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„Ich habe gedacht, mein Mann ist tot“

Verurteilt wegen Körperverletzung „Ich habe gedacht, mein Mann ist tot“

Ein 18 Jahre alter Rintelner, der sich für zwei Körperverletzungsdelikte hat verantworten müssen, ist nun in einem Fall freigesprochen und im anderen verurteilt worden. Im Mai hatte er bei einer Auseinandersetzung an einer Tankstelle einem 20-Jährigen eine Kopfnuss verpasst.

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Symbolbild

Quelle: Archiv

Rinteln. Dabei zog sich das Opfer eine blutige Nase zu. Dass der Angeklagte nur 30 Minuten später vor einer Gaststätte auch einem Mann (54) eine Bierflasche über den Kopf geschlagen hatte, ließ sich dagegen nicht nachweisen. Richter Christian Rost verurteilte den jungen Rintelner letztlich zu zweieinhalb Wochen Jugendarrest.

Absitzen muss er die Sanktion aber nicht mehr: Genau diese 18 Tage hatte der Angeklagte bis zur jetzigen Verhandlung in Untersuchungshaft verbracht. Dadurch wird der Arrest nicht mehr vollstreckt.

An einem Abend im Mai traf sich der Angeklagte mit drei Bekannten. Es wurde reichlich Bier und Wodka getrunken, ehe die jungen Leute gegen 22 Uhr an einer Tankstelle Nachschub holen wollten. Dort begegneten sie einer anderen Gruppe, die mit zwei Autos unterwegs war und gerade tanken wollte. Es kam zu Pöbeleien und Rangeleien, die aber beendet waren, als der Angeklagte mit seinem Fahrrad dazukam. Er schnappte sich einen 20-Jährigen aus der anderen Gruppe und verpasste ihm eine Kopfnuss. Dann zog der Rintelner mit seinen Kumpanen weiter Richtung Innenstadt und machte Halt vor einer Gaststätte.

Plötzlich von Flasche am Kopf getroffen

Deren Pächterin, ihre Tochter und ihr Mann waren gerade dabei, das Lokal zu schließen. Wieder kam es zu Pöbeleien aus der vierköpfigen Clique und zu einem Wortgefecht. Die Familie sprach sogar von fünf jungen Männern, die an jenem Abend vor der Gaststätte auftauchten. Plötzlich taumelte der 54-jährige Ehemann mehrere Meter weg, getroffen von einer Bierflasche am Kopf. „Ich habe gedacht, mein Mann ist tot“, sagte die Ehefrau vor Gericht. Der Mann war bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bewusstlos und hatte offenbar viel Glück, dass er nicht lebensbedrohlich verletzt wurde. Allerdings leidet er noch heute unter Tinnitus. Unklar blieb, ob die Flasche geworfen oder mit ihr geschlagen wurde. Und vor allem: Wer war der Täter?

Aus der Familie konnte niemand den von Rechtsanwalt Nils-Günther Pengel verteidigten Angeklagten als Verantwortlichen identifizieren. Der 18-Jährige (1,4 Promille am Tatabend) konnte sich an beide Vorfälle nicht mehr erinnern, seine Kumpel (1,5 und 1,4 sowie 0,0 Promille) wollen nicht gesehen haben, wer zugelangt hatte. Richter Rost konnte nicht ausschließen, dass auch ein anderer als der Angeklagte als Täter in Frage kommt. „Das ist ein sehr unbefriedigendes Ergebnis“, wandte er sich an die Opferfamilie. „Die Tat bleibt ungesühnt“, ergänzte er und folgte mit dem Freispruch für diesen Vorwurf dem Antrag von Staatsanwältin Karin Dubben.

Eine frühere Entscheidung wurde in den für die Körperverletzung an der Tankstelle ausgesprochenen zweieinhalbwöchigen Jugendarrest einbezogen: Im November 2016 hatte der Angeklagte eine Woche Jugendarrest wegen einer Sachbeschädigung kassiert. Damals ging es um einen Papierhandtuchspender in einem Bistro, den der 18-Jährige mit Faustschlägen derart demoliert hatte, dass er nicht mehr zu gebrauchen war. maf

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