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„Ich will weiter mitten im Leben stehen“

Auf nach Mexiko „Ich will weiter mitten im Leben stehen“

Sein kleines Haus an der Giebelgasse in Rinteln ist ein Wunder von raumnutzendem Innenausbau und so stimmig mit Kunstgegenständen und Fundstücken aus aller Welt eingerichtet, dass es selbst einem Kunstwerk gleicht.

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 „Was man festhält, blockiert einen“, sagt Jürgen Welker, während er sein Haus in der Giebelgasse ausräumt.

Quelle: tol

Rinteln. Dennoch lässt Jürgen Welker, just pensionierter Lehrer am Bückeburger Adolfinum, das Wunder-Häuschen hinter sich – so auch sein bisheriges Leben. Er geht im August nach Mexiko. Ohne Rückflugticket.

Nach Mexiko. In die mit anderthalb Millionen Einwohnern „eher kleine“ Stadt Puebla, nahe Mexico City, berühmt für ihre Schönheit, Standort eines großen VW-Werkes und damit zugleich eines Gymnasiums mit deutschem Zweig. Dort wird er die Oberstufenschüler in Kunst und Ethik unterrichten, was bedeutet, dass Welker innerhalb der nächsten sechs Monate möglichst perfekt das Spanische beherrschen muss. Leben wird er in einem bereits eingerichteten Haus, das vor ihm andere Lehrer bewohnten. Wirklich kennen tut er bisher niemanden. Verrückt.

„Na ja“, sagt Jürgen Welker, „ich war ja auch schon mal für zwei Jahre in China, eine absolut bereichernde Erfahrung. In China hatte ich niemals Besuch von deutschen Freunden. Für Puebla aber bin ich quasi schon ausgebucht. Ich mach mir keine Sorgen.“ Er erzählt, dass er von anderen manchmal als „pädagogischer Weltenbummler“ oder „Lehrer ohne Grenzen“ bezeichnet wurde. Auf jeden Fall merkt man seinen eigenen Bildern den China-Aufenthalt an, diese Experimente mit Pinselstrichen und Schriftzeichen. Sicher wird ihn auch die mexikanische Kunst-Buntheit anstecken. Seinen Schülern will er neue Blickwinkel auf die europäische Kunst bieten.

Zudem geht es darum, an der Schule erstmals einen Ethik-Fachbereich aufzubauen. Alles in allem bedeutet das die Fulltime-Fortsetzung seines Berufs. „Ich will einfach weiterhin mitten im Leben stehen“, sagt er. Kraftvoll genug wirkt er unbedingt, auch so gut gelaunt und rundherum neugierig. „Mir ist es recht, nichts von dem mitzunehmen, was ich besitze. Im ersten Moment tut das Loslassen vielleicht etwas weh. Aber ich weiß ja: Was man festhält, blockiert einen. Ich sehne mich nach Weite und Freiheit.“

Dass es Mexiko wurde, wohin er geht, lag an einem Besuch der Bildungsmesse „Didacta“ in Hannover, wo sich auch etwa 40 Auslandsschulen präsentierten, darunter die Schule in Puebla. Dort suchten sie Kunstlehrer, und kaum bekamen sie mit, dass Jürgen Welker einer sei, hieß es: „Bleiben Sie stehen! Bleiben Sie stehen!“ Da er eine vorbereitete Bewerbung dabei hatte, ging die Sache schnell voran. Vor Ort steht ihm für den Anfang eine Mentorin zur Seite. Das Giebelgassen-Haus ist verkauft, all seine Schätze werden aussortiert, verschenkt oder eingelagert.

Wann er zurückkommt, weiß er noch nicht. Aber wenn es so weit ist, dann zieht er nach Bad Pyrmont. „Das ist ein passender Ort fürs Alter“, meint er. „Kultur und gute Versorgung vor Ort – und Hannover ganz nah.“ Bestimmt entstehen dann an seinem dortigen Atelier-Platz Bilder, die seine Zeit in Mexiko widerspiegeln werden.

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