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Hotelzimmer ohne Hürden

Rinteln / Inklusion Hotelzimmer ohne Hürden

Menschen mit Behinderungen sollen laut UN-Konvention gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben können. In den Schulen heißt das Einführung der Inklusion, am Immobilienmarkt Bau von behindertengerechten Wohnungen, bei der Verkehrsplanung Absenkung von Bordsteinen und Beseitigung von Stolperfallen.

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Die Hotelhinweistafeln wie hier an der Konrad-Adenauer-Straße geben keine Hinweise auf barrierefreie Hotelzimmer.

Quelle: dil

Von Anton Posnak. Auch die Tourismusbranche entdeckt Behinderte als Zielgruppe. Doch wie barrierefrei sind Rintelns Hotelbetriebe? Eine Umfrage beweist: Erste Anfänge sind gemacht, aber es bleibt noch viel zu tun, wenn Behinderte Rinteln als Urlaubsziel ansteuern sollen.

Rinteln ist für viele Touristen attraktiv. Die Hotels- und Gaststättenbetreiber freuen sich darüber, bemühen sich sehr um guten Service. Aber wie behindertenfreundlich sind die Hotels? Zwar wird auf manchen Homepages mit dem Zusatz „behindertengerecht“ geworben, aber nur der Schaumburger Ritter besitzt zwei Zimmer, die den DIN-Normen der „Barrierefreiheit“ für Rollstuhlfahrer entsprechen. Dabei handelt es sich um bauliche Vorgaben, wie beispielsweise verstellbare Waschbecken und Betten, Duschen ohne Kanten, breite Türen und Haltegriffe im Badezimmer, sowie genügend Platz zum Wenden.

 Stephan Kehlenbeck, Geschäftsführer des „Schaumburger Ritters“, erklärt: „Seit unserem Umbau im letzten Jahr haben wir zwei Zimmer, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind und den DIN-Standards entsprechen.“

 Andere Hotels wie der Waldkater, das Alte Zollhaus, das Hotel Brückentor und das Weserberghaus sind bedingt barrierefrei. „Wir haben ein Zimmer, das für Rollstuhlfahrer geeignet ist, aber nicht den vorgegebenen Normen entspricht. Der Balkon kann beispielsweise durch eine Rampe genutzt werden“, so Iris Bornemann vom Waldkater. Ähnlich äußert sich Caroline Cremer vom Alten Zollhaus. „In unserem Haus gibt es zwei Doppelzimmer, die barrierefrei zugänglich und durch Rampen erreichbar sind, jedoch entsprechen die nicht den geregelten Standards“, so die Geschäftsführerin.

 Auch das Hotel Brückentor besitzt ein Zimmer, das für Rollstuhlfahrer durch einen Fahrstuhl zugänglich ist. „Das Zimmer hat eine breitere Tür als die anderen und eine Dusche ohne Kanten“, sagt Inhaberin Christine Brokmann. Die DIN-Normen erfüllt aber auch dieses Zimmer nicht.

 Ulrich Neuser, Betreiber des Hotels Weserberghaus, berichtet, dass er auch zwei Zimmer besitzt, die leicht zugänglich sind, bei denen die Türschwellen jedoch leichte Kanten hätten. „Diese Zimmer werden aber auch kaum genutzt. Dies ist vor allem der geringen Nachfrage geschuldet“, so Neuser.

 Das Hotel Stadt Kassel, das Gasthaus Zur Linde (Todenmann) und das Hotel zum Pfingsttor (Friedrichswald) verfügen hingegen über keine behindertengerechten Zimmer. Ulrike Droste (Zur Linde) sieht auch keinen Grund umzubauen. „Wir haben keinen Bedarf nachzurüsten, da unsere Kunden meist Monteure sind und eben keine Urlauber.“

 Manfred Pollmann, Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt Rinteln, sieht generell Nachholbedarf bei den ansässigen Hotels. „Wir arbeiten daher eng mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zusammen, um die Hoteliers bei Neubauten auf behindertengerechte Zimmer hinzuweisen“, so Pollmann.

 Renate Mitulla, Geschäftsführerin des Dehoga Niedersachsen, erklärt, dass im Rahmen der Gleichstellung von behinderten Menschen generell „alle öffentlichen Gebäude auch Behinderten zugänglich sein“ sollen. Jedoch gebe es im Hotelbereich bislang keine verpflichtenden Vorgaben für das Vorhalten von behindertengerechten Zimmern.

Generell bezieht sich das Thema Barrierefreiheit auch nicht nur auf Menschen mit Gehbehinderung, sondern auch auf Personen mit anderen Handicaps wie Seh- und Hörschwächen. Für jede Gruppe müssten demnach auch andere Neuerungen vorgenommen werden. Die Hotelbetreiber sind deshalb verunsichert, „da man nie weiß, ob die Vorgaben auch langfristig bestehen bleiben“, so Brokmann vom Hotel Brückentor.

 Matthias Gräbner vom Zweckverband Touristikzentrum westliches Weserbergland verfolgt deshalb gemeinsam mit dem Behindertenbeirat ein Konzept, das nicht unbedingt auf kostspielige Umbauten setzt, sondern die Betreiber sensibilisiert. Gräbner: „Es reicht oftmals schon, wenn die Hotels kleinere Neuerungen vornehmen und ihre Hilfsbereitschaft anbieten.“ Vor allem sei es wichtig, dass die Hotels auch vernünftig Auskunft geben können, beispielsweise zur An- und Abreise oder ob es behindertengerechte Aktivitäten in der Nähe gibt.

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