus dem Schrank und wollte es jetzt als Abendkleid zur Hochzeit ihrer Tochter tragen. Doch die erste Anprobe zeigte: Das Kleid ist für diesen Zweck zu lang. Auch, weil die Frau dazu hochhackige Schuhe tragen wollte.

 So ging Renate S. (Name von der Redaktion geändert) zu einer Schneiderin mit der Bitte, den Saum zu kürzen und brachte gleich die Schuhe mit, die sie zu dem Abendkleid tragen wollte, hochhackige Sandaletten, damit bestimmt alles passte. „Ich habe die Schneiderin noch extra gefragt, ob sie das kann, diese Änderung“, erinnert sich die Frau. „Die Schneiderin hat Ja gesagt.“

 Und damit beginnt der Fall. Denn die Schneiderin raffte die Seide nach oben, so um die zwanzig Zentimeter, und steckte mit Nadeln ab, was sie kürzen wollte.

 Der Anwalt recherchierte: Das war der erste Fehler. Denn eine Frau vom Fach erklärte: Die Schneiderin hätte dazu die Frau bitten müssen, auf einen Hocker zu steigen (was man übrigens im Internet in jedem Hochzeitsportal nachlesen kann), damit der Stoff frei hätte fallen können. Dann ist es in der Branche üblich, den Stoff zunächst mit Kreide zu markieren. Stattdessen verabschiedete die Schneiderin die Frau und sagte ihr, wann das Kleid fertig ist. Der zweite Fehler, sagt die befragte Fachfrau, denn normalerweise würde noch ein Termin für eine zweite Anprobe vereinbart.

 Stattdessen überreichte man Renate S. im Laden einfach das geänderte Hochzeitskleid, die Schneiderin war noch nicht einmal anwesend. S. probierte es noch in der Schneiderei an und stellte sofort fest: Der Kleidersaum war völlig schief. Und zwar hinten sieben Zentimeter kürzer als vorne. Sieben Zentimeter, das kann man nicht übersehen.

 Weil ihr die Zeit bis zur Hochzeit ihrer Tochter davon lief, Renate S. außerdem kein Vertrauen mehr in die Fachkenntnisse der Schneiderin hatte, ging sie zu einer anderen Schneiderin. Diese behob das Malheur. Doch reparieren ließ sich der Schaden nur begrenzt: Abgeschnitten ist abgeschnitten.

 Die Hochzeit fand statt – mit dem Kleid. Allerdings hatte sich Renate S. zuvor neue Schuhe (ohne Hacken) kaufen müssen, weil sie ansonsten aufgrund der fehlerhaften Kürzung das Kleid nicht hätte tragen können. Soweit hat die Geschichte ein Happy End.

 Referenz ist ein Urteil aus der Autobranche

 Bis auf den Nachspann. Ob allerdings der Richter tatsächlich das Kleid in Augenschein nehmen muss, um zu einem Urteil zu kommen? Die entscheidende Frage ist nämlich, ob Renate S. der Schneiderin, die bei ihrer Arbeit ganz offensichtlich einen Fehler gemacht hat, die Chance hätte geben müssen, diesen wieder auszubügeln. Grell meint nein, denn es habe sich ja schon bei der Kürzung herausgestellt, dass die Schneiderin fachlich nicht versiert war.

 Und Grell verweist dabei auf ein Urteil aus der Autobranche. Da gibt es nämlich eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Koblenz, wonach ein Autofahrer, dessen Werkstatt bei einer Reparatur Pfusch gebaut hat, nicht verpflichtet ist, dieser Werkstatt noch einmal die Chance der Nachbesserung zu geben, wenn bei der Reparatur bereits gravierende elementare Fehler gemacht wurden.wm

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