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„Ich finde es schrecklich, dieses Thema zu tabuisieren“

Abreibung am Schaumburger Klinikum „Ich finde es schrecklich, dieses Thema zu tabuisieren“

„Ich hatte Angst, dass es heißt: Was bist Du nur für ein Mensch!“ Das war, als Maren Schmidt sich vor fünf Jahren auf den Weg zum Arzt machte, um ihm zu sagen, dass sie schwanger ist und abtreiben will. „Ich war mir meiner Sache absolut sicher, und trotzdem fürchtete ich mich wie vor einer Gerichtsverhandlung.“

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Symbolbild

Quelle: dpa

RINTELN. Maren Schmidt spricht mit uns über das Geschehen rund um ihren Schwangerschaftsabbruch. Zunächst wollte sie das mit eigenem Namen tun, so sehr wütend und betroffen war sie über die Information, dass das neue Klinikum Schaumburg – wie berichtet – keine Abtreibungen aus sozialen Gründen durchführen will. „Ich finde es schrecklich, dies Thema so zu tabuisieren“, sagt sie. „Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen, wenn man zu dem Schluss kommt, dass man auf keinen Fall ein Kind bekommen will. Innerhalb der ersten drei Monate ist der winzige Embryo ohne mich nicht ansatzweise lebensfähig. Ich hatte nie das Gefühl, ich hätte ein ‚Kind‘ abgetrieben, sondern nur: Ich habe verhindert, dass ein Kind entsteht.“

Trotzdem will sie schließlich doch lieber anonym bleiben. Weder ihr erstes Kind, noch ihre Eltern wissen, dass sie sich damals gegen die Fortführung einer Schwangerschaft entschieden hatte. „Wir leben in einer Gegend, die ländlich und auch noch zurück geblieben ist. Das kann ich leider nicht ändern, und ich muss einfach meine Lieben schützen“, schreibt sie nach unserem Gespräch.

Alles sprach gegen das Kind

Die Vorstellung, dass ihr Kind nach einer Veröffentlichung zu hören bekommen könnte, seine Mutter sei eine Mörderin, oder dass ihre Eltern von Nachbarn komisch angesehen würden, die sei ihr zu unheimlich. „Selbst von meinen Freundinnen habe ich immer nur nebenbei erfahren, dass sie auch mal abgetrieben haben. Man redet eben lieber doch nicht drüber.“

Wie sie überhaupt schwanger wurde, obwohl sie sich sicher war, kein Kind mehr zu wollen? „Ich glaube, mein Fall ist gar nicht so selten“, sagt sie. „Die Beziehung zwischen meinem Ex-Mann und mir stand auf der Kippe, als wir doch noch mal miteinander schliefen. Ich war nicht darauf vorbereitet, und außerdem hatten die Ärzte gesagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass ich überhaupt noch mal schwanger werden könne. Bei meiner ersten Schwangerschaft gab es so viele Komplikationen, es war fast unerträglich gewesen“. Nun hatte sie sich gerade in die berufliche Selbstständigkeit gestürzt; die Trennung vom Mann stand bevor, und dazu war klar, dass ihre Familie sie zeitlich nicht würde unterstützen können, kurz: Alles sprach gegen ein weiteres Kind.

„Ich hatte keinen Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung“, sagt sie. „Zum Glück erklärte sich mein Ex-Mann damit einverstanden und hat mir auch später niemals Vorwürfe gemacht.“

Angst vor der Reaktion des Arztes

Auch der Arzt, vor dessen Reaktion sie sich gefürchtet hatte, reagierte ganz sachlich auf ihr Anliegen, auch dann, als sie nach dem verpflichtenden Beratungsgespräch in der Awo-Schwangeren-Konfliktberatung erneut zu ihm kam, um die Überweisung in das Rintelner Kreiskrankenhaus zu erhalten. „Ich hatte schon vor dem Awo-Gespräch alles ganz genau durchdacht“, sagt sie. „Ich schilderte der Beraterin meine Situation, und sie sagte: ‚Das verstehe ich‘. Es ging nicht darum, dass ich mich rechtfertigen musste, sondern darum zu erkennen, ob ich wirklich bewusst und aus freien Stücken handle.“

Die drei Tage vorgeschriebener Bedenkzeit änderten nichts an ihrem Entschluss. Ihr Ex-Mann begleitete sie zum Krankenhaus und holte sie auch wieder ab. „Ich hatte keine Angst vor dem Eingriff, es ist ja medizinisch gesehen eine eher unkomplizierte Sache“, sagt sie.

„Und was wirklich guttat: Der Gynäkologe des Krankenhauses war sehr freundlich, erklärte mir anhand von Bildern genau, was jetzt geschehen würde und zeigte mir sogar Statistiken darüber, wer, wann und aus welchen Gründen abgetrieben hatte.“ Nach dem Eingriff fühlte sie sich einfach nur unendlich erleichtert. „Ich hätte einem weiteren Kind einfach nicht gerecht werden können.“ cok

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