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„Ich bin nicht so schnell einzuschüchtern“

Von der Bäckereiverkäuferin zum Personal Coach „Ich bin nicht so schnell einzuschüchtern“

Zwar nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber von der Bäckereifachverkäuferin mit Wurzeln in der italienischen Gastarbeitergeneration zum gefragten Coach in den höchsten Führungsebenen europäischer Firmen.

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Versteckt ihre italienische Seite nicht: Paola Thran wirkt lebhaft, temperamentvoll, herzlich und direkt.

Quelle: cm

RINTELN. Bei Paola Thran könnte schon der eigene Lebenslauf als Referenz für ihre Qualitäten im Beruf taugen.

Denn Paola Thran hat sich ihre heutige Position aus ureigener Kraft erarbeitet, ganz nach dem Motto, das sie heute ihren Klienten nahelegt. „Man muss seine Fähigkeiten und Talente entdecken, weiterentwickeln und einen Platz finden, wo diese am besten einzusetzen sind.“ Dieser Prozess ist Thran offensichtlich gelungen. Ehrgeiz sei eine Triebfeder dabei gewesen. Schon im Berichtebuch aus ihrer Lehrzeit im Bäckerladen steht in ordentlicher Mädchenhandschrift geschrieben: „Mein größter Wunsch ist es, einmal etwas Höheres als Verkäuferin zu werden.“

„Charakterlich finde ich mich ziemlich deutsch“, verrät die Tochter sardischer Gastarbeiter. „Struktur, Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, das sind Dinge, die mir wichtig sind.“ Wenn man sie erlebt, nimmt man jedoch auch ihre italienische Seite wahr. Thran wirkt lebhaft, temperamentvoll, herzlich und direkt.

Die kleine Frau – „in Sardinien zähle ich aber zu den Größeren“ – ist ein rechtes Energiebündel. Mit dieser Energie hat sie ihren Weg gemacht: Ausbildung, Heirat, drei Kinder, Suche nach neuen Herausforderungen, Stippvisite in der Ergotherapie, Feldenkraisausbildung und schließlich die Qualifizierungen im Bereich Coaching. Für ihre eigene Grundhaltung, die aus ihrer Sicht auch eine absolute Voraussetzung für die Arbeit als Coach darstellt, hat Thran einen Satz: „Ich liebe die Menschen.“

Und wenn man dann etwas zweifelt, ob denn Menschenliebe das sei, was in profitorientierten Unternehmen so gefragt wäre, wird man von der Fachfrau schnell belehrt. „Zufriedene Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter. Unzufriedenheit, Über- oder Unterforderung äußern sich im Nachlassen der Leistung. So bin ich in der glücklichen Position, mit meiner Arbeit sowohl etwas für die unternehmerischen Interessen wie auch für den Mitarbeiter selbst tun zu können“, strahlt Thran.

 Besondere Fähigkeiten ins Gedächtnis bringen

„Nehmen wir als Beispiel einen Mitarbeiter, dessen größte Fähigkeit und auch Freude im Umgang mit Menschen liegt. Bei Verkaufsgesprächen und in der Akquise gehörte er immer zu den Erfolgreichsten. Als dann die Firma ihre Kundenkontakte umstrukturierte, die Kommunikation mehr über E-Mails oder Werbeanschreiben gestaltet wurde, ließen dessen Leistungen nach. Schriftliche Formulierungen fielen ihm eher schwer, er vermisste die direkten Kontakte und wurde ziemlich unglücklich.“

In solchen Fällen gelte es zum einen, erst mal die besonderen Fähigkeiten des betreffenden Mitarbeiters bei seinen Vorgesetzten wieder ins Bewusstsein zu bringen, denn aktuell sei die Wahrnehmung ja eher durch ein Versagen oder schlechte Ergebnisse eingefärbt. „Der zweite Schritt ist dann, zu schauen, wie sich das Aufgabenfeld des Mitarbeiters verändern lässt, damit seine Stärken wieder zum Nutzen des Unternehmens eingesetzt werden können.“

Staunend hört man, dass diese kleine und nicht zu vergessen weibliche Person offensichtlich so viel Autorität ausstrahlen kann, dass Manager, Oberärzte und anderes Führungspersonal ihren Vorschlägen folgen. „Ich bin eher nicht so schnell einzuschüchtern“, meint Thran. „Meine Ebene ist die von Mensch zu Mensch, da spielt die Position keine so große Rolle.“ Und so setzt sie manchmal auch Menschliches durch, wo ihr Gegenüber einen Mitarbeiter schon beinahe abgeschrieben hat. „Häufig gibt es in Firmen richtig altgediente, langjährige Mitarbeiter auf der Führungsebene, die an irgendeinem Punkt von Umstrukturierung, Technisierung oder Modernisierung einfach nicht mehr mitkommen. Die werden dann als störend erlebt“, schildert Thran einen weiteren Fall. „Wenn ich dann vorschlage, dass man diesen Mitarbeiter für repräsentative Einsätze behalten sollte, anstatt ihm womöglich noch kurz vor seiner Rente zu kündigen, gibt es oft erst mal Bedenken.“ Aber es habe sich oft gezeigt, dass Kunden sich an diese langjährig bekannten Gesichter gebunden fühlen. „Solche Mitarbeiter sind so auf ihre Weise sehr nützlich. Sie bilden in der Außenwirkung für die Kunden die Klammer für die Firmenidentität auch über alle internen Veränderungen hinweg.“

Alle möglichen Berufsgruppen haben schon von Thrans Sachverstand profitiert. Sogar Fußballspieler aus Bundesliga-Vereinen im Ruhrgebiet ließen sich von ihr unterstützen. „Man braucht nicht so viel Wissen im jeweiligen Fachgebiet“, erklärt die Beraterin. „Die Ursachen für Probleme liegen eigentlich immer auf der menschlichen Ebene, und die ist überall gleich.“ cm

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